Zinserhöhung bei der EZB: Was das für uns bedeutet
/ 27. September 2022

Die Europäische Zentralbank (EZB) will mit einer Zinserhöhung die Inflation bekämpfen. Über den Sommer hat sie den Leitzins erst auf 0,5%, dann sogar auf 1,25% erhöht. Der Einlagezins ist auf 0,75% gestiegen. Aber was bedeutet das eigentlich und was sind die Konsequenzen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Zinserhöhung der EZB:

#1 Was bedeutet es, wenn die EZB eine Zinserhöhung macht?

Die Aufgabe der EZB ist es, die Preise stabil zu halten. Dafür legen sie Zinssätze fest. Wenn Zinssätze angehoben werden, wird es teuer Geld zu leihen und attraktiv Geld zu sparen. 
 
Die Erhöhung des Leit- und Einlagezins betrifft in erster Linie die Banken. Da die Banken die Zinssätze aber an die Kund:innen weitergeben, bekommen auch wir das zu spüren.  

Der Leitzins wurde mittlerweile auf 1,25% erhöht. Wenn nun Banken Geld bei der EZB aufnehmen, zahlen sie mehr Zinsen. Das Risiko für Banken steigt, wenn sie Kredite vergeben. Kredite werden so auch für Endkund:innen teurer. 

Der Einlagezins wurde auf 0,75% angehoben. Wenn Banken Geld kurzfristig bei EZB “parken” bekommen sie darauf nun nicht mehr wie bisher einen Negativzins, sprich sie müssen nicht mehr dafür zahlen. Die Negativzinsen sollten verhindern, dass Banken ihre Einlagen bei der EZB lagern. Es sollte Anreize schaffen, Kredite zu vergeben.  

#2 Warum hat die EZB die Zinsen erhöht? Was erhofft sie sich dadurch?

Die Zinserhöhung ist eine Maßnahme gegen die hohen Inflationsraten in der Eurozone. Die Europäische Zentralbank ist für die Preisstabilität zuständig, also muss sie steigende Preise – wie wir sie gerade erleben – verhindern. Mit einer Zinserhöhung soll die Inflation bekämpft werden. Ziel ist eine Inflationsrate von ungefähr 2%, gerade ist diese aber deutlich höher. 
 
Steigt der Zinssatz, sinkt die Nachfrage nach Geld (in der Theorie). Weniger Geld ist im Umlauf, mehr wird gespart. Das senkt die Inflation.  
 
Wichtig zu verstehen: Die EZB zerstört mittels Zinserhöhungen die Nachfrage. Weniger Kredite bedeutet, dass Unternehmen und Haushalte weniger Geld ausgeben. Die Unternehmen brauchen dann weniger Mitarbeiter:innen. Nach einigen Monaten steigt die Arbeitslosigkeit. Dann sind Arbeitnehmer:innen in einer schlechteren Verhandlungsposition gegenüber ihren Arbeitgeber:innen, weil sie bei steigender Arbeitslosigkeit leichter durch andere ersetzt werden können. Damit können Arbeitnehmer:innen schwieriger Gehaltsforderungen stellen, die Löhne stagnieren. Und weil Löhne Teil der Kosten für Unternehmen sind, erhöhen die Unternehmen anschließend die Preise weniger.  
 
Der Grund für die hohen Inflationsraten derzeit sind aber hohe Energiepreise, die auch Kosten für die Unternehmen sind. Ein Eindämmen der Energiepreise würde die Inflation senken. Gegen steigende Energiepreise ist die EZB aber machtlos. Hier lässt sich mit reiner Geldpolitik wenig anrichten. Alles, was sie tun kann: Die Nachfrage zerstören und absichtlich Arbeitslosigkeit erzeugen. Keine schönen Aussichten.  

#3 Wem nutzt und schadet so eine Zinserhöhung?

Eine Zinserhöhung nutzt vermögenden Menschen mit viel Erspartem. Wer Geld auf Sparkonten besitzt, bekommt darauf bald wieder Zinsen. Schulden und Kredite werden hingegen teurer - auch für Staaten. 

Mit 1,25% tut sich zwar noch nicht so viel. Wiederholt die EZB diese Zinssteigerungen aber jetzt regelmäßig im Abstand von ein paar Wochen, dann bricht sie den Aufschwung. Arbeitslosigkeit entsteht. Darunter leiden gerade angesichts der steigenden Preise viele Menschen mit wenig Einkommen.  
 

#4 Was bedeutet die Zinserhöhung für Leute mit kleinen und mittleren Einkommen?

Durch eine Zinserhöhung sinkt der Anreiz, Geld zu investieren. Das gilt auch für den Staat und schadet uns allen, denn jede:r gewinnt bei Staatsausgaben und – Investitionen. Sie schaffen Infrastruktur, öffentliche Leistungen und Arbeit. Das kommt kleinen und mittleren Einkommen zugute. Eine Zinserhöhung also nicht - besonders wenn die Preise dann trotzdem steigen sollten.
 
Im privaten Bereich ist eine Zinserhöhung teuer für Menschen, die ein Kredit zu variablen Zinsen aufgenommen haben oder bald einen Kredit aufnehmen möchten. Etwa beim Hausbau: die Preise der Ressourcen steigen ohnehin seit Monaten, nun werden auch die Kredite teurer. 

#5 Birgt die Zinserhöhung der EZB auch Gefahren?

Die Volkswirtschaften sind durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine ohnehin schon angeschlagen. Durch die Zinserhöhung werden die Kredite der einzelnen Staaten teurer, sie müssen am Ende mehr bezahlen als bisher. Staatsausgaben, die jetzt besonders wichtig wären, wie beispielsweise der Ausbau Grüner Energie wird somit ebenfalls teurer.  
 
Gefahren birgt auch eine Zersplitterung innerhalb der Eurozone. Da die Länder unterschiedlich hoch verschuldet sind und verschiedene Wirtschaftspolitiken verfolgen, ist die Risikoprämie auf Staatsanleihen auch unterschiedlich hoch. Dagegen will die EZB aber vorgehen und arbeitet gerade an einem neuen Werkzeug, welches genau das verhindern soll.  

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