Dächer der Stadt Wien.

Dimitry Anikin / Unsplash

/ 9. August 2021

Die Parkanlage am Hundsturm im Wiener Bezirk Margareten wurde neu gestaltet. Doch nicht alle sind mit dem neuen Park glücklich.

Ein neues Wasserspiel und neue, andere Sitzmöglichkeiten. Die Parkanlage am Hundsturm im 5. Wiener Gemeindebezirk wurde neugestaltet. Nicht allen gefällt das.

Stadtplanung: Was wurde am Park am Hundsturm verändert?

Im Zentrum befand sich früher ein großer Stein, umringt von Pflastersteinen, in der Mitte ein Brunnen. Zahlreiche Bänke und vereinzelte Tische luden zum Verweilen ein. Spielbereiche, Grünflächen und eine Pagode mit Strauchbepflanzung rundeten den Park ab. Etwas verwinkelt wirkte der ­flächenmäßig recht überschaubare Park durch die vielen Sträucher. Heute sieht es am Hundsturm anders aus. Das Wegesystem blieb zwar bestehen. Der Stein in der Mitte wich allerdings einem bepflanzten Zentrum, das von Sitzmöglichkeiten eingerahmt wird. Rundherum sind weniger Sträucher zu sehen, dafür neue Sitzgelegenheiten wie vierkantige Bänke, die um Bäume herum platziert sind. Auch ein Wasserspiel mit Bewegungssensor und Düsen im Boden ist nun im Zentrum. Süd-östlich, wo die Pagode inmitten dichter Strauchbepflanzung stand, ist heute nur mehr eine Wiese. Rund 100 Quadratmeter mehr Grünfläche wurde laut Wiener Stadtgärten gewonnen.

Kritik an der Umgestaltung

Auf Twitter wurde Kritik an der Umgestaltung laut. Manche User:innen finden die Neugestaltung misslungen. In der kleinen Pagode haben oft Leute im Schatten gesessen, auf den Bänken mit Tischen ältere Menschen im Schatten der Bäume Karten gespielt, schreibt "Wasserwange". Die neuen Sitzmöglichkeiten seien meist in der Sonne und werden deshalb weniger genutzt, meint der User. Dass der Park nun auch von allen Seiten einsehbar ist, mache ihn seiner Meinung nach ungemütlich. Hinter diesen Maßnahmen vermutet er das Anliegen der Stadt, Drogenhandel zu unterbinden und zu verhindern, dass Obdachlose den Park zum Schlafen nützen.

Lob für die Umgestaltung

Slavica wohnt seit über 20 Jahren im 5. Wiener Gemeindebezirk und hat den Park bereits besucht, als ihre Kinder noch klein waren. Inzwischen ist sie mit ihren Enkelkindern da. Durch die Umgestaltung könne sie die Parkbesuche mit den Kindern nun mehr genießen, erzählt sie. Sie fühle sich sicherer, der Park sei familienfreundlicher. “Früher haben sich öfter Männer zum Trinken hier getroffen, dann haben sich gestritten und es wurde manchmal auch laut”, sagt Slavica. Es habe auch immer wieder mal Probleme mit Glasscherben gegeben. Das sei deutlich weniger geworden.

Herausforderung öffentlicher Raum

Öffentlichen Raum so zu gestalten, dass alle zufrieden sind, ist eine besondere Kunst. In einer Stadt ist der Bedarf vielfältig, trotzdem muss für jede:n Platz sein. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Quadratmeter öffentlicher Raum von jeder Person zu jeder Zeit gleich zu nutzen ist. “Das ist in einer so vielfältigen Stadt wie Wien durchaus illusorisch”, sagt Simon Güntner, Universitätsprofessor der TU Wien am Institut für Raumplanung.

Wer hat Bedarf an öffentlichem Raum?

Zwar hat grundsätzlich jede Gruppe ein legitimes Interesse am öffentlichen Raum, es gibt allerdings unterschiedlich hohen Bedarf. Wer eine kleine Wohnung hat und ein geringes Einkommen, kann sich Garten oder Urlaubsreise also nicht leisten und hat höheren Bedarf an Grünflächen im öffentlichen Raum. Ist der Anteil an Menschen mit hohem Bedarf groß und in der Nachbarschaft wenig Grünraum für Erholung und Freizeitgestaltung vorhanden, ist der potenzielle Nutzungsdruck auf den öffentlichen Raum hoch. “Wenn man als Stadt priorisieren muss und man nimmt für sich in Anspruch, sozial inklusiv zu sein, dann muss geschaut werden, wer hohen Bedarf hat”, erklärt Güntner. Das mache die Stadt Wien, indem sie diese Indikatoren entwickelt hat und in der Planung berücksichtige.

Konflikte im öffentlichen Raum

Konflikte können dennoch entstehen. “Wenn es einen Konflikt gibt, dann muss man diesen Konflikt moderieren, um ihn lösen zu können”, sagt Güntner. Dafür ist die Stadt verantwortlich. Essenziell sei dabei, die beteiligten Gruppen in diesen Prozess miteinzubeziehen. Ob das Ergebnis legitim ist, liege einerseits daran, ob der Prozess ausgeglichen und fair ist, andererseits sei die Wirkung wichtig. Bedeutet das Ergebnis für eine beteiligte Gruppe einen unausgeglichenen Schaden, ist es nicht legitim, meint Güntner.

Laut Leitbild und Ausführungsrichtlinien der Wiener Stadtgärten sollen die Bürger:innen in den Planungsprozess eingebunden und ihre Wünsche berücksichtigt werden. Ob und wie das im Prozess um den Park am Hundsturm umgesetzt wurde, wurde von der Stadt Wien bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

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