Wenn Reiche Spenden verteilen und was damit nicht stimmt

“Warum seid ihr Milliardäre? Gebt euer Geld ab.”
Das sagte Billie Eilish im vergangenen Herbst bei der Award Show des Wall Street Journals und forderte Überreiche auf, mehr zu spenden.
Gesagt, getan: Taylor Swift spendete am Tag vor ihrer 20-Millionen-Dollar-Hochzeit im Madison Square Garden mit großem Polizeiaufgebot und abgesperrten Straßen 26 Millionen US-Dollar an wohltätige Zwecke, wie Kinderkrankenhäuser oder Dolly Partons persönlichem Leseförderungsprogramm für Kleinkinder.
Man könnte meinen, sie gibt der Gesellschaft und sie nimmt der Gesellschaft, fast so als ob diese Großspenden es wieder gut machen, wie unfair das Vermögen in unserer Gesellschaft verteilt ist.
Macht ist unfair verteilt
Auf den ersten Blick wirken solche Spenden extrem großzügig. Aber im Vergleich zu dem Vermögen von Prominenten, wie Swift (geschätzt 1,6 Mrd. Dollar), ist das erst einmal gar nicht so viel Geld. Einmalige Großspenden haben kaum langfristigen Einfluss auf ihr Vermögen oder ihre gesellschaftliche Position. Oft sind die Spenden sogar noch von der Steuer absetzbar. Da kann man also nicht wirklich von besonderer Großzügigkeit sprechen.
Was jedenfalls auf der Strecke bleibt, ist die Verteilung von Macht. Denn wenn einzelne Personen darüber entscheiden können, welche Projekte, Einrichtungen oder Universitäten Finanzierung erhalten, kann das natürlich gut gemeint sein und auch manch Gutes bewirken. Aber dadurch haben wir anderen Menschen weniger darüber mitzureden, welche Probleme gelöst werden und Geld erhalten sollten. Diese Leute haben damit einen undemokratischen, erheblichen gesellschaftlichen Einfluss, aber tragen gleichzeitig keine Verantwortung in unserem demokratischen System.
Außerdem sind Spenden freiwillig und damit nicht vorhersehbar oder verlässlich. Deshalb lassen sich damit auch keine langfristigen Investitionen planen. Anders ist es mit Steuern, die von demokratisch gewählten und kontrollierten Politiker:innen und Institutionen verteilt und eingesetzt werden. Und das nicht nur für die persönlichen Herzensprojekte namhafter Stars, sondern auch für unattraktivere Kostenpunkte unserer Gesellschaft, wie zum Beispiel der Müllabfuhr.
Wo Großspenden helfen
Natürlich können Billie Eilish und Taylor Swift nichts dafür, dass sie nicht angemessen besteuert werden. Und durch Spenden einen Beitrag zu leisten, ist besser, als auf so einem riesigen Vermögen sitzen zu bleiben. Freiwillige Großspenden können also Gesellschaften zusätzlich unterstützen, Finanzierungslücken schließen und in Notfällen helfen. Dennoch rechtfertigen sie nicht diese immense Schieflage in unserer Machtverteilung. Ganz im Gegenteil: Großspenden zeigen einmal mehr, wie ungleich die Verteilung von Einfluss und Stärke in unserer Gesellschaft ist.







