Ein Metallarbeiter
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/ 17. Dezember 2019

Wir leben immer länger. Männer, die vor 50 Jahren geboren wurden, konnten damit rechnen, 66 Jahre alt zu werden. Burschen, die 2018 auf die Welt kamen, werden rund 79 Jahre alt. Bei Frauen waren es 1970 73 Jahre, heute sind es rund 84. Wir gewinnen Jahre dazu.

Doch gerade bei der Lebenserwartung zeigt sich, wie ungleich unsere Gesellschaft immer noch ist.

Wer einen Pflichtschulabschluss hat, der kann im Alter von 35 Jahren damit rechnen, sechs Jahre früher zu sterben als ein Akademiker. Je höher der Bildungsabschluss, desto höher ist die Lebenserwartung.

Auch Frauen leben länger, je höher ihr Bildungsabschluss ist. Die Unterschiede sind allerdings nicht so gewaltig wie bei Männern. So kann eine 35-Jährige Akademikerin damit rechnen, 3,2 Jahre länger zu leben als ihre Altersgenossin, die die Pflichtschule abgeschlossen hat.

Die Lebenserwartung hängt unter anderem von Faktoren ab, die wir beeinflussen können. Ob wir rauchen, uns gesund ernähren, uns regelmäßig bewegen - als das hat einen Einfluss auf unsere Gesundheit und damit auf unsere Lebenserwartung. In der Forschung zeigt sich allerdings, dass manche Gruppen eher zu gesundheitsschädigendem Verhalten neigen. Je höher die Bildung, desto gesünder leben wir tendenziell. Dazu kommen Faktoren wie die Art von Arbeit, die wir verrichten. Manche schuften sich an der Baustelle den Rücken kaputt, andere haben jahrzehntelang passiven Rauch in der Gastronomie eingeatmet.

Je niedriger der Bildungsstand, desto mehr Menschen geht es gesundheitlich schlecht. Das ist eine gesellschaftliche Realität, die wir nicht wegdiskutieren können.

Je höher die Bildung, desto höher die Zahl an Männern, die sich gesundheitlich sehr gut oder gut fühlen. Je niedriger, desto mehr Männer fühlen sich schlecht oder sehr schlecht. Bei Frauen ebenso. Bildung und Einkommen hängen oft zusammen, aber: Die Bildung beeinflusst den Lebensstil stärker als das Einkommen und damit die Gesundheit.

Wenn wir uns Menschen ansehen, die das Alter von 65 erreichen (was ab 2033 in Österreich das Pensionsantrittsalter für alle sein wird), wird die Lücke kleiner. Das liegt daran, dass diese Gruppe kleiner ist - einige Menschen sterben vor dem regulären Pensionsantrittsalter. Wer Schwerarbeiter von Beruf war, ist in der Pension weniger Unfallrisiko ausgesetzt.

Dennoch sind Männer mit Pflichtschulabschluss auch ab 65 klar im Nachteil. Sie können im Durchschnitt 17 Jahre lang ihre Pension genießen - Akademiker 20,9 Jahre. Bei Frauen ist der Unterschied kleiner. Jene mit Pflichtschulabschluss haben zwei Jahre weniger von ihrer Pension als Akademikerinnen.

Was bedeutet das? Wir erwarten von allen Menschen, dass sie bis zu einem gewissen Alter arbeiten. Doch manche haben mehr Zeit, ihre Pension zu genießen: Personen mit hoher Bildung. Sie profitieren also mehr von ihren Einzahlungen in das Pensionssystem.

Welchen Bildungsabschluss wir machen, hängt stark damit zusammen, in welche Familie wir geboren werden. Und unser Bildungsstand beeinflusst wiederum, wie lange wir leben. Nicht nur Vermögen und Einkommen sind in Österreich ungleich verteilt, die Lebenszeit ist es auch.


Der Artikel basiert auf den Zahlen der Statistik Austria und der EU, sowie auf einem Vortrag von und einem Gespräch mit Sophie Psihoda von der Statistik Austria.

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