Long Covid: Was sind die Langzeitfolgen von Corona?

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Redaktion
/ 3. Januar 2022

Was ist Long Covid? Manche PatientInnen haben auch noch Monate nach einer Corona-Infektion Symptome. Wie können die aussehen? Und kann man etwas dagegen tun?

Wer an COVID-19 erkrankt, kann sehr unterschiedliche Verläufe erleben. Viele spüren wenig oder gar nichts davon, einige müssen ins Krankenhaus, manche landen auf der Intensivstation und insgesamt zu viele sterben. Was erst nach und nach erforscht werden kann, sind die Langzeitfolgen einer Infektion mit dem Coronavirus. Sie wurden unter dem Namen "Long Covid" (oder auch "Post-Covid") bekannt.

Dass es solche Langzeitfolgen gibt, überrascht Virolog:innen wahrscheinlich nicht. Das Auftreten langfristiger Folgen bei Vireninfektionen wird durchaus auch bei anderen Viren beobachtet. Eine genaue Erklärung für Long Covid, was alles darunter zu verstehen ist oder warum es viele Menschen nicht betrifft, andere aber schon, gibt es aber noch nicht.

Was ist Long Covid?

Long Covid ist ein Sammelbegriff, der die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion bezeichnet. Wer vier Wochen nach einer Covid-Erkrankung noch immer Symptome aufweist, obwohl keine Infektion mehr nachzuweisen ist, leidet unter Long Covid.

Welche Symptome hat man mit Long Covid?

Die Symptome, die bei Long Covid auftreten, können sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von länger anhaltenden Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit, Muskelproblemen oder Geruchs- und Geschmacksverlust bis zu langanhaltenden Schäden in Herz und Hirn oder einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle. Manche PatientInnen leiden auch Monate später noch unter dem sogenannten Chronischen Erschöpfungssyndrom (ME/CFS). Auch Lungenschäden sind eine recht häufige Folge von COVID. Die Lunge regeneriert bei vielen Menschen erst nach langer Zeit - bei manchen gar nicht. 

Wie viele Menschen sind von Long Covid betroffen?

Dazu gibt es immer noch unterschiedliche Zahlen. Eine große Studie der Universität Oxford mit 270.000 Menschen, die von COVID-19 genesen sind, hat aber gezeigt, dass mehr als jede dritte Person auch nach sechs Monaten noch merkbare Folgen spürte. Auch eine aktuelle Studie der Universitätsmedizin Mainz kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Demnach weisen 40 Prozent der genesenen Menschen Symptome von Long Covid auf.

Warum gibt es Long Covid?

Dass Virusinfektionen Langzeitfolgen nach sich ziehen können, ist schon länger bekannt. COVID-19 scheint diese noch häufiger hervorzurufen, als andere Infektionen. Denn das Corona-Virus befällt nicht nur die Lunge, sondern auch andere Organe. Dadurch kann das Virus längerfristige Schäden hervorrufen. Besonders bei immungeschwächten Personen kann es außerdem sein, dass das Virus auch nach überstandener Infektion nicht vollständig aus dem Körper beseitigt werden konnte. Long Covid-Symptome können aber auch als Reaktion der körpereigenen Abwehr entstehen.

Wie lange hat man Long Covid?

Das ist von Person zu Person unterschiedlich und kommt auf die Symptome an. Von anderen Viruserkrankungen ist bekannt, dass die Symptome innerhalb von drei Monaten verschwinden können. In manchen Fällen kommt es allerdings zu chronischen Erkrankungen, etwa das Chronische Erschöpfungssyndrom.

Wer ist von Long Covid betroffen?

Long Covid betrifft auch Leute, die wegen COVID-19 ursprünglich nicht einmal ins Krankenhaus mussten. Während COVID-19 vor allem für vorbelastete und ältere Menschen tödlich und lebensbedrohlich sein kann, macht Long Covid vor keiner Altersgruppe halt. Frauen, Menschen mit Übergewicht oder Asthma und ältere Personen haben aber ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken.

Auch Kinder können unter Long Covid leiden. Unter ursprünglich schweren Verläufen von COVID-19 ist auch Long Covid häufiger. Die Schwere einer Erkrankung spielt also eine Rolle. Sie erklärt aber nicht alles.

Was kann man gegen Long Covid machen?

Der beste Schutz gegen Long Covid sind die Maßnahmen, die vor einer Infizierung mit dem Coronavirus allgemein schützen. Dazu gehören die gängigen Hygiene-, Abstands-, Maskenregeln und Impfungen. 

COVID-19-Erkrankungen werden oft nur in Bezug auf das Sterberisiko als gefährlich eingeschätzt. Langzeitfolgen sorgen aber dafür, dass für viele Menschen das Problem mit dem Abklingen der Infektion noch nicht vorbei ist. Es erfordert langfristige medizinische Betreuung und Alltags-Unterstützung. Dabei können oft aber nur Symptom bekämpft werden. Wichtig ist auch, dass eine Therapie zeitnah beginnen kann.

Sind Leute mit Long Covid ansteckend?

Nein. Menschen, die Long Covid haben, sind nicht infektiös. Sie können weder Corona noch Long Covid-Symptome übertragen.

Schützen die Corona-Impfstoffe vor Long Covid?

Eine Impfung kann vor Long Covid schützen. Wer geimpft ist, hat ein niedrigeres Risiko an Corona zu erkranken. Und auch bei Impfdurchbrüchen - also Fällen, bei denen vollständig Geimpfte dennoch an Corona erkranken - erkranken um die Hälfte weniger Menschen an Long Covid. Allerdings bietet auch eine Impfung keinen vollständigen Schutz davor. Sie kann das Risiko aber zumindest stark reduzieren.

Eine neue Studie zeigt außerdem, dass zumindest zweimal geimpfte Menschen vermutlich weniger lange an Long Covid-Symptomen leiden. Die Impfung dürfte also auch Auswirkungen auf die Schwere der chronischen Erkrankung haben.

Kann man auch durch die Omikron-Variante Long Covid bekommen?

Virolog:innen gehen aktuell davon aus, dass auch Omikron Long Covid hervorruft. Die Variante ist noch sehr jung, daher gibt es zu den Langzeitfolgen noch keine Daten. Allerdings gibt es keinen Grund, nicht davon auszugehen. Denn auch leichtere Verläufe können langfristige Symptome hervorrufen.

Gibt es auch psychische Langzeitfolgen einer COVID-Erkrankung?

Neben körperlichen gibt es auch psychische, neurologische und psychiatrische Folgen. Und zwar offenbar nicht nur wegen der seelischen Belastung durch die Pandemie, sondern tatsächlich auch als direkte Folge der Krankheit. Der Zusammenhang wird aber noch untersucht.

Ehemalige PatientInnen zeigten zumindest innerhalb der ersten sechs Monate (so lange untersuchte die Universität Oxford in einer Studie über 236.000 Betroffene) ein klar erhöhtes Risiko zum Beispiel für Angststörungen und psychotischen Störungen, Suchtverhalten, Schlaflosigkeit und Schlaganfälle und auch erneute Hirnblutungen und Demenz. Je schwerer der Verlauf der Krankheit gewesen ist, desto höher scheint auch das Risiko solche Folgen.

PsychologInnen und Menschen aus diesen Fachbereichen fordern jedoch deshalb einen Ausbau der Infrastruktur für die Versorgung dieser Probleme. Schon vor der Pandemie war aber gerade die psychologische Gesundheitsversorgung in Österreich alles andere als ideal. Im Gespräch mit MOMENT schloss sich dem etwa Alfred Pritz an, der Rektor der Sigmund Freud-Klinik in Wien.

Warum sind Frauen häufiger von Long Covid betroffen?

Frauen sind, je nach Schätzung, zwischen zwei und vier Mal so häufig von Long Covid betroffen, wie Männer. Dafür gibt es einige Erklärungsversuche. So gibt es etwa die Theorie, dass Frauen in gebärfähigem Alter als Selbstschutz eine stärkere Immunantwort gegenüber Krankheitserregern aufweisen. Befinden sich Reste des Virus noch im Körper, was als ein Grund für Long Covid angesehen wird, reagieren sie also noch stärker darauf, als andere Menschen. Ein andere Erklärung besagt, dass Long Covid eine Autoimmunkrankheit sein könnte, die mit dem Hormon Östrogen in Zusammenhang steht. Dafür könnte etwa sprechen, dass Long Covid bei Frauen und Männern über 60 Jahren gleich oft auftritt.

Eine definitive Antwort für diesen Unterschied gibt es aber noch keine. An diesem Beispiel zeigt sich jedoch auch, dass männliche Körper in der Medizin als der Standard gelten und Krankheiten oder Symptome, die vor allem Frauen betreffen, als weniger wichtig erachtet werden. Denn ein ähnliches Krankheitsbild, wie es bei Long Covid auftritt, gibt es auch bei anderen Infektionskrankheiten - und auch hier sind vor allem Frauen betroffen. Doch ergründet wurde dieser Unterschied bisher kaum. Vielfach werden die Symptome einfach auf psychologische Faktoren reduziert und Betroffenen eine übertrieben Reaktion unterstellt.

Dieser Artikel wird im Laufe der Zeit aktualisiert. Da sich der Forschungsstand und das Krankheitsbild bei Long Covid aber so häufig ändert, können wir diesen Artikel mit unserem kleinen Team nicht vollständig aktuell halten und haben uns eher allgemein ausgedrückt. Wenn du genauere Informationen brauchst, empfehlen wir dir diese Seiten von Quarks und vom deutschen Ärzteblatt. Bei Fragen in den Kommentaren bemühen wir uns aber immer, sie auch zu beantworten.

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