Die Rezession ist die Talfahrt der Wirtschaft. Wie entsteht sie?
Die Rezession ist die Talfahrt der Wirtschaft. Wie entsteht sie? - Foto: Richard R. Schünemann auf Unsplash
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Max Kasy

/ 25. März

Der österreichische Top-Wirtschaftsprofessor Max Kasy erklärt normalerweise StudentInnen in Oxford und Harvard die Wirtschaft. MOMENT fordert ihn in der neuen Serie "Erklärs mir doch ganz einfach" heraus, komplizierte Konzepte und Begriffe in verständliche Sprache zu übersetzen.

Folge 1: Corona und die Rezession

Das Coronavirus versetzt die Welt in Schrecken, und wir müssen alle möglichst zuhause bleiben, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Dazu kommt jetzt auch noch, dass sich alle vor einer Rezession fürchten. Aber was ist das eigentlich, eine Rezession? Was hat das Coronavirus damit zu tun? Und was kann die Politik dagegen tun? 

Im Lexikon steht, dass in einer Rezession die Wirtschaft schrumpft. Darunter kann sich jetzt auch noch niemand etwas vorstellen. Fangen wir deswegen von vorne an. Die meisten von uns müssen arbeiten gehen, um dafür Geld zu bekommen. Wenn wir niemanden finden, der uns für unsere Arbeit bezahlt, wenn wir also "arbeitslos" sind, haben wir ein Problem. In einer Rezession werden viele Menschen arbeitslos, und haben dann nicht mehr genug Geld. Und auch für reiche Menschen ist eine Rezession unangenehm, weil sie dann weniger Geld für die Dinge bekommen, die sie besitzen - zum Beispiel für ihre Aktien

Warum gibt es immer wieder eine Rezession?

Das kann aus verschiedenen Gründen passieren. Es fängt meistens damit an, dass eine Gruppe von Leuten weniger Geld hat als früher, oder weniger ausgibt. Sagen wir ich habe einiges Geld verloren (warum auch immer). Und ich wollte mir eigentlich einen neuen Tisch kaufen. Weil ich aber kein Geld mehr habe, kaufe ich mir doch keinen Tisch. Jetzt hat die Tischlerin auf einmal niemanden, der sie für ihre Arbeit bezahlt, und sie wird arbeitslos. Daraufhin geht sie nicht mehr zur Wirtin ums Eck, weil sie sich das nicht mehr leisten kann. Die kann dann ihren Kellner nicht mehr bezahlen, und der wird auch arbeitslos. Und so weiter, wie in einem Dominospiel. 

Wegen dem Coronavirus fürchten sich jetzt alle, dass es wieder zu so einem Rezessions-Domino kommt (das letzte Mal ist das nach der Finanzkrise 2009 passiert). Damit wir uns nicht gegenseitig anstecken bleibt das Wirtshaus zugesperrt. Die Wirtin wirft deswegen ihren Kellner hinaus, weil sie ihn nicht mehr braucht. Und so weiter. 

Was können PolitikerInnen gegen eine Rezession tun?

Weil das ziemlich unangenehm ist für alle Beteiligten, versuchen PolitikerInnen, so etwas zu verhindern. Das machen sie vor allem dadurch, dass sie Geld ausborgen und sofort ausgeben. Wieviel Geld die Regierung ausborgen soll und wofür sie es ausgeben soll, dazu haben unterschiedliche ExpertInnen verschiedene Ansichten.

Zwei Sachen sollten dabei beachtet werden. Erstens, ob das Geld wirklich zu einer guten Kettenreaktion führt. Wenn die Wirtin zum Beispiel das Geld sparen würde, statt einen Kellner einzustellen, bringt es nicht soviel der Wirtin Geld zu geben. Wenn die Tischlerin hingegen alles sofort ausgibt, weil sie alle möglichen Sachen braucht, führt das vielleicht eher zu einer guten Kettenreaktion. Die zweite Sache, die beachtet werden sollte, ist ob das Geld zu denen kommt, die es am meisten brauchen (weil sie wenig Geld haben), oder zu denen, die ohnehin schon viel haben. 

Der Staat muss sich das also gut überlegen. Er könnte damit zum Beispiel Tische kaufen, die in Schulen gestellt werden. Dann hat die Schule neue, bessere Tische. Und die Tischlerin hat doch jemand, der sie für ihre Arbeit bezahlt. Und dann kann sie nach der Arbeit (wenn es wieder sicher ist, das Wirtshaus aufzusperren) zur Wirtin gehen. Und die stellt den Kellner wieder ein. Und der kauft sich ein neues Fahrrad …  

 

 

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