Dauerbrenner_Katharina_Rogenhofer_LNG_Der Gamechanger für die Unabhängigkeit von russischem Gas? Man sieht Katharina Rogenhofer vor einer brennenden Weltkugel. Sie trägt eine hellblaue Bluse und hat die Arme verschränkt.
/ 9. Juni 2022

Österreich hat sich in eine tödliche Abhängigkeit begeben. Wir importieren 80% unseres Erdgasbedarfs aus Russland und überweisen dafür Milliarden auf das Kriegskonto. Nun wird immer wieder eine mögliche Alternative bejubelt: Liquefied Natural Gas - kurz: LNG. Das kann Europa aus anderen Quellen beziehen. Es soll uns unabhängiger von Russland machen. Aber was ist LNG eigentlich, und ist es wirklich ein langfristiger Gamechanger? Katharina Rogenhofer erklärt. 

Liquefied Natural Gas

Liquefied Natural Gas, kurz LNG heißt auf Deutsch übersetzt "verflüssigtes Erdgas". Das Erdgas wird auf unter -160°C heruntergekühlt und dadurch in einen flüssigen Zustand gebracht. Es kann deshalb, anders als normales Erdgas, auf speziellen Tankschiffen transportiert werden und braucht keine Pipelines. Das wirkt doch vielversprechend, wo uns doch viele der europäischen Pipelines mit Russland verbinden?

In einer Analyse der Österreichischen Energieagentur sieht es jedenfalls so aus. Um die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, sieht sie drei Möglichkeiten:

  • Erstens soll der Gasverbrauch reduziert werden. 
  • Zweitens soll ein Teil vom Rest durch selbst erzeugtes Biomethan und Wasserstoff ersetzt werden.
  • Drittens soll der größte Teil aber durch andere Gasquellen ersetzt werden, darunter auch Flüssiggas aus Übersee.

Bei der Verbrennung von Erdgas wird immer CO2 freigesetzt – es ist also in jeder Form schlecht fürs Klima. Gerade im Hinblick auf das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 ist eine weitere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen eigentlich keine Option. LNG ist aber häufig sogar noch klimaschädlicher als Erdgas, das durch Pipelines transportiert wird. Der Prozess der Verflüssigung, die intensive Kühlung, der Transport selbst und die anschließende Rückumwandlung in Gasform sind nämlich sehr energieaufwändig.

Fracking

Zudem stammt das meiste Flüssiggas in Europa aus den USA. Dort wird das Gas häufig durch Fracking gewonnen. Beim Fracking werden Wasser und Chemikalien mit hohem Druck durch ein Bohrloch ins Gestein geleitet, um schwer zugängliche Gaslagerstätten im Boden zu erschließen. Das führt zu mehreren möglichen Umweltschäden: Durch Lecks in den Bohrlöchern oder unsachgemäße Lagerung der Fracking Flüssigkeit können Chemikalien und Gase ins Grundwasser gelangen und damit das Trinkwasser verunreinigen. Nach Abschluss der Bohrungen verbleibt der giftige Fracking-Cocktail im Gestein. Ein Gutachten des Umweltbundesamts aus Deutschland schließt sehr deutlich: "Nach aktuellem Erkenntnisstand kann die Möglichkeit großräumiger, dauerhafter und irreversibler nachteiliger Auswirkungen solcher Vorhaben auf die Trinkwasserversorgung und den Naturhaushalt nicht von der Hand gewiesen werden."

Absurd ist daher, was Österreichs mittlerweile zurückgetretene Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck noch vor kurzem vorgeschlagen hat: einfach mehr auf Fracking zu setzen. Flüssiggas, gerade aus Fracking-Quellen, schadet Umwelt und Klima massiv und ist eine Fehlentwicklung. Selbst wenn wir kurzfristig diese Quellen nutzen müssen, um durch ein Gas-Embargo Russland unter Druck zu setzen, so sollte doch spätestens jetzt der Weg für eine Energiewende freigeschaufelt werden – die wurde nämlich in den vergangenen Jahrzehnten verschlafen.

Weiterführende Links:

Austrian Energy Agency: Analyse: Österreichische Gasversorgung ohne Importe aus Russland
Geo: Kontroverse um Flüssiggas: Das sollten Sie über LNG wissen
Geo; Fracking: Das sollten Sie wissen
Faz: „Die EU muss auf Fracking setzen“

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