Warum eine wertfreie Wissenschaft weder möglich noch erstrebenswert ist
Spätestens seit der Corona-Pandemie sind Wissenschaftsskepsis und Verschwörungsmythen zu Massenphänomenen geworden. Eine auch in vielen Medien beliebte Erklärung für den Vertrauensverlust in die Wissenschaft: Wissenschaftler:innen würden sich zu stark politisch einmischen, ja mit „Aktivismus“ ihre Glaubwürdigkeit beschädigen.
Mit diesem Vorwurf werden zum Beispiel Klimaforscher:innen regelmäßig konfrontiert, die vor den Folgen der fortschreitenden Erderhitzung warnen. Stark betroffen war und ist der Virologe Christian Drosten, der wegen seiner Empfehlungen während der Corona-Pandemie bis heute unter Polizeischutz steht. Auch die wissenschaftlichen Studienergebnisse des Momentum Institut werden oft als „aktivistisch“ zu diskreditieren versucht, weil wir uns politisch klar als „Think Tank der Vielen“ positionieren.
Dahinter steckt das Idealbild einer objektiven und völlig wertfreien Wissenschaft. Tatsächlich ist aber wertfreie Wissenschaft nicht nur unmöglich – sie ist nicht einmal ein erstrebenswertes Ziel. Wissenschaft ist immer politisch und erfordert immer Werturteile. Das beginnt bei der Auswahl der Forschungsfrage aus der unendlichen Zahl möglicher Forschungsprobleme, und es hört bei der Wahl von Theorie und Methodik noch lange nicht auf.
Was ist dann aber die Antwort auf den Vorwurf, Wissenschaft sei „aktivistisch“ oder politisch nicht „neutral“? Entscheidend ist zu erkennen: Nicht „Aktivismus“ ist ein Problem, sondern die Verletzung von wissenschaftlichen Qualitätsstandards. Und diesem Problem kommen wir nicht mit mehr „Objektivität“ bei, sondern mit maximaler Offenheit – in Bezug auf Daten, Methoden und Ergebnisse – und inhaltlicher Auseinandersetzung.
Das Video entstand bei einer Tagung zum Thema „Wissenschaftsskepsis und Vertrauen in die Wissenschaft“ des „Club of Vienna“. Nach dem Vorbild des „Club of Rome“, der die Grenzen des Wachstums erkundet, beschäftigt sich diese Vereinigung von Wissenschaftler:innen mit wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit.












