So unterstützt du Menschen gegen Diktaturen: Mit "Snowflake" gegen Zensur im Internet
Die autoritäre Regierung im Iran hat den bereits stark eingeschränkten Internetzugang im Zuge der anhaltenden Proteste im Land seit über 60 Stunden komplett abgedreht. Millionen Iraner:innen wurden damit von der Außenwelt abgeschottet und haben keine Möglichkeit mehr, über die anhaltende Unterdrückung in ihrem Land zu berichten oder auf Informationen im Internet zuzugreifen.
Schon vor dem digitalen Blackout wurden Informationen und das Internet im Iran stark zensiert. Laut Berichten internationaler Medien betreibt die iranische Regierung bereits seit Jahren ein eigenes, vom Rest der Welt weitgehend abgeschottetes Intranet. Doch das kostenlose Browser-Add-on Snowflake kann Menschen in autoritären Regimen auf der ganzen Welt helfen, unzensierten Zugang zum Internet zu erhalten.
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Snowflake wurde von The Tor Project, den Entwickler:innen des Tor-Browsers entwickelt. Der Tor-Browser ermöglicht es Aktivist:innen und Menschen in autoritären Regimen, Internetzensur zu umgehen. Mit Snowflake erhalten Nutzer:innen in autoritären Staaten einen zensurfreien Internetzugang. So können sich Menschen, die unter autoritären Regimen und Internetzensur leiden, weiterhin über unabhängige Medien informieren und über Social Media Fotos und Videos zu den Protesten im Land teilen.
Die Datenschutz-NGO epicenter.works weist jedoch darauf hin: "Wenn das Regime das komplette Internet abschaltet, hilft Snowflake leider auch nichts mehr. Wenn aber nur Teile des Internets (Soziale Netzwerke, VPNs, Tor, etc.) blockiert werden, ist Snowflake ein guter Weg diese Zensur zu umgehen."
Wie funktioniert Snowflake?
Damit Snowflake funktioniert und du anderen Menschen einen Teil deiner Internetverbindung zur Verfügung stellen kannst, brauchst du zwei Dinge:
- Einen stabilen Internetzugang in einem Land ohne starker Internetzensur (Österreich beispielsweise)
- Einen Standard-Browser (Firefox, Chrome, Edge, Brave, etc.) oder den Tor Browser selbst.
Im nächsten Schritt öffnest du den Browser-eigenen Addon-Store.
Dafür klickst du für Firefox hier https://addons.mozilla.org und für Chrome, Edge und Brave hier https://chrome.google.com/webstore.
Im Addon-Store suchst du nach Snowflake. Achte darauf, dass das Addon auch vom offiziellen Entwickler The Tor Project zur Verfügung gestellt wird.
Hast du das Addon gefunden, kannst du auf „Hinzufügen“ bzw. „Installieren“ klicken.
Snowflake ist nun installiert. Um es zu starten, wirst du gleich nach der Installation automatisch auf die Datenschutzbestimmungen des Addons weitergeleitet. Hier klickst du einfach auf „Ich stimme zu“ und damit ist die Installation abgeschlossen.
Sobald du Snowflake aktivierst, wird dein Browser zu einem sogenannten Proxy. Über verschlüsselte Web Real-Time Communication (WebRTC) Verbindungen können Tor-Nutzer:innen in zensierten Ländern dann über deine IP-Adresse auf das Internet zugreifen. Das Addon zeigt dir mit einer kleinen Zahl unter dem Symbol sogar an, wie viele Menschen gerade dank deiner Unterstützung auf das Internet zugreifen können. Die Datenschutz-NGO epicenter.works empfiehlt den Einsatz von Snowflake in Österreich sogar und weist darauf hin, dass die Benutzung rechtlich unbedenklich ist.
Was passiert mit deinen Daten?
Gleich vorweg: Deine Daten und dein Internetzugang sind sicher.
Das Snowflake-Addon sammelt keine persönlichen Daten und speichert auch dein Surfverhalten oder das Surfverhalten der anderen Personen nicht. Deine IP-Adresse wird zwar temporär als Proxy genutzt, um Menschen den Zugang zum Tor-Netzwerk zu ermöglichen. Allerdings wird sie nicht gespeichert oder an Dritte weitergegeben. Dein Internetdienstanbieter sieht nur, dass deine IP-Adresse mit dem Tor-Netzwerk verbunden wurde ,that’s it.
Dabei werden nur technische Informationen für maximal 10 Sekunden im Arbeitsspeicher gehalten und danach wieder gelöscht. Daten, die dabei helfen könnten, deine Person zu identifizieren, werden dabei nicht übertragen oder gespeichert.
Langfristig speichert The Tor Project ausschließlich anonymisierte Statistiken: etwa wie viele Proxies aus welchem Land aktiv sind oder welche NAT-Konfigurationen genutzt werden. Auch daraus lassen sich keine Rückschlüsse auf einzelne Nutzer:innen ziehen.
Solltest du dennoch beschließen, das Add-on nicht mehr benutzen zu wollen, kannst du es jederzeit deaktivieren oder deinstallieren.
Update vom 14. Jänner 2026, 17:00 Uhr: Stellungnahme von epicenter.works hinzugefügt
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