Erika Wieser bei einem Kran

Erika Wieser arbeitet als Kranführerin auf Baustellen. Sie ist Vorsitzende des Vereins Trans-Austria. 

Foto (c): Nina Strasser

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/ 30. März 2021

Erika Wieser arbeitet seit 28 Jahren am Bau. Sie ist Kranführerin, vermutlich als erste Frau in Österreich. Und sie ist die erste trans-idente Kranfahrerin. Ihr Arbeitsplatz liegt über den Dächern der Städte in einer sehr männlich dominierten Branche.  

Erika Wieser wurde im November 1964 bei Bruck an der Mur in der Steiermark geboren. Doch Erika war nicht ihr Geburtsname: Sie wurde als Bub großgezogen, wusste aber schon früh, dass irgendetwas an ihr anders war, konnte es aber noch nicht zuordnen. Auf Idee, dass die ‘Natur ihr einen falschen Körper gegeben hat’, wie sie heute sagt, war sie auch während ihrer Lehrjahre nicht gekommen.

1980 begann Erika Wieser eine Lehre als Glaserin, danach schulte sie zur Kranfahrerin um. Zu dieser Zeit dachte sie noch, sie wäre ein schwuler Mann - erst 2014 erkannte Erika Wieser, dass sie in Wahrheit eine trans-idente Frau war.

Erika Wieser beschloss mit 49 Jahren offen als Frau zu leben

Sie wollte etwas ändern. Mit 49 Jahren begann sie eine Hormontherapie und beschloss, offen als Frau zu leben. Später hatte sie eine geschlechtsanpassende Operation. Seit 2015 ist sie auch am Papier eine Frau. Dieser Prozess zu ihren wahren Identität war das beste, was ihr je passiert war, sagt Erika Wieser heute.

Den Kollegen am Bau sagte sie gleich Bescheid. Jeder, der damit ein Problem habe, sollte sich melden. Die Rückmeldungen waren zu Beginn positiv. Doch bei derselben Firma bekam sie später keinen Auftrag mehr. Sie wechselte und fand Auftraggeber, bei denen sie als trans-idente Frau einfach ihren Job machen konnte.

Erika Wieser engagierte sich später politisch bei der SPÖ-Wien für Gleichberechtigung aller Geschlechter und für mehr Frauen auf Baukränen. Heute lebt sie in Wien und steht kurz vor der Pension. Erika Wieser ist außerdem Vorsitzende des Vereins Trans-Austria.

Dieser Text entstand in der Serie #HerStory während des Women's History Month im März 2021. Weil Frauen in der Geschichtsschreibung oft übersehen oder kleingeredet werden. stellt MOMENT darin jeden Tag eine Österreicherin vor, deren Wirken wir in zeitgenössischer oder historischer Hinsicht bemerkenswert finden.

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