Eine traurig blickende, junge Frau

Rund ein Drittel der Covid-PatientInnen leidet bis zu sechs Monate nach der Infektion an psychologischen, psychiatrischen oder nervlichen Folgen von Long Covid.

Photo by Engin Akyurt from Pexels

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  Redaktion

/ 19. April 2021

Was ist Long Covid? Manche PatientInnen haben auch noch Monate nach einer Corona-Infektion Symptome. Wie können die aussehen? Und kann man etwas dagegen tun?

Wer an COVID-19 erkrankt, kann sehr unterschiedliche Verläufe erleben. Viele spüren wenig oder gar nichts davon, einige müssen ins Krankenhaus, manche landen auf der Intensivstation und insgesamt zu viele sterben. Was erst nach und nach erforscht werden kann, sind die Langzeitfolgen einer Infektion mit dem Coronavirus. Sie wurden unter dem Namen "Long Covid" bekannt.

Dass es solche Langzeitfolgen gibt, überrascht VirologInnen wahrscheinlich nicht. Das Auftreten langfristiger Folgen bei Vireninfektionen wird durchaus auch bei anderen Viren beobachtet. Eine genaue Erklärung für Long Covid, was alles darunter zu verstehen ist oder warum es viele Menschen nicht betrifft, andere aber schon, gibt es aber noch nicht.

Wie viele Menschen sind von Long Covid betroffen?

Etwa 10 bis 20% aller Infizierten sind nach bisherigen Schätzungen von Langzeitfolgen von betroffen - das beinhaltet auch Leute, die wegen COVID-19 ursprünglich nicht einmal ins Krankenhaus mussten. Wenn man nur diese schweren Fälle betrachtet, leiden eher 50 bis 70% an mittel- und langfristigen Folgen. Die Schwere einer Erkrankung spielt also offenbar eine Rolle.

Wer ist von Long Covid betroffen?

Sie erklärt aber nicht alles. Während COVID-19 vor allem für vorbelastete und ältere Menschen tödlich und lebensbedrohlich sein kann, macht Long Covid vor keiner Altersgruppe halt. In bisherigen Studien scheinen sogar eher jüngere Menschen davon betroffen. Außerdem dürften Frauen ein erhöhtes Risiko haben. Auch bei Kindern werden solche Folgen gemeldet.

Was genau ist Long Covid?

Die Langzeitfolgen einer Erkrankung, die erst vor etwas über einem Jahr festgestellt wurde, sind natürlich noch nicht restlos erforscht und der Wissensstand ändert sich ständig. Das Krankheitsbild ist noch nicht klar definiert.

Es reicht von nach einer COVID-Erkrankung länger anhaltenden Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit, Muskelproblemen oder Geruchs- und Geschmacksverlust bis zu langanhaltenden Schäden in Herz und Hirn oder einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle. Manche PatientInnen leiden auch Monate später noch unter dem sogenannten chronische Erschöpfungssyndrom (CFS). Auch Lungenschäden sind eine recht häufige Folge von COVID. Die Lunge regeneriert bei vielen Menschen erst nach langer Zeit - bei manchen gar nicht. 

Kann man sich gegen Long Covid schützen?

Der beste Schutz gegen Long Covid sind immer noch die Maßnahmen, die vor einer Infizierung mit dem Coronavirus allgemein schützen. Dazu gehören die gängigen Hygiene-, Abstands-, Maskenregeln und Impfungen. 

COVID-19-Erkrankungen werden oft nur in Bezug auf das Sterberisiko als gefährlich eingeschätzt. Langzeitfolgen sorgen aber dafür, dass für viele Menschen das Problem mit dem Abklingen der Infektion noch nicht vorbei ist. Es erfordert langfristige medizinische Betreuung und Alltags-Unterstützung. Dabei können oft aber nur Symptom bekämpft werden.

Gibt es auch psychische Langzeitfolgen einer COVID-Erkrankung?

Neben körperlichen gibt es auch psychische, neurologische und psychiatrische Folgen. Und zwar offenbar nicht nur wegen der seelischen Belastung durch die Pandemie, sondern tatsächlich auch als direkte Folge der Krankheit. Der Zusammenhang wird aber noch weiter zu untersuchen sein.

Ehemalige PatientInnen zeigten zumindest innerhalb der ersten sechs Monate (so lange untersuchte die Universität Oxford in einer Studie über 236.000 Betroffene) ein klar erhöhtes Risiko zum Beispiel für Angststörungen und psychotischen Störungen, Suchtverhalten, Schlaflosigkeit und Schlaganfälle und auch erneute Hirnblutungen und Demenz. Je schwerer der Verlauf der Krankheit gewesen ist, desto höher scheint auch das Risiko solche Folgen.

PsychologInnen und Menschen aus diesen Fachbereichen fordern jedoch deshalb einen Ausbau der Infrastruktur für die Versorgung dieser Probleme. Schon vor der Pandemie war aber gerade die psychologische Gesundheitsversorgung in Österreich alles andere als ideal. Im Gespräch mit MOMENT schloss sich dem etwa Alfred Pritz an, der Rektor der Sigmund Freud-Klinik in Wien.
 

Dieser Artikel wird im Laufe der Zeit aktualisiert. Da sich der Forschungsstand und das Krankheitsbild bei Long Covid aber so häufig ändert, können wir diesen Artikel mit unserem kleinen Team nicht vollständig aktuell halten und haben uns eher allgemein ausgedrückt. Wenn du genauere Informationen brauchst, empfehlen wir dir diese Seiten von Quarks und vom deutschen Ärzteblatt. Bei Fragen in den Kommentaren bemühen wir uns aber immer, sie auch zu beantworten.

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