Moment Mal mit Barbara Blaha

Ist Schulden machen sinnvoll? Moment Mal mit Barbara Blaha

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/ 26. Februar 2021

Wir haben alle gelernt, dass Schulden machen nicht super sind. Wer Schulden macht, hat sein Leben nicht im Griff, lebt über seinen Verhältnissen, und überhaupt: Man gibt nur aus, was man hat... Moment mal!

Ein anderes Wort für “Schulden machen” ist: “Kredit aufnehmen”. Klingt doch gleich ganz anders, oder? Ohne Kredite würde keine Volkswirtschaft funktionieren, aber dazu gleich. Die Frage ist nicht, ob Geld ausborgen böse ist, oder nicht. Die einzig relevante Frage ist: Was machen wir mit dem ausgeborgten Geld? Machen wir damit Party? Oder bauen wir etwas auf, von dem wir - und unsere Kinder und Enkelkinder was haben? 

Schulden machen ist sinnvoll

Eine Familie, die ein Haus baut, wird dafür Geld ausborgen. Das ist gescheit. Dem Kredit steht ein Vermögen gegenüber, nämlich das Haus davon haben auch die Kinder viele Jahre später etwas. Schöner Nebeneffekt: Wenn man mit dem Hausbauen nicht wartet, bis man das Geld zusammengespart hat, sondern einen Kredit nimmt, dann kann man ein paar Jahre früher drinnen wohnen.

Ein Unternehmen macht es im Grunde genommen genauso: Es kauft eine neue Maschine, um so den Umsatz und mittelfristig den Gewinn zu steigern. Kein Unternehmen spart jahrelang und kauft sich dann erst die wichtige neue Maschine, die dabei hilft, schneller, besser oder günstiger zu produzieren. So eine Strategie würde geradewegs in den Bankrott führen, weil andere Unternehmen mit kreditfinanzierten Investitionen in der Zwischenzeit den Markt übernehmen würden.

Jedes Unternehmen macht sinnvolle Schulden

Logisch finanziert ein Unternehmen also eine Investition in die Zukunft mit einem Kredit. Deshalb ist es auch keine Schlagzeile, dass sich die Kreditschulden der Unternehmen in den letzten Jahren verdreifacht haben. Während die Medien ständig darüber lamentieren, wie viele Kredite Staaten derzeit offen haben. Aber wie bei den Unternehmen gilt bei Staaten: Kredite schaffen Zukunft. Nur mit Krediten können Staaten das bauen, was wir als Gesellschaft brauchen, was Einzelpersonen aber nicht erschaffen können: ein gut ausgebautes Schienennetz, tolle Schulen, exzellente Krankenhäuser. Der Kredit holt uns die Zukunft in die Gegenwart: weil wir all das jetzt brauchen. Wir können auch als Gesellschaft nicht sparen, bis wir halt das dringend nötige neue Krankenhaus dann in 30 Jahren mal bauen können. Oder einen Eisenbahntunnel erst graben, wenn jeder Cent dafür angespart ist. Unsere Kinder sind dann nämlich längst erwachsen und die Erde hat sich dann schon so stark erhitzt, dass wir den Effekt nicht mehr aufhalten können.

Schulden machen kostet derzeit: Nichts

Die gute Nachricht: Wir können uns diese Investitionen heute problemlos leisten. Österreich kann seine Kredite so günstig finanzieren wie noch nie. Wir bekommen dafür sogar sogenannte Negativzinsen. Das heißt: Wir zahlen also am Ende  weniger Geld zurück, als wir uns ausgeborgt haben. Anders gesagt: Wir bekommen Geld dafür geschenkt, dass wir uns Geld ausborgen. Das beste Geschäft unseres Lebens! 2020 haben wir uns ordentlich Geld ausgeborgt und daran 37 Millionen Euro verdient. 

Und es kommt noch besser, dank Inflation: Mit 10 Euro kann ich heute weit mehr kaufen als in 10 Jahren. Oder andersrum: Was ich mir heute um 10 Euro kaufen kann, wird in 10 Jahren deutlich mehr kosten als 10 Euro. Das muss man bei einem Kredit ebenfalls einpreisen: Wir borgen uns Geld aus - und setzen es heute ein, mit viel mehr Kaufkraft, als wir es in vielen Jahren zurückzahlen. 

Ein Beispiel: Eben haben die ÖBB gesagt, sie schaffen 33 neue Nachtzüge an. Das kostet 500 Millionen Euro. Würden wir die mit Anleihen finanzieren, dann würden wir dank Negativzinsen und Inflation 6 bis 10 dieser 33  Züge geschenkt bekommen.

Warum fürchten wir uns dann so vorm Schulden machen? 

Weil uns seit Jahren eingeredet wird, dass Schulden machen was ganz, ganz Übles sind. Finanzminister Blümel ist in das Nulldefizit so verliebt, dass er ihm am liebsten SMS schreiben würde. Diese Liebe hält, egal, ob sie wirtschaftlich Sinn ergibt oder nicht. 

Aber selbst Gernot Blümel sieht, wenn er genau hinschaut: “Staatsschulden” vulgo Kredite sind nötig, damit wir die Zukunft gestalten können. Nur: Können die Zinsen nicht auch wieder steigen? Kommen wir dann nicht in Teufels Küche?

Die Zinsen sinken nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrzehnten. Sie sinken unter anderem, weil Menschen, auch Menschen mit sehr viel Geld, ein größeres Bedürfnis nach Sicherheit haben. Und eine Staatsanleihe, also der Kredit, dem man einem Land wie Österreich gibt, ist eine sehr sichere Form, sein Geld zu parken. Damit die Zinsen steigen, müsste sich das ändern: in Zeiten einer „globalen Pandemie“ sehr unwahrscheinlich, dass jemand so viel Sicherheit wie ein Staat bieten kann … das heißt: Staatsanleihen werden beliebt bleiben; die Zinsen werden niedrig bleiben. 

Schulden machen wirft Gewinne ab

Mit einer sehr kräftigen wirtschaftlichen Erholung, dann könnten auch die Zinsen wieder steigen. Nur: Dann steigt auch die Inflation – und man würde am Ende des Kredites de facto “weniger” zurückzahlen, als man sich ausgeborgt hat, zumindest in Kaufkraft gemessen. Okay, geklärt. Eine letzte Frage: Man darf doch künftigen Generationen keine Schuldenberge hinterlassen?!

Kaputte Straßen, kaputte Schulen und einen kaputten Planeten darf ich den Kindern schon hinterlassen? Jeder Unternehmer, der seinem Kind die Firma hinterlässt, vererbt dem Kind damit auch Kredite. Aber eben nicht nur. Das Kind kriegt ja auch die Firma: Wenn die gut rennt, dann sind die laufenden Kredite - wurscht. Sie sind es ja, die es der Firma ermöglicht haben, so gut dazustehen. Mit den Staatsschulden ist es genauso: Wir vererben unseren Kindern dank der Kredite Spitäler, Schulen, Schienen. 

Wofür Schulden machen sinnvoll ist

Also bitte: mehr davon!  Wir brauchen JETZT einen staatlichen Topf, der die Klimakatastrophe verhindert, indem er den Umbau in Richtung nachhaltiger Wirtschaft anschiebt. Wir borgen uns das Geld dafür aus, und bekommen dafür sogar ein paar Millionen Euro. Wir stärken mit einem kräftigen Bauprogramm die Wirtschaft und schaffen Arbeitsplätze. Da sprudeln dann wieder die Steuereinnahmen. Und: Wir hinterlassen unseren Kindern eine Welt, in der es sich zu leben lohnt.

Links und Quellen

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