Hinter der Glasscheibe einer Bäckerei sieht man eine Frau, welche die Produkte ansieht. Im Artikel geht es um eine Sperrfrist beim Arbeitslosengeld.

Eine Sperre beim Arbeitslosengeld soll den Chef dazu bringen, die Mitarbeiter:innen durchgängig zu beschäftigen - so die Theorie. Warum das realitätsfremd ist. (Symbolbild)

Foto: Anh Tran für Unsplash

/ 11. Juli 2022

Die ersten zwei Wochen kein Arbeitslosengeld? AMS-Vorstand Johannes Kopf nennt das "Wartefrist", Arbeitsminister Martin Kocher "Karenztage". Was so eine Sperrfrist aber für Betroffene tatsächlich bringen würde, erzählt Christina (Name geändert), 33. Sie ist jedes Jahr für zwei Monate beim AMS.

Ich arbeite seit 2015 bei einem kleinen Betrieb als Konditorin. Wir sind zu dritt und stellen Lebensmittel her. Wir arbeiten in einer kleinen Nische. Jobs in meinem Bereich gibt es kaum und wir sind stark abhängig von saisonalen Verkäufen.

Im Jänner und Februar gibt es praktisch nichts zu tun. Deswegen gehe ich jedes Jahr für zwei Monate stempeln. Das war in dem Betrieb schon immer so, lange vor meiner Zeit. Ich habe Verständnis dafür, auch wenn ich natürlich lieber über das ganze Jahr arbeiten würde.

"Eine Sperrfrist beim Arbeitslosengeld würde mich direkt treffen"

Mein Arbeitslosengeld ist sehr niedrig. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt schon einmal die 1.000er-Grenze geknackt habe. Zum Glück verdient mein Mann ganz gut. Wäre ich alleine, würde es sich nicht ausgehen. In den zwei Monaten müssen wir auch gemeinsam besser auf das Geld achten. Wir legen uns im Vorfeld immer etwas auf die Seite für diese Zeit. Deutlich schwieriger wäre es, wenn ich für die ersten zwei Wochen gar kein Arbeitslosengeld bekommen würde. So eine Sperrfrist würde mich direkt treffen.

Wenn Arbeitgeber:innen ihre Mitarbeiter:innen zum AMS schicken, ist das ihre Entscheidung. Wir können nichts dafür und können nichts machen. Trotzdem soll das Problem auf unserem Rücken ausgetragen werden.

"Nicht in der Position, Chef zu zwingen"

Es ist ein Irrglaube, dass eine Sperrfrist dabei helfen würde, zum Chef zu gehen und von ihm zu verlangen, dich durchgehend zu beschäftigen. Das ist realitätsfremd. Viele von uns sind froh, dass wir überhaupt einen Job haben. Wir sind nicht in der Position, den Chef zu zwingen. Wenn du deinem Chef egal bist, interessiert es ihn auch nicht, wenn du die ersten zwei Wochen kein Arbeitslosengeld bekommst. Und von meinem weiß ich, dass er sich das nicht leisten kann, auch wenn er gerne würde.

Ich finde es furchtbar, wie auf Arbeitslosen herumgehackt wird. Wir haben ohnehin schon wenig und dann wollen sie uns noch etwas wegnehmen. Das finde ich unfair. Dann wird gesagt, wir wollen alle nicht mehr arbeiten. Das ist eine Beleidigung. Ich kenne in meinem Umfeld keine Person, die das System ausnützen würde. Alle möchten eine Arbeit.

Ich liebe meinen Beruf. Offene Stellen gibt es in meinem Bereich nicht. Wenn diese Sperrfrist wirklich kommt, werde ich das akzeptieren müssen. Aber finanziell würde es Anfang des Jahres noch schwieriger werden.

Dir gefällt unsere Arbeit?

Das freut uns! Wir sind unabhängig von Parteien und Konzernen. Unterstütze unsere Arbeit mit deiner SPENDE. Jeder Beitrag, ist er noch so klein, ist wichtig!

Fünf wichtige Themen in nur drei knackigen Minuten. Hol dir deinen täglichen Morgenmoment per E‑Mail!

Ich bin einverstanden, einen regelmäßigen Newsletter zu erhalten. Mehr Informationen: Datenschutz.