Schulstreik: Eine Schülerin erzählt, warum sie streikt

Viele Schüler:innen fühlen sich von der Politik ignoriert. Bei uns erzählt Viviane, warum sie jetzt streiken wollen.

Foto: cottonbro/Pexels

/ 14. Januar 2022

Österreichs Schüler:innen sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen. Die Pandemie erschwert einen geregelten Unterricht seit zwei Jahren. Die Untätigkeit der Politik angesichts der Omikron-Welle hat jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht. Ab 18. Jänner drohen Schülervertreter:innen deswegen mit einem Maturastreik. Viviane Negeli aus Linz ist eine von ihnen. Bei uns erzählt sie, wie es ihr und ihren Mitschüler:innen geht und wofür sie streiken wollen.

Seit der sechsten Klasse wechselt sich mein Unterricht zwischen Distance Learning und Anwesenheit ab. Bis Ende Mai sind wir zu Hause geblieben, dann hatten wir Schichtbetrieb. In der Siebten sind wir wieder in die Schule gekommen, nach den Herbstferien waren wir bis zu den Semesterferien wieder daheim. Dann kam wieder der Schichtbetrieb. Auch heuer, in meinem Maturajahr, waren wir im Dezember wieder im Distance Learning. Jetzt gerade müsste ich eigentlich in der Schule sein. Aber in meiner Klasse gibt es mehrere positive Fälle, deswegen bin ich schon wieder daheim.

Corona ist immer präsent

Wenn man aktuell in die Schule geht, hat man Corona immer im Kopf. Lehrer:innen und Schüler:innen haben den ganzen Tag eine Maske auf. Man kann kaum Emotionen herauslesen und sich nur auf das verlassen, was man hört. Momentan fühle ich mich noch unsicherer. Wir testen uns zweimal die Woche mit PCR-Tests und einmal mit Antigen. Aber das funktioniert gerade nicht, die Ergebnisse sind diese Woche einfach nicht gekommen.

Ich bin in dem Maturajahrgang, der bisher die längste Phase im Distance Learning verbracht hat. Wir haben alle Schwierigkeiten von Anfang an mitbekommen. Im ersten Lockdown haben wir sehr wenig Betreuung gehabt, weil es die Kapazitäten bei Lehrer:innen nicht gab. Beim Wechseln zwischen Schichtbetrieb und im Distance Learning ist einfach nie dieser Schulrhythmus zustande gekommen, mit Tests, Schularbeiten und dem Lernen dafür.

Die Politik stellt sich vieles einfacher vor

Ich und viele von uns fühlen sich von der Politik wenig gehört. Sie hat uns so oft ignoriert und Entscheidungen über unseren Kopf hinweg getroffen. Politiker:innen haben unsere Situation nie erlebt. Sie stellen sich viele Dinge wesentlich einfacher vor, als sie in Wirklichkeit sind. Der Hybridunterricht zum Beispiel. Schüler:innen müssen sehr oft in der Quarantäne daheim bleiben und sollen sich dann in den Unterricht dazuschalten. Das wird von der Politik als ultimative Lösung angepriesen wird. Aber das funktioniert ganz einfach nicht. Es gibt nicht die Kapazitäten dafür.

Wir fordern jetzt die Möglichkeit zu einer schriftlichen Matura mit verkürztem Themenpool. Und wir wollen selbst entscheiden können, ob wir zur mündlichen Matura antreten. Das ist eine Prüfung, die wir ablegen müssen, obwohl wir die letzten Jahre nicht ausreichend darauf vorbereitet wurden. Wir wollen selbst darüber bestimmen, ob wir uns dem gewachsen fühlen. Genauso soll die Vorstellung der VWA oder Diplomarbeit freiwillig sein. Außerdem wollen wir zusätzliche Maßnahmen für die psychische Gesundheit an den Schulen. Das heißt mehr Schulpsycholog:innen oder andere Hilfestellungen.

Wir wollen nicht untergehen

Wir wollen uns nicht vor irgendwas drücken oder faul sein. Auch die mündliche Matura wollen wir nicht abschaffen. Wir wollen jedem Schüler und jeder Schülerin die Möglichkeit geben, sich zu beweisen. Sie sollen hingehen können und zeigen, was sie drauf haben. Aber unsere Oberstufenzeit war anders, als für alle vor uns. Es gibt viele, denen es nicht so gut geht und die sich nicht genug vorbereitet fühlen. Sie sollen nicht zum Antritt gezwungen werden.

Für diese Forderungen wollen wir streiken. Nächste Woche versammeln sich bei uns die Oberstufenschüler:innen und Maturant:innen vor der Schule und zeigen, dass sie auch etwas zu sagen haben. Wir wollen nicht einfach untergehen in dem, was Politker:innen uns vorschreiben. Wir haben auch eine Stimme.

 

Um auf die Situation der Maturant:innen hinzuweisen, hat die Aktion kritischer Schüler:innen eine Petition gestartet. Darin sind auch die Forderungen der Schüler:innen genau aufgelistet.

 

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