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Davos, Milliardäre und die wachsende Macht des Vermögens

Davos, Milliardäre und die wachsende Macht des Vermögens
Foto: Ollie Craig, pixels
Donald Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos verdeutlicht, dass Vermögen und politische Macht immer näher zusammenrücken. Auch in Österreich steigt die Vermögenskonzentration, trotzdem wird selbst in Zeiten der Budgetkonsolidierung weiterhin auf Steuereinnahmen aus Vermögen verzichtet. Ein Kommentar von Barbara Schuster, stellvertretende Chefökonomin des Momentum Instituts.

Wie das Amen im Gebet treffen sich die Mächtigen und Reichen jährlich in Davos zum Weltwirtschaftsforum, um über aktuelle globale Fragen, die Zukunft der Welt und der Wirtschaft zu diskutieren. Parallel dazu nutzen NGOs das mediale Rampenlicht dieses Treffens, um auf eine besorgniserregende Entwicklung hinzuweisen, die auch genau dort besonders sichtbar wird: die wachsende Ungleichheit bei Vermögen und Einkommen. Auch Oxfam hat traditionellerweise zum Start des Forums einen neuen Inequality Report veröffentlicht. 

Wachsende Vermögen = wachsende politische Macht 

Der Report verdeutlicht die Schieflage der weltweiten sozialen Ungleichheit erneut: Milliardär:innen besitzen so viel wie nie zuvor. Allein im Jahr 2025 ist ihr Vermögen dreimal so schnell gestiegen wie in den Jahren davor. 2,5 Billionen US-Dollar kamen hinzu. 2.500.000.000.000 Dollar, dieser Betrag, ist größer als das gesamte Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Weltweit gibt es etwas mehr als 3.000 Milliardär:innen – so viele wie die Welt zuvor noch nie gesehen hat. Und ihr Vermögen wächst in Lichtgeschwindigkeit. Insgesamt kontrollieren Milliardär:innen mittlerweile rund 18,3 Billionen Dollar – das ist so viel wie die gesamte Wirtschaftsleistung (BIP) der Europäischen Union 2023 zusammen. Diese extreme Vermögenskonzentration ist kein abstraktes Verteilungsproblem, diese zunehmend ungleiche Verteilung spüren die Menschen auch im Alltag immer mehr. Denn Vermögen bedeutet politische Macht – und diese wird immer offener ausgeübt, auch um bestehende Privilegien abzusichern. 

Man muss nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben, um zu erkennen, dass die Sache mit den Vermögen unglaublich schief hängt. Ja sogar die Überreichen selbst, haben bereits erkannt, dass eine exorbitante Ungleichheit, wie wir sie aktuell alle erleben, brandgefährlich ist. 400 Millionär:innen und Milliardär:innen aus 24 Ländern haben erst diese Woche Staats- und Regierungschefs weltweit aufgefordert, die Steuern für Extremreiche zu erhöhen, da die Sorge wächst, die Reichsten kaufen sich politischen Einfluss. Dass die Sorge längst Realität zu sein scheint, offenbart ein Blick über den großen Teich. 

Wenn Reichtum regiert: Trumps Kabinett als Extrembeispiel 

Das heurige Weltwirtschaftstreffen ist zusätzlich überschattet vom Besuch des US-Präsidenten Donald Trump. Sein Auftritt dominierte die Schlagzeilen. Der Besuch Donald Trumps macht den Zusammenhang zwischen Vermögen und politischem Einfluss besonders sichtbar. Sein Kabinett ist das vermögendste in der Geschichte der USA. Das geschätzte Gesamtvermögen der Regierungsmitglieder liegt bei mehreren Milliarden Dollar. Die „ärmste“ Person im Kabinett verfügt über ein Vermögen im Millionen-Bereich. 

Vermögenskonzentration nimmt auch in Österreich zu 

Doch auch in Österreich konzentriert sich das Vermögen immer mehr. Die reichsten 5 Prozent der Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des Vermögens. Die zehn vermögendsten Menschen Österreichs sind heute siebenmal so reich wie vor 20 Jahren. Im selben Zeitraum hat sich das Vermögen des untersten Fünftels gerade einmal verdreifacht. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft also immer weiter auseinander. 

Gleichzeitig hat Österreich vermögensbezogene Steuern systematisch zurückgestutzt. Nur noch mickrige 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens kommen aus Steuern auf Vermögen – ein internationaler Tiefstwert. Von 100 Steuereuros kommen hierzulande rund 80 aus Arbeit und Konsum. Wer Vermögen besitzt, liefert kaum einen nennenswerten Steuerbeitrag ab. 

Zum Boomerang wird die aus der Balance geratene Steuerstruktur in Zeiten der Budgetkonsolidierung. Ein Blick auf die aktuelle Budgetsanierung zeigt ein klares Muster: Gespart wird vor allem bei den privaten Haushalten. Mehr als die Hälfte des Sparpakets geht direkt oder überwiegend zulasten von Familien, Beschäftigten und Pensionierten. Mehr als zwei Drittel der Spar-Maßnahmen betreffen die Ausgabenseite: weniger Leistungen, weniger öffentliche Investitionen, höhere Gebühren. Das belastet nicht nur die Haushalte, sondern dämpft auch die Nachfrage, weil den Leuten das Geld fehlt und schwächt damit wiederum das Wachstum – so verschärft die einseitige Sparwut der Regierung das Budgetproblem in der aktuellen Phase einer schwächelnden Wirtschaft womöglich noch weiter. 

Faire Budgetpolitik durch die Einnahmenseite 

Die Einnahmenseite hingegen bleibt bisher politisches Tabu. Dabei ist Österreich bei vermögensbezogenen Abgaben internationales Schlusslicht: Im EU-Schnitt wird Vermögen rund 3-mal so hoch besteuert wie in Österreich. Internationale Organisationen, wie die OECD und der Internationale Währungsfonds, kritisieren seit Jahren, dass Vermögen und daraus resultierende Einkünfte in Österreich im internationalen Vergleich zu wenig zum gesamten Steueraufkommen beitragen. Sie empfehlen Österreich deshalb Vermögen stärker zu besteuern und sprechen sich für die Einführung einer Erbschaftssteuer aus. Auch eine Modernisierung der Grundsteuer, deren Bemessungsgrundlage noch auf Einheitswerten aus den 1970er Jahren beruht, ist längst überfällig. 

Budgetpolitik ist kein Naturgesetz, sondern immer eine Frage der Prioritätensetzung. Wer zusätzliche Sparanstrengungen fordert, gleichzeitig aber Einnahmen aus der Debatte verbannt und nicht bereit ist die Samthandschuhe bei der Besteuerung der Extremreichen abzulegen, wählt den Pfad der Budgetsanierung am Rücken jener, die ohnehin genug zu kämpfen haben.

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