Foto zeigt Tal mit dicht wachsendem Nadelbäumen, in Hintergrund sind Berge und der blaue Himmel zu sehen.
Der Großteil des Waldes ist in Privatbesitz. Schaffen es alle Kleinbesitzer ihre Wälder klimafit zu machen? Credit: Michael Johann
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/ 15. Oktober 2020

In Europa ist nur in Portugal mehr Wald in Privatbesitz als in Österreich: 82 Prozent der heimischen Waldfläche ist in privater Hand, die Hälfte davon gehört KleinwaldbesitzerInnen. Eine große Herausforderung wird es, sie dazu zu bringen, ihren Wald klimafit zu machen. 


Die Klimakrise setzt den Wäldern bereits jetzt extrem zu. Sturmschäden, Schneebruch, Überflutungen und der Borkenkäfer führen dazu, dass eine kontrollierte Forstwirtschaft praktisch kaum mehr passiert, sondern hauptsächlich nur noch Schadholz aus den Wäldern geräumt werden muss. Michael Johann besitzt im Kärntner Rosental rund 400 Hektar Wald und erfährt diese Entwicklung am eigenen Leib: “Ich hatte in den letzten drei Jahren alleine 40.000 Festmeter Schadholz. So viel schneide ich sonst in 15 Jahren nicht um.” Um sich das besser vorstellen zu können: Das schadhafte Holz auf LKWs verladen ergäbe eine Kolonne von 30 Kilometern Länge.

Michael Johann muss froh sein, wenn er mit seinem Holz kein Minus-Geschäft macht, denn muss er nach einem Sturm viel Schadholz zum Sägewerk bringen, so erhält er mitunter für einen Festmeter nur  20 Euro, dabei betragen die Erntekosten 25 Euro. Auch denn anderen Forstbetrieben geht es dann nicht besser: Denn wenn plötzlich viel Holz am Markt ist, erklärt Johann: “Der Holzpreis ist praktisch seit drei Jahrzehnten gleich. Würden sie heute für ein Gehalt arbeiten, dass vor dreißig Jahren angemessen war?”

Sturmschäden im Wald, zahlreiche Bäume liegen entwurzelt oder umgekippt an einem Hang.

Massive Waldschäden, die der Orkan Yves im Jahr 2017 in Michael Johanns Wald verursacht hat. Credit: Michael Johann

Hälfte des Waldes gehört Kleinbesitzern

Johann ist sich sicher: Die Klimakrise muss mit voller Kraft bekämpft und der Wald klimafit gemacht werden. Bäume sind außerdem der billigste und effektivste CO2-Speicher - wir alle sind also auf funktionierende und gesunde Wälder angewiesen. Forstbetriebe stehen nun vor vielen Herausforderungen. Doch die große Frage ist, ob auch all die KleinbesitzerInnen den Wandel schaffen. In Österreich sind nämlich 50 Prozent des Waldes in kleinem Privatbesitz, der kleiner als 200 Hektar ist.

Auch bei den Bundesländern tun sich große Unterschiede auf: Während in Wien der meiste Wald in öffentlichem Besitz ist, gehören die Wälder im Burgenland fast ausschließlich Privatpersonen.

Viele leben nicht von Waldwirtschaft

Da der Holzpreis so niedrig ist, braucht es also schon eine gewisse Größe, damit eine Forstwirtschaft genug zum Leben abwirft. Immer mehr Forstbetriebe geben deshalb auf oder verkaufen, erklärt Johann: “Wer früher Groß war, ist heute vielleicht noch im Mittelfeld.” Viele kommen aber zum Wald wie die Jungfrau zum Kind, etwa durch eine Erbschaft. Das bedeutet aber, dass viele neue WaldbesitzerInnen davor nie etwas mit Waldwirtschaft zu tun gehabt haben. Oft gehen sie ganz anderen Jobs nach. Und wer will neben einer Vollzeitbeschäftigung am Wochenende mit der Motorsäge in den Wald stapfen und Schadholz beseitigen, für das es dann kaum Geld gibt? Eben. Deshalb verkaufen viele KleinbesitzerInnen schnell ihren Wald wieder, oder würden ihn am liebsten sich selbst überlassen. 

 

Ist es gut, wenn der Wald sich selbst überlassen wird?

Das Forstgesetz gilt für alle WaldbesitzerInnen. Es schreibt etwa vor, wie viel geschlägert werden darf, aber auch, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet sein muss, sollte eine Straße durch oder an einem Wald vorbeiführen. Auch muss Schadholz aus dem Wald geräumt werden. Bäume, die von Käfern befallen sind, müssen schleunigst vernichtet werden. Förster sind davon überzeugt, dass ein stabiler und gesunder Wald grundsätzlich regelmäßige Pflege braucht. Wenn schwache, und kranke Bäume geschlägert werden, haben die starken Bäume mehr Licht, Raum, Wasser und Nährstoffe für ihr Wachstum - sie können dann auch mehr CO2 speichern. 

Doch kann sich ein Wald nicht selbst regulieren? Würden in einem naturbelassenen Wald nicht ohnehin die Baumarten durchsetzen, die sich als robust gegen die Klimakrise erweisen?

Die EU-Kommission schlägt vor, dass 10 Prozent der Ökosysteme Europas geschützt werden sollen. Diese Idee hat Umweltministerin Leonore Gewessler in ihrer Biodiversitätsstrategie übernommen. Doch da dies bedeuten würde, dass zusätzlich zu den Urwäldern und Nationalparks in Österreich zusätzlich mehr Wälder nicht mehr genutzt werden sollen, sorgte das Papier für einen Aufschrei. Bauernbund-Präsident Georg Strasser meinte etwa: “Wald schützen und zugleich nützen ist für uns kein Widerspruch.” 

Umweltschützer und Waldexperte Matthias Schickhofer wünscht sich hier jedoch eine vernünftige Diskussion: "Wir haben nicht nur eine Klimakrise, sondern auch eine Naturkrise. Es geht auch darum die Artenvielfalt zu erhalten." Außerdem wüsste niemand, welche Baumarten sich in den nächsten fünfzig Jahren als klimafit erweisen und die Natur wäre hier wohl doch die beste Expertin. "Sich selbst überlassene Wälder könnten uns hier vielleicht noch viel lehren," so Schickhofer.

 

Forstbetriebe brauchen Unterstützung - Kleinbesitzer müssen erreicht werden

Die Forstbetriebe brauchen angesichts der Klimakrise Unterstützung. Das hat auch die Politik verstanden. Heuer wurde dafür vom Landwirtschaftsministerium ein Waldfonds in der Höhe von 350 Millionen Euro beschlossen. Eine besondere Herausforderung stellt trotzdem dar, die vielen KleinbesitzerInnen zu erreichen. Dafür wurde nun eigens die Homepage klimafitterwald.at eingerichtet: Hier sollen sogar mit Filmen und Kunstprojekten WaldbesitzerInnen erreicht werden, die keinen forstbetrieblichen oder landwirtschaftlichen Hintergrund haben und schon gar keine Forst-Fachzeitschriften lesen.

 

Wie der Bund seine Wälder klimafit macht

15 Prozent der Waldfläche gehören den österreichischen Bundesforsten. Der staatliche Betrieb zeigt gut vor, was alles getan werden muss, damit die österreichischen Wälder auch in 100 Jahren noch robust und stark sind. Bis 2025 werden die Bundesforste rund 100 Millionen Euro in den Waldumbau investiert. 

Der Wald muss bunter werden. Vor allem darf nicht mehr auf die Fichte gesetzt werden: Dieser Baum wächst zwar schnell und das weiche Holz ist gut zu verarbeiten, kann aber als Flachwurzler nicht so gut gegen Sturm und Trockenheit bestehen. Die Fichte galt durch ihr rasches Wachstum und das weiche Holz als “Wunderbaum” in der Forstwirtschaft. Viele Monokulturen wurden in niedrigen Lagen gepflanzt, wo der Baum gar nicht heimisch ist. Das rächt sich nun besonders: Vor allem im Mühl- und Waldviertel ist sie nun die Baumart, die besonders bedroht und am meisten vom Borkenkäfer befallen ist. 

Die Fichte wird unter 600 Meter Seehöhe mit Sicherheit ihre Führerschaft verlieren. Sie stellt nur ein Beispiel dar, warum sich die Forstwirtschaft dringend verändern muss. Und hoffentlich können auch die KleinbesitzerInnen auf diesem Weg mitgenommen werden.

 

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