Feuerwerk Nebel

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/ Andreas Bachmann
/ 31. Dezember

Feuerwerk und Silvesterkracher gehören zum Jahreswechsel dazu. Schade nur, dass damit Tonnen an Feinstaub erzeugt werden, die uns krank machen und der Umwelt schaden.

 

"Lass es krachen!" lautet für viele Menschen weltweit heute Abend das Motto, wenn sie mit Böllern und Raketen das neue Jahr begrüßen. Die Knallerei und das Farbenspiel am Nachthimmel gehört für die meisten zur Silvesternacht dazu. Doch kaum ein Spaß ohne Schattenseite. Silvesterfeuerwerke sind hier keine Ausnahme. Wegen fehlgezündeter Böller und fehlgeleiteter Raketen müssen in Österreich jährlich rund 1.000 Menschen im Spital behandelt werden. Der Lärm eines zündenden Knallkörpers erreicht bis zu 170 Dezibel und übersteigt damit bisweilen die Schmerzgrenze. Ab 120 Dezibel droht das Trommelfell zu platzen. Tiere in Haushalten und in der Natur, die meist ein besseres Gehör haben als Menschen, geraten in Panik und damit schnell in Lebensgefahr. Wenn alle Raketen verraucht sind und alle Böller explodiert, sammeln sich die Müllberge: Bis zu 1.000 Tonnen Abfall bleiben jährlich vom Spektakel übrig, das sich die ÖsterreicherInnen Jahr für Jahr rund 10 Millionen kosten lassen.

Wer Feinstaub atmet, stirbt früher

Eine weitere für uns sehr große Gefahr ist ganz klein, wiegt aber schwer: Zu keiner anderen Zeit im Jahr wird so viel Feinstaub freigesetzt wie in der Silvesternacht. Das sind Partikel, die höchstens 10 Mikrometer (µm) groß sind. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist 50 bis 70 µm dick. Sie sind mit freiem Auge nicht sichtbar, können aber tief in unsere Lungen eindringen und gefährden unsere Gesundheit damit besonders. Wer Feinstaub einatmet, kommt möglicherweise sofort ins Husten. Das ist aber nicht alles: Die Gefahr wird erhöht, innerhalb der nächsten 24 Stunden einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Langfristig steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme und Erkrankungen der Atemwege. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen in Gegenden mit höherer Feinstaubbelastung früher sterben. 

WissenschaftlerInnen vermuten, dass die in Feuerwerkskörpern enthaltenen Stoffe beim Abbrennen noch gefährlicheren Feinstaub erzeugen als den "normalen". Forscher der Uni Graz registrierten 30 verschiedene chemische Substanzen im Nebel und Staub von Feuerwerken. "Vor allem die Konzentration der Metalle Aluminium, Kupfer, Strontium, Barium und Wismut waren rund um Silvester stark erhöht", schreibt Stefan Tanda in der jüngst veröffentlichten Studie. Mithilfe dieser Metalle werden die unterschiedlichen Farben in Feuerwerken erzeugt.

Werte explodieren nach Mitternacht

Je nach Wetterlage hält sich der Feinstaub tagelang in der Luft. An Neujahr 2017 wurde ganztägig an zwei Dritteln der österreichischen Messstationen der Grenzwert von 50 Mikrogramm (µg) pro Kubikmeter (m³) Luft überschritten. In der Silvesternacht des vergangenen Jahres wurden in Wien-Stadlau 460 µg Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen, Höchstwert in Österreich. Unsere Grafik zeigt: Auch in anderen Städten wie Graz, Innsbruck und Klagenfurt explodierte die Konzentration von Feinstaub unmittelbar nach Mitternacht.

Das Umweltbundesamt, das Ministerium für Nachhaltigkeit und Städte wie Wien appellieren, aufs Feuerwerk zu verzichten. In Österreich ist es generell verboten, in Stadtgebieten Böller und Raketen zu zünden. Die Gemeinden können allerdings Ausnahmen machen. Immer häufiger erteilen sie diese allerdings nicht. Auch in der Bevölkerung sinkt die Akzeptanz: Eine Umfrage in Deutschland ergab vor wenigen Tagen, dass 57 Prozent der Befragten gegen die Knallerei sind. Interessant: Unter den Wählern der AfD sind nur 40 Prozent dafür, das Zünden von Böllern und Raketen sein zu lassen. Den meisten ist klar, dass das traditionelle Feuerwerk an Silvester umweltschädlich ist. Drei Viertel der Befragten einer anderen Umfrage in Deutschland stimmten dem zu.

Trotz Bränden: Feuerwerk findet statt

Davon zu lassen, fällt dennoch schwer. Auch in Australien: Seit Wochen wüten dort verheerende Buschbrände. Doch trotz Dürre und Temperaturen von 43 Grad konnte sich die Stadt Sydney bis zuletzt nicht dazu durchringen, das berühmte und mit umgerechnet 3,6 Millionen Euro sehr kostspielige Feuerwerk über Hafen und Oper der Stadt ausfallen zu lassen. Das Spektakel abzusagen würde der Wirtschaft "schweren Schaden" zufügen, sagte eine Sprecherin der Stadt, die seit Tagen von Flammen eingekesselt ist.

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