Stelzer (ÖVP) hetzt gegen Migrant:innen - Problemmedium "Heute" druckt es

Die Statistik Austria hat die aktuellen Daten zur Einbürgerung in Österreich für das Jahr 2025 veröffentlicht. 25.095 Menschen haben im Vorjahr die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen. Von diesen 25.095 neuen Staatsbürger:innen leben 9.583 im Ausland, also rund 38 Prozent. 15.512 der neuen Staatsbürger:innen leben in Österreich. Das sind nur 0,8 Prozent der nicht-österreichischen Gesamtbevölkerung im Jahr 2025.
Zur Einordnung: Am Stichtag 1. Jänner 2025 lebten 9.197.213 Menschen in Österreich. Rund 1,9 Millionen davon hatten keine österreichische Staatsbürgerschaft. Von diesen 1,9 Millionen Menschen wurden im Jahr 2025 insgesamt 15.512 eingebürgert, also etwa 0,8 Prozent.
Von den 25.095 neuen Staatsbürger:innen leben 9.583 im Ausland, also rund 38 Prozent. Die meisten der 9.583 neuen Staatsbürger:innen im Ausland waren Verfolgte des Nationalsozialismus oder deren direkte Verwandschaft - also Kinder, Enkelkinder, Urenkelkinder oder auch Adoptivkinder, die als Minderjährige adopiert wurden. 15.512 der neu eingebürgerten Menschen haben einen Wohnsitz in Österreich.
Rund 62 Prozent der 15.512 neu eingebürgerten Menschen mit Wohnsitz in Österreich erhielten die Staatsbürgerschaft nach den strengen österreichischen Integrationsvoraussetzungen - etwa durch langjährigen Wohnsitz, hohe Sprachkenntnisse oder anerkannten Asylstatus.
Rund 30 Prozent erhielten die Staatsbürgerschaft, da zumindest ein Familienmitglied bereits die österreichische Staatsbürgerschaft besaß. In der Regel bekommen minderjährige Kinder automatisch die Staatsbürgerschaft, wenn ein Elternteil sie erhält.
Die verbleibenden rund acht Prozent erhielten die Staatsbürgerschaft durch eine individuelle Entscheidung der Behörde. Darunter fallen besonders herausragende Leistungen im Interesse der Republik, außerordentliche wissenschaftliche, kulturelle oder wirtschaftliche Verdiensten oder sonstige Ausnahmefälle.
In kaum einem anderen Land der Welt ist es so schwer, die Staatsbürgerschaft zu erhalten, wie in Österreich. Nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben noch strengere Voraussetzungen für die Einbürgerung.
Hierzulande verleihen die jeweiligen Bundesländer die Staatbürgerschaft. Wien, Niederösterreich und Oberösterreich sind die drei Bundeländer mit der höchsten Bevölkerungszahl und haben 2025 auch die meisten Staatsbürgerschaften verliehen. Nur Oberösterreich hat 2025 weniger Menschen eingebürgert als im Vorjahr, nämlich 11,2 Prozent. Darauf ist der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sehr stolz.
Das Problemmedium “Heute” gibt dem viel Raum: Oberösterreich habe bewusst Maßnahmen gesetzt, um sich als Wahlbundesland unattraktiv zu machen (Sachleistungskarte) und ohnehin sei die Staatsbürgerschaft ein “hohes Gut” und ein Privileg, das man sich erstmal verdienen muss. Stelzer fordert sogar noch strengere Bedingungen auf Bundesebene und schlägt konkret eine Verlängerung der Wartezeit vor.
Während sich reiche Menschen die Staatsbürgerschaft einfach kaufen können, ist der Einbürgerungsprozess für die allermeisten Menschen ein langwieriger, belastender und zäher Prozess. Nur ein Paar Beispiele:
Wer die Staatsbürgerschaft will, muss mindestens zehn Jahre - unter bestimmten Voraussetzungen sechs Jahre - ununterbrochen in Österreich gelebt haben. Schon alleine ein Auslandssemester, ein Urlaub zu viel oder ein zu langer Pflegebesuch kranker Angehöriger im Ausland kann dazu führen, dass man die Staatsbürgerschaft nicht bekommt. Außerdem braucht man ein regelmäßiges, hohes verfügbares Einkommen von zumindet 1.308,39 Euro (Stand 2026) müssen nach Miete, Unterhalt und anderen Fixkosten noch übrig bleiben. Das trifft auf einen großen Teil der österreichischen Staatsbürger:innen nicht zu. Im Jahr 2023 betrug das Nettojahreseinkommen (Median) der unselbständig Erwerbstätigen laut Statistik Austria 26.497 Euro. Geteilt durch 14 Monatsgehälter sind das gerade einmal rund 1.893 Euro im Monat.
Abgesehen von den teils sehr langen Wartezeiten ab Antragstellung, kostet die Staatsbürgerschaft je nach Bundesland bis zu 2.800 Euro (Stand 2024).
Ohne Staatsbürgerschaft keine Demokratie
Das ist ein Problem - für die Menschen, die die Staatsbürgerschaft möchten, und auch unsere Gesellschaft. Denn Wählen kann meist nur, wer die Staatsbürgerschaft besitzt. Ein großer Teil der Menschen, die in Österreich leben, arbeiten und Steuern zahlen, können dadurch nicht demokratisch mitbestimmen. Ihre Perspektiven bleiben ungesehen und ungehört. Die Organisation SOS Mitmensch sprach im Zuge der Wien-Wahl davon, dass Wien bis 2050 nur mehr eine “halbe Demokratie” sein könnte. 35 Prozent der in Wien lebenden Menschen durften bei der vergangenen Wahl nicht mitbestimmen.









