Muss das so sein? (Laura Wiesböck Kolumne)

/ Laura Wiesböck
/ 11. September

Wenn es um das Thema erben geht, liegt der Fokus häufig auf Vermögen. Doch auch Armut wird in Österreich vererbt – und Arbeit bietet kaum mehr die Möglichkeit, dem entgegenzuwirken.

Mit einem Vollzeitjob war man lange Zeit vor Armut sicher und konnte mitunter ein bescheidenes Vermögen aufzubauen. Heute ist der Arbeitsmarkt vielfältiger, mehrfach dereguliert und bietet nicht mehr die ursprüngliche soziale Absicherung. Stattdessen gibt es mehr unsichere Arbeitsverhältnisse, Teilzeitarbeit und befristete Verträge. Das führt dazu, dass immer mehr Menschen als armutsgefährdet gelten, die Mittelschicht schrumpft und Altersarmut in der Pension steigt. Mit einem Durchschnittslohn ist es beinahe unmöglich geworden, Vermögen aufzubauen.

Arm trotz Arbeit

Im Gegenteil: Arbeit schützt nicht mehr vor Armut. Rund 316.000 Menschen in Österreich gelten trotz Arbeit als arm (“Working Poor”). Konnte die frühere Mittelschicht-Generation noch mit einem Gehalt drei Kinder großziehen, deren Zahnspangen, Musikschulen und Studium finanzieren sowie den Hauskredit vor der Pension abbezahlen, so ist das heute finanziell kaum mehr denkbar.

Auch Sparen wird schwieriger. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher hat am Monatsende kein Geld mehr am Konto, mehr als ein Viertel hat keinerlei Ersparnisse. Die Aussicht auf Vermögen liegt also weniger in der Arbeit, als in der Erbschaft, einem arbeits- und leistungslosen Einkommen, das die gesellschaftliche Hierarchie formt.

Schlusslicht

In Österreich besitzt das reichste Prozent der Haushalte 40,5 Prozent des Nettovermögens. Dennoch fallen vermögensbezogene Steuern so gering aus wie in kaum einem anderen Industriestaat. Expertinnen und Experten der OECD und des WIFO sprechen sich für Vermögenssteuern aus. Im Gegenzug solle die hohe Besteuerung auf Arbeit gesenkt werden.

Solche Maßnahmen würden auch dem Wunsch der Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher entsprechen. Und sie würden einen Beitrag dazu leisten, dass sich Arbeit wieder stärker lohnt.

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