Was ist Esoterik? Man sieht eine Klangschale und Natascha Strobl.
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Natascha Strobl
/ 12. Oktober 2022

Esoterik verbinden viele Menschen mit Ökologie und Nachhaltigkeit. Also muss Esoterik dann irgendwie "grün" sein? Oder was ist Esoterik? Politologin Natascha Strobl klärt ein weitverbreitetes Missverständnis auf. Sie zeigt, warum Esoterik mit einer linken Weltanschauung überhaupt nichts zu tun hat. 

Was ist Esoterik?

Es gibt ein Missverständnis, das sich durch die Corona-Pandemie und nun auch durch den Bundespräsidentschafts-Wahlkampf zieht: Nämlich, dass Esoterik irgendwie links sei. Diesem Missverständnis sitzen nicht zuletzt auch die Anhänger:innen der Esoterik und auch Linke selbst auf. Es stimmt: Es gibt Themengebiete, die sich oberflächlich überschneiden. Dabei geht es oft um die Klammer zwischen Ökologie und Nachhaltigkeit.

Dabei wird aber übersehen, dass es auch ein rechtes Verständnis von Ökologie gibt. Ja, es gibt sogar einen rechten, völkischen Antikapitalismus. Nicht jede Kritik an Wachstum, Globalisierung und Umweltverschmutzung ist per se emanzipatorisch oder links. Es gibt hier eine sehr lange Tradition von Bewegungen, die diese Fragen rechts und autoritär beantwortet haben.

So kam und kommt es immer wieder zu Überschneidungen mit progressiven Bewegungen, ohne, dass diese Widersprüche aufgelöst werden. In einer sich verschärfenden Krisenzeit zeigen sich diese aber deutlich.

Drei Gründe, warum Esoterik nicht links ist

1. Esoterik ist wissenschaftsfeindlich.

Esoterik setzt auf Gefühle und der individuellen Erfahrung von Dingen. Sie ignoriert die wissenschaftliche Methode, die auf Nachvollziehbarkeit und Austausch von Resultaten setzt. Esoterik wird hingegen als Geheimwissen präsentiert, das einem erleuchteten Kreis gehört. Es geht hier um Glauben, Erfühlen und Erfahren. Dabei mischt sie sich aber in Bereiche der Naturwissenschaften, insbesondere der Medizin ein, und gibt an, dort über Wissen zu verfügen.

2. Esoterik hat einen sozialdarwinistischen und individualistischen Kern.

Es geht bei Esoterik um die Besserung der Welt durch die Besserung des Individuums. Dabei müssen dem Individuum Energien ausgeleitet oder zugeführt werden. Körperliche Beschwerden und Krankheiten werden als Ableitung einer schlechten seelischen Verfassung gesehen, die in allerlei Namen wie Chakren usw. daher kommt. Dabei wird das Individuum für seine Krankheiten selbst verantwortlich gemacht. Soll heißen: Wer krank ist oder sogar stirbt, ist im Grunde selbst Schuld, weil er oder sie nicht im Einklang mit der Welt/Natur/Kosmos gelebt hat. Das ist sozialdarwinistisch.

3. Esoterik ist ein zynisches Geschäftsmodell.

Es gibt zig Scharlatane, Heiler:innen, Schamanen und Prediger:innen, die sich ihre Wunderwasser, Ausleitungen und Rituale teuer bezahlen lassen. Das Zynische dabei ist, dass dieses Geschäftsmodell oft auf die Verzweiflung von bedrängten, kranken, einsamen oder trauernden Menschen abzielt. Ihre Not wird zu barer Münze gemacht. Ohne, dass es irgendeine nachgewiesene Wirkung gibt.

All das passt mit einer “linken” Weltanschauung nicht zusammen. Links bedeutet, wenn man es ernst nimmt, alle Zustände zu überwinden, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Das setzt auch ein positives Menschenbild voraus. Und es kann nicht darauf abzielen, Menschen zu überwältigen oder zu manipulieren, sondern für ihre Befreiung zu kämpfen. Esoterik ist das genaue Gegenteil.

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