Krankenschwester trägt einen Haarnetz, Mund-Nasen-Schutz, eine Schutzbrille und Gummi Handschuhe.

Viele SystemerhalterInnen sind Geringverdiener. Sie ersparen sich durch die Steuerreform weit weniger, als der versprochene Corona-Bonus gebracht hätte. Credit: pexels/EVG culture

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/ 1. September 2020

Die wegen Corona vorgezogene Steuerreform tritt nun im September in Kraft. Finanzminister Gernot Blümel verspricht eine Steuerentlastung für alle ÖsterreicherInnen in der Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Doch ausgerechnet Besserverdiener profitieren am meisten. Corona-SystemerhalterInnen bekommen nur wenig - und bei weitem nicht so viel wie sie durch den anfangs versprochenen Corona-Tausender kriegen sollten. Wir haben uns die Steuerentlastung für die einzelnen Berufsgruppen ausgerechnet.

Wer sich auf der Homepage des Finanzministeriums selbst ausrechnet, wie viel er oder sie sich durch die Steuerreform erspart, erhält nebst bei auch ermutigende Worte. "Gemeinsam zu neuer Stärke" steht neben dem Betrag, den sich der Einzelne durch die vorgezogene Steuerreform jährlich erspart. Vielleicht soll diese Parole darüber hinwegtäuschen, dass viele hier mit mickrigen Beträgen abgespeist werden?

Ein motivierender Spruch "Gemeinsam zu neuer Stärke" soll über das Faktum hinweg täuschen, dass GeringverdienerInnen kaum von Senkungen der Lohn- und Einkommensteuer profitieren.

Die vorgezogene Steuerreform greift nun ab September. Geringe Einkommen profitieren nicht oder kaum. Dafür gibts beim Finanz-Rechner motivierende Sprüche geschenkt. Credit: Finanzministerium

SystemerhalterInnen weit weg vom Corona-Tausender

Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte am Montag im ORF-Sommergespräch, dass die Regierung mit der Steuerreform die „Helden der Krise“ stärker entlaste als durch den von der Gewerkschaft geforderte Corona-Tausender. Das stimmt allerdings nur bedingt. Über 1.000 Euro ersparen sich SystemerhalterInnen nur, wenn sie mindestens 1.808 Brutto verdienen und mindestens zwei Kinder haben, da pro Kind ein einmaliger Bonus von 360 Euro ausbezahlt wird.

Doch wer keine Kinder hat und somit nicht von diesem Bonus profitiert, erspart sich in der Regel nur 350 Euro. Viele SystemerhalterInnen wie Regalbetreuerinnen verdienen aber durchschnittlich so wenig, dass sie noch weniger bekommen.

Wir haben anhand der Durchschnittsgehälter der wichtigsten systemrelevanten Gruppen mit Hilfe des Finanzrechners nachgerechnet:

Bereits das MOMENTUM-Institut hat die vorgezogene Steuerreform kritisiert: Einkommen unter 670 Euro profitieren gar nicht von der Steuerreform. Die untersten Einkommen ersparen sich maximal 100 Euro, die oberen erhalten das Maximum von 350 Euro. Wirklich geringe Einkommen würden vor allem durch einen Bonus profitieren - die Gewerkschaft hält jedenfalls weiterhin am Corona-Tausender fest.

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