Nehmen genug Lehrer die Corona-Impfung in Anspruch, damit Schulen und Kindergärten sicher sind?

Nehmen genug Lehrer die Corona-Impfung in Anspruch, damit Schulen und Kindergärten sicher ist und Distance Learning Geschichte sein kann?

Foto: Julia M Cameron/Pexels

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/ 6. April 2021

LehrerInnen und PädagogInnen an Schulen, Kindergärten und Horten spielen eine Schlüsselrolle im Infektionsgeschehen der Pandemie. Denn Kinder können sich noch nicht impfen lassen. Nun wird das Bildungspersonal geimpft. Doch ist genug davon dazu bereit?

"Ich gehe mit einem besseren Gefühl in die Klasse", sagt Thomas (Name geändert). Er ist 30 und Lehrer an einer NMS in Wien. Dass LehrerInnen geimpft werden, war für ihn eine große Erleichterung. "Wir setzen uns einem enormen Risiko aus", sagt er. Fast hundert Kinder sieht er jeden Tag, wenn die Schulen geöffnet sind. Seit Beginn der Pandemie lassen ihn die Gedanken nicht los: Was wenn ich mich mit dem Virus infiziere? Und auch: Was wenn ich es weiter gebe?
 
Umweltmedizinier Hans-Peter Hutter begrüßt die Impfung dieser Gruppe. "Das Impfen gibt eine große Sicherheit. Das hat schon psychisch für die Lehrerinnen und Lehrer einen enorm positiven Effekt, das Commitment und die Motivation steigen", sagt er. Nach einem Jahr mit vielen Strapazen für die PädagogInnen sei das allein deshalb zu begrüßen. Doch teilen die selbst den Optimismus von Thomas?

Impfungen beim Bildungspersonal: Nur vage Zahlen

Große regionale Unterschiede gibt beim Anteil der bereits geimpften PädagogInnen: In Oberösterreich sind beispielsweise am 1. April mit 14.124 der insgesamt 40.000 Pädagog:innen nicht einmal die Hälfte geimpft.  In der Steiermark meldeten sich 17.900 PädagogInnen an, fast 20% kam dann aber nicht zum Termin. In Wien laut Landesregierung alle "Impfwiligen" dieser Gruppe. Dieser Unterschied kommt daher, dass die Länder selber entscheiden, wie sie die Impfstoffe im Rahmen des Impfplanes aufteilen. Zu der gerade laufenden Phase 2 gehören zahlreiche Gruppen - und die Länder entscheiden sich für die Art und Weise, wie die Dosen verteilt werden.

Ganz genaue Zahlen dazu, wie viele LehrerInnen in Schulen und PädagogInnen an Horten und Kindergärten sich impfen lassen (möchten) gibt es noch nicht. In der Gesamtbevölkerung wollen sich 47% so bald wie möglich impfen lassen. 57% sagten dem Marktforschungsinstituts marketminds im Februar 2021, dass sie sich sicher oder wahrscheinlich impfen lassen werden. (2 Prozent waren da außerdem bereits geimpft.) 

In Salzburg erhob das Rote Kreuz anhand der Vormerkungen auf der Impfplattform salzburg-impft.at, dass sich von den rund 13.000 PädagogInnen an Schulen, in Kindergärten und Horten fast 10.000 und damit etwa 75% zur Impfung vorgemerkt hatten. Die Bundesländer, die Zahlen erheben, kamen alle zu einem ähnlichen Schluss für diese Gruppe. In Schulen scheint die Bereitschaft höher zu sein. 79% der PädagogInnen an Schulen in Tirol gaben an, sich impfen lassen zu wollen. 80% waren es in Niederösterreich.

Bei KindergartenpädagogInnen liegt die einzig erhobene Impfquote in Tirol bei etwa 50%. 

Ist das genug für Kindergarten und Schule?

"50% ist weit weg von dem Ziel, das wir haben sollten: Alle impfen", sagt Umweltmediziner Hutter. 80% seien hingegen eine gute Quote, aber PädagogInnen spielen eine Schlüsselrolle im Infektionsgeschehen. Einerseits haben sie viele Kontakte und so ein größeres Risiko, das Virus weiter zu geben. Andererseits haben Kinder und Jugendliche zumindest in den nächsten Monaten kaum Chance auf eine Impfung. Wenn LehrerInnen und KindergartenpädagogInnen sich nicht impfen lassen, sind sie einerseits ungeschützt, andererseits geben sie möglicherweise das Virus an die Schüler:innen und Betreuten weiter.

Auch wenn das Risiko schwer zu erkranken für diese Gruppe klein ist, ist das problematisch, erklärt Hutter: "So könnte die Pandemie am Leben gehalten werden. In ein paar Monaten könnte das ein Problem sein, weil wir dann die benötigte Durchimpfung von zwei Drittel der Bevölkerung, nicht erreichen." Hutter stimmt optimistisch, dass die Impfbereitschaft tendenziell steige. Während sich im Dezember 2020 laut marketminds gerade einmal 35 sicher oder wahrscheinlich impfen lassen wollen, sind es inzwischen zumindest mehr als die Hälfte.

Sichere Schulen brauchen mehr als nur Impfung

"Ursprünglich haben einige meiner Kolleg:innen Skepsis der Impfung gegenüber geäußert", sagt auch Lehrer Thomas. "Aber letztlich sind dann doch fast alle gegangen." Dennoch: "Es braucht unbedingt mehr Aufklärung, vor allem solche die auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten ist," so Hutter. 

Damit Schulen sicher sind, brauche man aber nicht bloß die Impfung, so Hutter. Nachwievor seien Mund-Nasen-Schutz, Abstand und Lüften zentrale Maßnahmen, die noch immer nicht flächendeckend umgesetzt sind. Dennoch: "Es gibt dann weniger Argumente, ständig in den Distanzunterricht zu wechseln", so Hutter. Das begrüßt der Mediziner: "Es ist medizinisch ganz klar, dass die Kinder- und Jugendgesundheit nicht nur an einer Infektion festzumachen ist. Das Sperren der Schule sollte die letzte Maßnahme in einer Pandemie sein."

Gute Impfraten auch wichtig

Wie sicher der Unterricht und die Betreuung im Kindergarten sein kann, hängt durchaus mit der Impfbereitschaft und -quote von PädagogInnen zusammen – wer in einem Bundesland mit hoher Impfquote lebt, kann sein Kind in den nächsten Monaten mit besserem Gefühl in Schule, Kindergarten oder Betreuung bringen. Kinder und PädagogInnen in einem Bundesland mit niedriger Impfquote sind dem Risiko einer Erkrankung in der Schule oder im Kindergarten eher ausgesetzt.

Hutter empfiehlt außerdem weitere, bisher noch immer nicht umgesetzte Maßnahmen, um in den nächsten Monaten sicheren Unterricht zu gewährleisten: Man könne auf Ausweichquartiere setzen, um für mehr Abstand zu sorgen und mechanische Lüftungsanlagen nützen.  Solche Maßnahmen sind auch langfristig wichtig, so der Umweltmediziner: "Pandemien werden immer wahrscheinlicher, deshalb wäre es wichtig, dass wir uns aus dieser etwas mitnehmen." Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig Schule als Ort sozialen Begegnung ist. "Es gab immer schon ein Infektionsrisiko an Schulen, das war immer schon ein Problem vor der Pandemie. Nur war es da allen egal."
 

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