Steuer auf Aktiengewinne abschaffen: Wozu das denn? Man sieht Barbara Blaha, sie hält einen Hut in der Hand und einen Zauberstab und lässt ein Wertpapier darin verschwinden.

Steuer auf Aktiengewinne abschaffen: Wozu das denn?

/ 28. Januar 2022

Wer Aktien besitzt und sie mit Gewinn verkauft, der zahlt darauf Steuern. Das will der neue Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) ändern, indem er die Steuer auf Aktiengewinne abschafft.

Es soll angeblich die "Teilhabe am Kapitalmarkt" fördern. Tatsächlich ist es ein weiteres Steuerprivileg für die Reichen. Denn die Abschaffung der Steuer auf Wertpapier vergrößert die Ungleichheit in Österreich. Ein Finanzminister, der Steuern streicht? Sus!

Aktien für alle?

Ja, richtig gehört. Das tut er natürlich für uns alle, denn wir Österreicher:innen, wir sind halt Aktienmuffel und das soll sich schleunigst ändern. Davon, so die Fans der Steuerschenker, haben alle was. Denn es können ja auch alle Aktien kaufen: „Ab 50 Euro im Monat ist man dabei", sagt Oberbank-Chef Franz Gasselsberger.

Das kann nur sagen, wer wenig bis keine Ahnung hat, wie das Leben in Österreich eigentlich ausschaut: Jeder dritte Haushalt hat so wenig Geld, dass er schlicht nichts auf die hohe Kante legen kann.

Von 100 Leuten in Österreich besitzen die ärmeren 50 so gut wie keine Aktien. Ein paar besitzen Aktien im Wert von 5.000 Euro, ein einziger besitzt Aktien im Wert von 80.000 Euro. Und das ist macht Sinn, denn selbst die Banken empfehlen: In Wertpapiere sollte man nur das Geld stecken, das man zumindest in den nächsten 5 Jahren nicht braucht - und dessen Verlust man auch verschmerzen kann.

Steuer auf Aktiengewinne wird gestrichen

Und genau diesen einflussreichen und finanzstarken Menschen will der Finanzminister nun nochmal ein bisschen unter die Arme greifen und streicht ihnen die Steuer auf den Gewinn, den sie machen, wenn sie Aktien wieder verkaufen - solange sie die Aktien zumindest eine Zeitlang besessen haben. Und verkauft uns das als Maßnahme für die „kleinen“ Sparer:innen.

Eigentlich ist die Idee hinter unserem Steuersystem: Wer mehr verdient, also mehr hat, kann auch mehr beitragen. Wer winzig wenig verdient, der braucht echt jeden Euro, da hauen wir kaum oder keine Steuer darauf. Darum zahlen Menschen, die wenig verdienen, viel weniger Lohn- oder Einkommenssteuer. Ist ok. Auf unsere Arbeit wird - je nachdem wie viel wir verdienen 20, 30 ja, oben sogar 55 Prozent Steuern fällig. Aber jetzt kommts: Wer so viel hat, dass er andere für sich arbeiten lässt, und sein Vermögen in Aktien hält, der zahlt auf sein Einkommen daraus derzeit nie mehr als 27.5 Prozent Steuern.

Ungerechte Verteilung der Steuerlast

Und jetzt schenken wir das auch noch her. Mitten in einer weltweiten Krise, durch die Vermögende exzellent verdient haben (Corona gleicht Goldrausch für Milliardäre) - eben auch, weil wir mit unfassbar viel Steuergeld die Krise abgefedert haben. Die Rechnung sollten alle gemeinsam zahlen.

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