Plastikpfand in Österreich? Sicher nicht! Moment mal mit Barbara Blaha
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/ 12. März 2021

Wir lieben Plastik. Noch mehr als Plastik lieben wir nur, Plastik wegzuschmeißen! Bei uns landen pro Kopf jedes Jahr 42 Kilo Plastik im Müll. Das sind eine Million Tonnen pro Jahr, damit liegen wir weit über dem EU-Schnitt. Von dieser Million Tonnen - eine Milliarde Kilogramm! - wird nur ein Drittel recycelt. 

Plastikpfand hilft gegen Plastikflut

Der Rest wird verbrannt oder landet in der Umwelt. Besonders problematisch sind Plastikflaschen: Sind in 5 Minuten ausgetrunken, landen dann im Restmüll oder - achtlos weggeworfen - auf Straßen, Feldern, in Wäldern, Flüssen und Seen. Irgendwann schwimmt dann alles im Meer - und das ist gefährlich. Das Zeug braucht 400 Jahre um abgebaut zu werden - und selbst dann bleibt noch jede Menge Mikroplastik übrig. Unser Planet schwitzt Plastik, wir finden es mittlerweile überall: in Fischen, Muscheln, im Trinkwasser, sogar in der Milch und im Honig. Und trotzdem gehen in Österreich jedes Jahr rund 1,6 Milliarden dieser Kunststoff-Zeitbomben über den Ladentisch.

Plastikpfand reduziert CO2

Nur 70 Prozent der Plastikflaschen werden recycelt. Das ist viel zu wenig: Bis 2029 müssen wir 90 Prozent der Flaschen getrennt sammeln und recyceln - das ist das EU-weite Ziel. Wer weniger Plastik in die Flüsse und Felder spült, wer mehr recycelt, spart doppelt: Das spart 160.000 Tonnen CO2, das ist so viel wie 83.000 Autos im Jahr in die Luft blasen. Aber das spart nicht nur CO2, das spart auch einfach Geld: Wer dieses Ziel nicht erreicht, muss hohe Strafen zahlen. 20 bis 45 Millionen Euro drohen uns für jedes Jahr, in dem wir die Richtlinie nicht einhalten.

Plastikpfand erhöht Sammelquote über Nacht

Die gute Nachricht: Das ist eigentlich ganz einfach. Mit einem Pfandsystem. Was wir bei Bierflaschen schon lange machen, klappt auch bei Plastikflaschen: Wer seine Flasche wieder zurückbringt, bekommt sein Pfandgeld retour. Um ganz sicherzugehen, dass das die beste Lösung ist, hat Ministerin Köstinger sogar eine Studie machen lassen. Das Ergebnis: “Internationale Erfahrungen zeigen, dass Flaschenpfand die einzige realistische Maßnahme darstellt, Kunststoffgetränkeflaschen zu zumindest 90 % getrennt zu sammeln.”An die Studie, die vor einem Jahr veröffentlicht wurde, kann sich die ÖVP heute leider nicht mehr erinnern.

Plastikpfand wirkt: Andere Länder machen es vor

Dabei zeigen uns andere Länder, wie gut das wirkt: In Deutschland  gibts das Pfandsystem schon seit bald 20 Jahren. Vorher wurden dort jährlich etwa drei Milliarden Einwegflaschen und Dosen achtlos in die Natur geschmissen. Seit es Pfand darauf gibt, sind PET-Flaschen und Dosen aus Parks und der Natur verschwunden. Heute werden 98,5 % der Einweg-Flaschen zurückgebracht. In zehn EU-Staaten gibt es bereits seit Jahren ein Pfandsystem, manche bauen es sogar weiter aus: Die Niederlande weiten das Pfand auch auf kleine Flaschen aus, Deutschland will nun auch Säfte und Milch mit einem Pfand versehen. 12 weitere Länder folgen in Kürze: Schottland, Portugal, Lettland, Irland, Weißrussland, Rumänien, die Türkei und die Slowakei werden “Pfand-Land”.

Plastikpfand: Die meisten sind dafür

Auch die allermeisten ÖsterreicherInnen finden die Idee gut: 83 Prozent befürworten die Einführung von Plastikpfand. Noch besser als Pfand auf Einwegplastik ist es, wenn wir Flaschen mehr als einmal verwenden können: Mehrweg-Flaschen eben. Gibts im Supermarkt halt leider kaum zu kaufen: Das soll sich ändern, wenn es nach der Klimaschutz-Ministerin Gewessler geht: Ab 2023 soll jede vierte Getränkeverpackung verpflichtend eine Mehrwegflasche sein, ab 2030 sogar jede zweite. Hatten wir ja früher alles schon mal: In den 1990er Jahren waren 9 von 10 Flaschen Mehrweg-Flaschen – jetzt sind es nur 19 Prozent.

Wirtschaft gegen Plastikpfand

Dass das schön so bleibt, dafür kämpft die Wirtschaftskammer Seite an Seite mit den großen Getränkeherstellern: Jeder Vorschlag, der dabei helfen würden, unsere Umwelt zu schützen, kassiert ein NJET.  "Ein Einwegpfand auf Plastikflaschen, mit dem Parallelstrukturen geschaffen werden, die (...) unnötigen Aufwand und Mehrkosten verursachen, wurde schon im Regierungsprogramm erfolgreich verhindert - und das aus gutem Grund", so Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karl Heinz Kopf. „Parallelstrukturen und unnötigen Aufwand verhindern” - ok, da ist die Wirtschaftskammer natürlich Experte.

Industrie setzt auf Freiwilligkeit statt Plastikpfand

Was also ist der Vorschlag der Getränkeindustrie? Sie möchte Parallelstrukturen und unnötigen Aufwand schaffen - also, für uns: Statt einfach die Pfandflasche im Supermarkt zurückzugeben und das Pfandgeld dafür zurückzubekommen, soll sich mal jeder eine App aufs Handy laden. Damit kann er sich dann den nächsten oft nicht leicht zu findenden Recycling-Behälter selber raussuchen. Dort angekommen, sollen wir die gelbe Tonne mal abfotografieren, schließlich noch den Strichcode auf unserer Flasche einscannen und dann - endlich - die Flasche wegschmeißen. Und dann? Dann darf man an einer Verlosung teilnehmen. Und Coca-Cola, Red Bull und Co sagen Danke für all die privaten Daten.   

Was es also braucht?

Ein Pfandsystem für Plastikflaschen. Und zwar so, wie es in zig EU-Ländern erprobt und erfolgreich ist.

Statt der Slapstick-Nummer von der Wirtschaftskammer.

Mehr Mehrwegflaschen - damit man sie überhaupt kaufen kann.

Und: eine deutliche Kennzeichnung, damit man auch sehen kann, was man da überhaupt kauft: Einweg oder Mehrweg.

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