Moment mal!
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/ 9. Juli 2020

Die Schlachthöfe in Oberösterreich haben sich zum neuen Hotspot entwickelt. Viel Frischfleisch für das Virus! Die Politik hat diesmal rasch reagiert ... und sofort wieder alle Schulen geschlossen. Über 100.000 Kinder in Oberösterreich konnten die letzten beiden Wochen nicht mehr in Schule oder den Kindergarten gehen. Schlachthöfe hatten allerdings weiterhin offen.

Das ist ungefähr so schlau, wie ein Pflaster auf den Bauch zu kleben, wenn man hustet. Die Politik handelt dort, wo es angeblich nicht schadet. Und das heißt eigentlich: Wo es IHR nicht schadet. Als erstes sperren wir einfach die Kinder wieder zuhause ein. Und mit ihnen: Die Mütter.

Mama macht das schon

Sie haben das Land am Laufen gehalten - und ganz nebenbei Kinder und Haushalt geschupft. Jene Hilfsstrukturen, die sich Frauen mühsam aufgebaut haben, um ein halbwegs gleichberechtigtes Leben zu führen - wie Kindergarten, Schule, Babysitter, Großeltern - waren komplett weg. Und damit war es dann wieder mal das Problem der Frauen.

Daten der Uni Wien belegen, dass Eltern mit Kindern unter 14 in der Krisenzeit rund 12 Stunden pro Tag entweder mit Arbeit, Haushalt oder Kinderbetreuung verbracht haben. Frauen waren hier besonders gefordert: jede Zweite hat mehr als ihr Partner im Haushalt gestemmt. 2 von 3 haben den Großteil der Kinderbetreuung übernommen. Am meisten gearbeitet haben übrigens Alleinerzieherinnen. Sie kommen auf knapp 15-Stunden-Schichten täglich, wobei im Schnitt 9 davon unbezahlte Kinderbetreuung und Hausarbeit sind.

Und wie machen die Frauen das? Indem sie am Rande der Überforderung all diese Dinge balancieren - und ihre bezahlte Arbeitszeit verkürzen. Über 20 Prozent von ihnen reduzieren ihre Arbeitszeit, die ohnehin schon kürzer als die der Männer ist.

Nun liegen 9 Wochen Sommerferien vor uns, aber viele Eltern haben im Lockdown bereits ihren Urlaub verbraucht: Jeder Vierte hat für den Sommer nicht genug Urlaubstage, um die Kinder zu betreuen, Viele wissen schlichtweg nicht, wie sie die durchgängige Betreuung der Kinder im Sommer leisten sollen. Fast jeder zweite kann sich keine externe Betreuung im Sommer leisten. Unter Alleinerziehenden sind es fast drei Viertel.

Testergebnis - bitte warten

Für die Wirtschaft machen wir 50 Milliarden Euro locker, da wird geholfen, koste es was es wolle. Die Familien hingegen - und das heißt vor allem die Frauen - müssen schauen, wo sie bleiben. Und zwar noch lange. Wenn wir im Herbst auf regionale Cluster weiterhin mit rigorosen Schulschließungen reagieren - oder schlimmer noch - erneut in den nationalen Lockdown gehen. Schon jetzt ist es schwierig: Wo bisher ein Verdachtsfall aufgetaucht ist, werden alle heimgeschickt, bis nach 3 Tagen ein Testergebnis vorliegt. Oft dauert es sogar länger. Wie soll das im Herbst funktionieren, wenn die Erkältungssaison kommt? Bei jedem Verdacht alle heimschicken bis Ergebnis da ist? Soviel Urlaub haben Eltern einfach nicht mehr übrig.

Wen wundert es da noch, dass Frauen sauer sind: Ihre Lebenszufriedenheit ist laut Umfragen während der Krise deutlich gesunken. Sie bewerten ihre Lebenszufriedenheit durchschnittlich nur noch mit 6,4 von 10 Punkten. Vor der Krise lag sie noch bei 8 Punkten.

Was es braucht: 

  • Einen Plan für den Herbst: Die Politik kann sich nicht erneut darauf verlassen, dass die Frauen dieses Landes Kinderbetreuung, Haushalt und Beruf schon irgendwie hinbekommen werden. 
  • Testung bei Verdacht im Schul- und Kindergartenbereich muss absoluten Vorrang haben: das Testergebnis muss am gleichen Tag da sein. 
  • Es braucht zusätzliche Pflegetage für Eltern, die wegen Schulschließungen ihre Kinder zuhause haben
  • Und: In die Betreuungs-Bresche springt eher, wer weniger an Gehalt verliert: Das ist traditionellerweise meist die Mutter. Wir brauchen endlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit und eine deutlich höhere Bezahlung in sogenannten Frauenberufen, etwa in der Pflege.

Links und Quellen

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