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Demokratie

"Citizen Vigilante" - der faschistische Fiebertraum, den Elon Musk verbreitet

Nicht anzusehen (Symbolbild: Oleg Poldi/Pexels)
Regiesseur Uwe Boll ist nicht für cineastische Meisterwerke bekannt. Mit seinem neuesten Film "Citizen Vigilante" genießt er nun das Wohlwollen von Elon Musk. Das dürfte sich finanziell wie politisch auszahlen. Natascha Strobl ordnet ein.

Vorweg: Citizen Vigilante ist ein von Grund auf schlechter Film. Angesichts des dahinter stehenden Regisseurs ist das nicht verwunderlich. Uwe Boll hat sich bei Beobachter:innen schon lange den Ruf als "schlechtester Regisseur der Welt" erarbeitet. Besonders unter Gamer:innen ist eine bekannte aber unpopuläre Figur, weil er aus den Welten von Computerspielen richtig miese Filme machte. 300.000 Menschen unterschrieben einst eine Petition, die ihn anflehte, keine Filme mehr zu machen.

"Ich habe mich für Videogames immer einen feuchten Scheißdreck interessiert und auch nie Videogames gespielt, sondern ich habe damit Geld verdient und war in der Lage, damit Filme zu finanzieren"

Uwe Boll, 2014

In den vergangenen Jahren tauchte der Deutsche schließlich in rechtspopulistischen Parteien und Blogs auf.

In einer nicht linearen Erzählstruktur erzählt er nun in Citizen Vigilante die Geschichte von Sanders, der im Geheimen Selbstjustiz an Menschen übt, die "der Justiz entgangen" sind. Dabei handelt es sich zum Beispiel um zahlungsunfähige Mieter. In Bolls Welt sind Vermieter mit die größten Opfer unserer Zeit. Jugendliche, die ohne Ticket fahren, werden hingegen nur streng ermahnt, schließlich besteht hier ja noch Hoffnung auf ein vorbildliches Leben. Anders sieht es da mit Schlägern und Vergewaltigern aus, die von Sanders schwer verletzt und ermordet werden. Das betrifft dann auch den verantwortlichen Richter, der zu milde Urteile gesprochen hat. Auch Polizisten zählen zu Sanders Opfern seiner vermeintlich gerechten Rache. Spannung soll dadurch hergestellt werden, dass ihm Interpol auf den Fersen ist. Es ist genauso wirr, wie es sich anhört.

Dass der Hauptdarsteller des Films aus seriösen Filmprojekten ausgeschlossen ist, weil frühere Partnerinnen ihm vor einigen Jahren Missbrauch und Kannibalismus-Fantasien vorwarfen (Anm.: Er bestritt diese Vorwürfe und die Ermittlungen wurden aus mangel an Beweisen eingestellt), ist da nur noch eine Randnotiz.

Elon Musk pusht Citizen Vigilante

Dieser Film wäre nicht weiter beachtenswert, würde er nicht zum faschistischen Freiheitssymbol gemacht werden. In den letzten Tagen hat vor allem Elon Musk alles daran gesetzt, den Film breit bekannt zu machen. Nachdem Citizen Vigilante in Deutschland von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) gar keine Altersfreigabe bekam, und damit nur begrenzt öffentlich gezeigt werden konnte, hat Musk ihn kostenlos über X angeboten. 

Seine Gefolgschaft stürzt sich seitdem in einen Rausch und macht aus dem Film das ultimative Symbol gegen Demokratie und Justiz. Die Parallelen zu den aktuellen Diskursen des Online-Faschismus sind unübersehbar. Es wird eine Welt gemalt, in der migrantische Vergewaltiger-Gangs unter dem Schutz von Politik und Justiz ihr Unwesen treiben. Die einzige Möglichkeit dagegen aufbegehren sei es, die Entscheidung über Leben und Tod in die eigene Hand zu nehmen. 

Sanders ruft den im Krankenhaus liegenden Henry an und sagt ihm, er solle der Regierung mitteilen, dass die Öffentlichkeit eine Übernahme durch die „Woke Linke“ und islamistische Extremisten nicht akzeptieren werde, die die Demokratie zerstören würden. Er warnt, dass die Regierung dies stoppen müsse, sonst werde es das Volk selbst tun.

Auszug der Handlungsbeschreibung von Citizen Vigilante aus der Wikipedia

Es ist völlig klar, dass Musk und Co das nicht als Fiktion sehen, sondern sich genau dieses Handeln in der Realität wünschen. So hat der erste Billionär der Geschichte Memes geliked, die Sanders mit gezückter Pistole zeigen, versehen mit dem Schriftzug “First the traitors, then the invaders” (“Erst die Verräter, dann die Eindringlinge”).

Faschistische Verschwörungserzählung

Der Gestus dahinter ist ein faschistischer und schließt an die Verschwörungserzählung des “großen Austauschs” an. Eine Gruppe westlicher Verschwörer würde in einem bösen Plan Migrant:innen nach Europa bringen, die hier alles zerstören und die einheimische Bevölkerung terrorisieren. 

Jetzt kommt auch noch die Erhöhung dazu, dass hier gegen ein Verbot gekämpft würde. Es wurde nämlich behauptet, der Film sei in Deutschland verboten. Das stimmt nicht. Er hat nur keine Jugendfreigabe erhalten. Erwachsene dürften ihn natürlich sehen, wenn sie Zeit zu verschwenden hätten.

Musk suhlt sich in der faschistischen Radikalisierung, die er selbst betreibt. X verkommt zu einer einzigen Maschinerie der Ausbreitung des Faschismus. Es geht nur noch um den Rausch und den wütenden Überschwang. Alles muss zerstört werden, alle Verräter müssen sterben, alle Migranten müssen getötet werden. 

Citizen Vigilante: Lächerliches Symbol, reale Gefahr

Es wäre in seiner Gesamtheit so lächerlich, dass dieser peinliche Film wie ein Heiligtum der angeblich Unterdrückten voran getragen wird. Wir reden hier aber vom reichsten Mann der Welt, der maßgeblich die Geschicke der US-Regierung beeinflusst. Wir erleben einen faschistischen Massen-Fiebertraum, an dessen Ende nur Gewalt stehen kann. X wird zu einer erheblichen Gefahr für das friedliche Zusammenleben in Europa.

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