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Ungleichheit
Arbeitswelt

Claudia Bauer will erst mehr Kinder sehen, bevor sie über Verbesserungen für Familien nachdenkt

Claudia Bauer will erst mehr Kinder sehen, bevor sie über Verbesserungen für Familien nachdenkt
Claudia Bauer - offiziell Familienministerin - sagt jungen Menschen, sie sollen zuerst einmal Familien gründen, bevor man sich über Verbesserungen für sie Gedanken macht. Ein familienpolitischer Irrweg. Natascha Strobl kommentiert.

Claudia Bauer ist offiziell Familienministerin. Das ist in etwa so wie Herbert Haupt als Frauenminister oder Rapid und die oberen Tabellenränge - wirklich viel Ahnung oder Erfahrung hat man da nicht unbedingt. (Dringende Anmerkung des Community-Managements: Natascha Strobl identifiziert sich als Rapid-Fan.) In der ZIB 2 vom 12.2.2026 ging es wieder mal um Familienleistungen. Bauer sieht kein Problem: Die Leute sollten sowieso lieber erstmal Kinder bekommen, bevor man über Verbesserungen nachdenkt. 

"Was es ganz grundsätzlich braucht, ist dass sich wieder mehr junge Menschen überhaupt zutrauen eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen. [...] Und dann können wir über partnerschaftliche Aufteilung sprechen, über Anreize, über weitere flexible Modelle, die es hier braucht."

Familien eignen sich für Bauer als launige Sager in den Nachrichten. Für Verbesserungen kämpft sie nicht. Im Gegenteil sind Familien eine der Hauptleidtragenden des Sparpakets von ÖVP, Neos und SPÖ. So werden Familienleistungen nicht mehr inflationsangepasst. (FPÖ und ÖVP hatten sich in den gescheiterten Koalitionsverhandlungen darauf auch bereits  geeinigt.) Die reale Kaufkraft sinkt. Das enorme Budgetloch, das das Sparen erst notwendig machte, wurde von ÖVP und Grünen verursacht. Immer mit dabei: Ministerin Bauer. 

Ihr Sprüchlein zeugt nur davon, wie wenig Ahnung sie vom Alltag von Familien hat. Diesen ist nämlich schon lange nicht mehr zum Herumblödeln zu Mute. 70% kämpfen mit Überforderung und kommen an ihre Belastungsgrenzen. Wenn man sich wirklich um Kinder kümmert, dann bedeutet das vor allem Stress und eine enorme Managmentaufgabe - Tag für Tag, Woche für Woche.

Vor allem Mütter haben hier den Job von echten Führungskräften. Stressresistent, multitaskingfähig, Projektmanagement und dazwischen Liebe, Fürsorge und Kreativität. Alles neben der Lohnarbeit. Das führt dazu, dass Eltern ausbrennen und der Alltag voller Konflikte, Beziehungsprobleme und gesundheitlichen Einbußen besteht.

Will man Familien wirklich helfen, dann entzerrt man ihren Alltag und macht ihn angenehmer. Das geht etwa mit ausreichender Kinderbetreuung, auch wenn es kein Allheilmittel ist. Gute Kindergärten sind die Basis, aber es ist natürlich eine vermessene Ansicht zu glauben, Eltern würden ihre einjährigen Kindern 60 Stunden in Fremdbetreuung geben, wenn es irgendwie anders geht.

Dementsprechend wäre eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung fast noch effektiver, um Eltern zu entlasten und ihnen qualitätsvolle Zeit mit ihren Kindern zu ermöglichen. Denn darauf kommt es im Endeffekt an. Auch das alte, starre Schulsystem arbeitet gegen Kinder. Eltern und Lehrer:innen haben alle Hände voll damit zu tun ihre Kinder durchzubringen. Die Kinder, deren Eltern die Ressourcen, Zeit oder Energie nicht haben, fallen beinhart durch das Raster.

Auch finanziell hat sich alles in den letzten Jahren zugespitzt: Lebensmittelpreise, Energiepreise, aber auch Kosten für Ausflüge und Gastronomie sind in den Himmel geschossen, während der Lohn gern nicht an die Inflation angepasst wird - wie beim öffentlichen Dienst. Da reden wir noch gar noch von Thematiken wie Mobbing, Social Media und KI, die für Kinder und Jugendliche interessant und belastend sind. 

Man könnte an so vielen Ecken ansetzen, um Familien real zu helfen. Dazu braucht es eine Ministerin, die gegen finanzielle Einbußen kämpft und die Bahnen für einen gut strukturierten Alltag für Familien legt. Davon versteht Bauer aber gar nichts. Denn sonst würde sie begreifen, dass nur eine gute Basis dazu führt, dass Menschen mehr Kinder bekommen wollen. Es geht hier ja nicht nur um Leute, die sich ganz gegen Kinder entscheiden, sondern vor allem auch um Familien, die gerne ein zweites oder drittes Kind gehabt hätten, aber gesehen haben, wie schwer es schon mit einem Kind ist.

Vielleicht sollte Ministerin Bauer Menschen zuhören, die wirklich die Situation leben, die sie repräsentieren soll. Familien haben sich mehr verdient als Herbert Haupt oder ein dahin siechendes Rapid. Dann klappt es auch mit den Kindern.

Meinung

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    Kommentare 3 Kommentare
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  • Wolfgang
    18.02.2026
    Angeblich kommt Frau Minister Bauer aus dem bäuerlichen Bereich, dem man gemeinhin Hausverstand nachsagt. Warum fällt es Funktionär*Innen der ÖVP so schwer, vernünftig Familie in der heutigen Zeit zu denken, da auch am Land die Frau nicht mehr zu Hause bleiben kann. Die Omas zur Betreuung/Entlastung der 1980er Jahre gibt es nicht mehr heutzutage, arbeiten selber, sind wenig oder nicht verfügbar. Die Scheidungsrate mit bis zu 50 % gibt es nicht erst seit gestern, somit ist das klassische, heile Familien Bild längst ein Minderheitenprogramm. Eine Familie mit 3 Kindern und mehr und der Frau zu Hause, ist ein Zeichen für großen Wohlstand, den man sich leisten können muss oder will. Vor über 20 Jahren angesichts des 3. Kindes wurde man "scherzhaft" gefragt: seid ihr kinderreich oder asozial. Es ist eine Haltungsfrage, geht man auf Nummer sicher, oder tut man sich das an mit mehreren Kindern fragen sich die Jungfamilien schon lange und entscheiden sich dann für das eine Helikopterkind. Die konservativen Kräfte in der Politik haben viel zu lange die Augen vor der Realität verschlossen und die notwendigen Reformen mit Ganztages-Schulen und ganztägiger Betreuung rigoros verhindert. Jetzt stehen wir gesellschaftlich vor der Situation, dass durch diesen Betreuungsmangel, die extrem teure Wohnsituation und die geopolitische Unsicherheit, die Jungen Nachwuchs teils generell in Frage stellen. Soviel zur Frau Bauer, die als Vorbild oder Vordenkerin derzeit ungeeignet ist. Bisher war keine Ansage zu hören, nächtens 3 bis 4 Kinder in die Welt setzen zu wollen und wie das dann organisiert wird.
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  • Ara
    18.02.2026
    Leider hat die VP nur Ahnung von Pull-Effekten, wenn es um den fluchtbedingten Zuzug geht (wo der Effekt marginal ist). Bei der Bodenversiegelung, Straßenverkehr und Familienförderung ist der Partei das Anreizkonzept leider plötzlich entfallen. Schade, dabei wäre es dort sinnvoll.
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  • Martina
    18.02.2026
    So eine Aussage unserer Familienministerin schreckt als junge Frau / junges Paar noch mehr davon ab, Kinder in so eine Welt setzen zu wollen. Die liebe Frau Bauer soll sich lieber dafür einsetzen, Voraussetzungen zu schaffen, in denen Zeit für die Familie und genügend finanzielle Mittel unter einen Hut gebracht werden können.
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