#NatsAnalyse
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Natascha Strobl

/ 18. September 2020

In ganz Österreich steigen die Corona-Infektionen. Es herrscht ein großes Kuddelmuddel an (möglichen) Interpretationen und so richtig weiß niemand, was los ist. Das ist nicht nur schade, sondern gefährlich. Hier ein paar Gratis-Tipps zu überzeugender Kommunikation in der Krise:

#1 Häufigkeit

Am Höhepunkt der ersten Welle hat die österreichische Regierung täglich in vielen Pressekonferenzen versucht zu erklären, was ist. Das war viel zu viel. Übersichtlichkeit ist eine Tugend in der Krise. Wir sind ohnehin voll mit Informationen. Wichtiger wäre es, verlässlich zu kommunizieren, also z.B. einmal am Tag.

#2 Klarheit 

Statt Herumlavieren sind klare, leicht verständliche Ansagen wichtig. Zum Beispiel, dass ein Mund-Nasen-Schutz wirkt. Das Risiko, dass er „zu viel“ getragen wird (also z.b. in öffentlichen Gebäuden, wo auf Grund der baulichen Verhältnisse und der Frequenz weiter Abstand eingehalten wird) ist absolut vernachlässigbar gegenüber dem Risiko, dass er zu wenig getragen wird. Für die Kommunikation bedeutet das: MNS, immer und überall in geschlossenen, öffentlichen Gebäuden. Punktum. Keine Ausnahmen für diese und jene Geschäfte, keine zeitlichen Ausnahmen. Ja, das bedeutet auch, wenn man um Mitternacht in eine Tankstelle geht und dort der einzige Kunde ist. Einüben von Routinen ist so wichtig und gute Kommunikation ist hier das A und O. Diese Klarheit braucht es für jede einzelne Maßnahme. 

#3 Augenhöhe

Angst machen funktioniert kurzfristig und wenn der Hut wirklich brennt (dann hat man im Übrigen ohnehin schon versagt), dann mag das in wohldosierter Form zu gewünschten Ergebnissen führen. Eine strategische, kluge und langfristige Kommunikationsstrategie ist das nicht. Besser ist es, Menschen nicht für blöd zu halten, sondern ehrlich und ungeschönt darlegen, um was es geht und erklären, was der Stand der Dinge ist. Für die Zusammenarbeit mit weiten Teilen der Bevölkerung ist das sehr wichtig. Menschen müssen wissen, warum sie x oder y tun sollen und welche Auswirkungen das hat. 

#4 Hintergrund

Es ist ein Kardinalfehler für die Kommunikation, dass es in Österreich keine Person mit medizinischem Fachwissen gibt, die uns die Krise erklärt. (Etwa eine Virologin oder ein Epidemiologe) Und zwar so, dass nicht das unangenehme Gefühl einer Parallelagenda oder der Selbstdarstellung bleibt. Es fehlt ein Christian Drosten, ein Anthony Fauci oder eine Kim Tyu-Jung in Österreich. Es ist gut und hoffnungsvoll, wenn viele Menschen sich für tiefere, wissenschaftliche Hintergründe interessieren. Bei allem, was furchtbar ist in 2020, ist es wunderbar, wenn Virologen oder Wissenschaftsjournalistinnen zu öffentlichen Figuren werden und ihr Wissen breit teilen können. 

#5 Einordnung

Gibt es steigende Infektionszahlen aufgrund höherer Testzahlen und heißt das, dass es eine geringere Dunkelziffer gibt oder sind wir auf dem Stand von April? Angst nehmen bedeutet auch, ehrliche Einordnungen zu geben. Mario Dujaković, der Sprecher des Wiener Gesundheitsstadtrats, tut das seit einigen Wochen meisterhaft auf Twitter. Er erklärt die Überlegungen und Auswirkungen einer geänderten Strategie. Hier wird ein wenig Lichts ins Dunkel geworfen und hinter den Vorhang der großen Politik geblickt. Nicht nur Ergebnisse präsentieren, sondern auch Abwägungen erklären und das eigene Verhalten und die eigene Situation einordnen. 

#6 Fehlerkultur

Fehler passieren, auch gerade dann und dort, wo es ganz schlecht ist. Das ist o.k.. Man sollte aber daraus lernen und Sicherheitsnetze einbauen, die diese beim nächsten Mal verhindern. Legistische Fehler, die wiederholt und bei verschiedenen Ministerien vorgekommen, unterminieren das Vertrauen und sind verhinderbar. 

#7 Ehrlichkeit

Es stehen Wahlen an, verschiedene Parteien und Personen haben offene Rechnungen miteinander und dann gibt es noch das ewige Schielen auf Umfragen und Beliebtheitsskalen. Alles sehr kontraproduktiv bei einer tödlichen Pandemie. Tote verhindern sollte kein kontroverses Ziel sein. Für niemanden.

#8 Zusammenhänge

Neben Hintergründen ist es auch wichtig, Zusammenhänge darzulegen. Was bedeutet diese ganze Situation etwa für unsere psychische Gesundheit? Was kann man hier selbst tun, welche Angebote gibt es, welche Angebote werden geschaffen? Das ist komplex und nicht immer kann alles ad hoc umgesetzt werden, aber Themen anzusprechen und miteinander zu verknüpfen, verhindert auch, dass es zu polarisierenden und menschenfeindlichen Aufrechnungen kommt und diese populär werden. Komplexität im Zusammenhalt wäre ein gutes Leitmotiv für die Corona-Kommunikation.

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