Johanna Dohnal, die erste Frauenministerin rauchend bei einer Sitzung

Johanna Dohnal war die erste Frauenministerin und erkämpfte wesentliche Frauenrechte.

APA/Robert Jäger

/ 12. März 2021

Johanna Dohnal war ab 1990 die erste Frauenministerin Österreichs und gilt als Ikone der Frauenrechtsbewegung.

Als Johanna Dietz kam sie 1939 zur Welt. Sie war ein uneheliches Kind, was in damaligen Zeiten schwierig war. Ihren Vater kannte sie nicht. Da die Mutter an Tuberkulose erkrankt war, wuchs sie bei ihrer Großmutter auf. Ihre Kindheit war vom Zweiten Weltkrieg und den Nachkriegswirren geprägt.

Johanna Dohnal wurde nach Geburt des zweiten Kindes gekündigt

Mit ihrem 1957 geheirateten Ehemann, dem Chaffeur Franz Dohnal, lebte sie gemeinsam mit zwei Kindern in einer 48 Quadratmeter großen Gemeindewohnung. Um Geld zu verdienen, ging Dohnal kurz nach der Geburt des ersten Kindes wieder arbeiten. Als sie 1962 das zweite bekam, wurde ihr gekündigt. Mangels kostengünstiger Betreuungseinrichtungen nahm Dohnal verschiedene Heimarbeiten an, erst 1969 fand sie wieder eine ordentliche Anstellung als Sekretärin in einer Schlosserei. Nach 19 Jahren Ehe ließ sich Dohnal von ihrem Mann scheiden.

Aufstieg in der SPÖ bis zur Frauenministerin

Dohnal wurde 1956 Mitglied der SPÖ. Der Kampf um die Fristenregelung sensibilisierte Johanna Dohnal für Frauenanliegen. Ab 1973 wurde sie Wiener Gemeinderätin.1978 war sie Mitgründerin des Vereins “Soziale Hilfen für gefährdete Frauen und Kinder”, der das erste Wiener Frauenhaus schuf.

Unter Bruno Kreisky wurde sie 1979 zur Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen, unter Franz Vranitzky wurde sie 1990 Frauenministerin. Ihr gelangen wesentliche Meilensteine bei den Frauenrechten und der Gleichberechtigung: Sie beseitigte die Amtsvormundschaft bei ledigen Müttern, setzte das Recht zur Betretungsverweigerung bei Gewalt in der Ehe  durch, sowie das gesetzliche Verbot der sexuellen Belästigung. Auch viele Verbesserungen für berufstätige Frauen fielen in ihre Ära.

Nach Politik kämpfte Johanna Dohnal weiter für Frauenrechte

1995 wurde sie gegen ihren Willen von Vranitzky als Frauenministerin aus der Regierung entlassen. Durch den Aufstieg Jörg Haiders begann in Österreich eine konservative Wende und Dohnals Person und Arbeit wurde infrage gestellt. Danach bekleidete sie kein politisches Amt mehr, setzte sich aber weiterhin für Frauenrechte ein und arbeitete mit Vereinen, Gewerkschaften und anderen Initiativen zusammen.

Dohnal starb 2010 an Herzproblemen, nur wenige Wochen nachdem sie sich mit ihrer Lebensgefährtin Annemarie Aufreiter verpartnert hatte.

Der ORF zeigt noch einige Tage in seiner TV-Thek die preisgekrönte Doku “Die Dohnal”.

Dieser Text entstand in der Serie #HerStory während des Women's History Month im März 2021. Weil Frauen in der Geschichtsschreibung oft übersehen oder kleingeredet werden. stellt MOMENT darin jeden Tag eine Österreicherin vor, deren Wirken wir in zeitgenössischer oder historischer Hinsicht bemerkenswert finden.

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