Stagflation: Zahlen auf einem Screen
/ 8. Juni 2022

Die Wachstumsprognose der Weltwirtschaft für das Jahr 2022 liegt bei 2,9 Prozent. Die Weltbank hat ihren vorherigen Wert von 4,1 Prozent nach unten korrigiert. Die Gefahr einer Stagflation sei beträchtlich, so Weltbank-Präsident David Malpass am Dienstag. Er warnt vor einem “verlorenen Jahrzehnt”, in dem sich die Weltwirtschaft nicht wirklich erholen wird. Grund dafür seien der Krieg in der Ukraine und die weltweit gestörten Lieferketten. Aber wovor warnt der Weltbank-Präsident genau?

Was bedeutet Stagflation?

“Stagflation” ist eine Kunstwort aus “Stagnation” und Inflation”. 

Stagnation meint ein sehr geringes bzw. gar kein Wirtschaftswachstum. Die Menge an Gütern und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft erzeugt wird, erhöht sich also nur sehr wenig bzw. gar nicht. 

Inflation meint, dass die Preise rasch steigen - über die üblichen 2 Prozent hinaus. Güter und Dienstleistungen werden also spürbar teurer. 

Warum entsteht Stagflation?

Bei Stagflation spielen Preise und Wachstum zusammen. Wird das Angebot knapp - wie gerade bei Gas und Öl zu beobachten - und bleibt die Nachfrage gleich, entsteht Inflation. Die Knappheit wichtiger Güter führt außerdem dazu, dass weniger produziert werden kann.

Bei der Inflation spielt die Psychologie eine große Rolle: Glaubt man, dass sich die Preise auch in Zukunft stark erhöhen, kann das zu einer “selbsterfüllenden Prophezeiung” kommen. Die Menschen kaufen lieber gleich als später, weil sie Angst haben, dass es dann teurer wird. Durch die hohe Nachfrage bleiben auch die Preise hoch. Das befeuert die Inflation auch in Zukunft.

Ist Stagflation schlecht?

Wenn das Leben immer teurer wird und gleichzeitig die Produktion nicht steigt, bedeutet das einen Wohlstandsverlust. Wir werden ärmer.

Stagflation schadet der Beschäftigung: Da die Produktion von Gütern und Dienstleistung nur sehr eingeschränkt funktioniert, kommt es zu erhöhter Arbeitslosigkeit. Diese verursacht gesellschaftliche Kosten - weniger Steuereinnahmen, mehr Ausgaben für Unterstützungen und Probleme für die Betroffenen. Umso länger Menschen arbeitslos sind, desto schwerer bekommen sie wieder einen Job.

Wie lässt sich Stagflation verhindern oder bekämpfen?

Ist die Stagflation erst einmal da, wird man sie schwer wieder los. Die Meinungen, was denn geldpolitisch dagegen zu tun wäre, gehen weit auseinander: Einerseits fordern Ökonom:innen eine Erhöhung des Leitzinssatzes, um die Inflation zu bekämpfen. Ein höherer Zinssatz führt aber dazu, dass Unternehmenskredite teurer werden. Andererseits fordern manche Ökonom:innen, den Leitzinssatz niedrig zu halten, um den Unternehmen günstige Investitionsmöglichkeiten zu bieten. Dadurch sollen zum einen neue Arbeitsplätze entstehen und die Arbeitslosigkeit sinken.

Was auf jeden Fall zu tun ist: Der Staat muss Geld in die Hand nehmen und in Zukunftstechnologien investieren. Um unabhängiger von den Preistreibern Öl und Gas zu werden, ist der Ausbau erneuerbarer Energiequellen mit am wichtigsten. Wind-, Sonnen- und Wasserkraft produzieren Strom - unabhängig von Kriegen und globalen Problemen mit Lieferketten. Eine starke Wirtschaft produziert viele wichtige Güter im eigenen Land und ist dadurch nicht zu stark von globalen Katastrophen betroffen. Auch im Sozialbereich braucht es Investitionen: Dadurch lässt sich Arbeitslosigkeit abbauen und das Angebot an Gütern und Dienstleistungen steigt.

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