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Demokratie

Die Burschenschafter bestimmen noch immer die FPÖ

Die Burschenschafter bestimmen noch immer die FPÖ
(Bild: Unbekannt - Aus: Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Band 39, München/Stamsried 1994, S. 295, Public Domain, Link)
In Leoben sorgen Burschenschafter mit Angriffen auf einen Taxifahrer wieder einmal für grausliche Schlagzeilen. Diese Bünde haben immer noch Gewicht und Einfluss in der FPÖ. Natascha Strobl analysiert.

Es klingt wie eine Meldung aus längst vergangenen Zeiten. Nach einem Burschenschafter-Fest kommt es in Leoben zu einem körperlichen Übergriff auf einen Taxifahrer. Dieser hatte die nationalsozialistische Rufe der Männer in seinem Auto nicht akzeptiert. Dafür wurde er krankenhausreif geprügelt. Die konkreten Täter sind noch nicht gefasst.

Aber Burschenschaften sind keine gesellschaftlich isolierten Bünde ohne Macht und Einfluss. Sie sind der Nachwuchspool der FPÖ.

Die Geschichte der Burschenschaften und der FPÖ ist von Anfang an eng verknüpft. Die Burschenschaften in Österreich gründeten sich im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie haben relativ wenig mit der liberalen 1848er-Revolution gemein, sondern stehen fest in der nationalistisch-völkischen Tradition ihrer Gründungszeit.

Die österreichischen Burschenschaften übernahmen schon früh den "Arier-Paragraph". Der Juden als nicht satisfaktionsfähig oder gleichwertig sah und ihre Aufnahme grundsätzlich verbot. Auch das antidemokratische Führerprinzip wurde bald mehrheitsfähig. Generell strebte man klar den Anschluss an Deutschland nach völkischen und nationalistischen Prinzipien an.

An den Universitäten verbreitete man Angst und Terror, wie Stefan Zweig schon beschrieb:

Was für den Nationalsozialismus die SA-Männer leisteten, die Versammlungen mit Gummiknüppeln zersprengten, Gegner nachts überfielen und zu Boden hieben, besorgten für die Deutschnationalen die Corpsstudenten, die unter dem Schutz der akademischen Immunität einen Prügelterror ohnegleichen etablierten und bei jeder politischen Aktion auf Ruf und Pfiff militärisch organisiert aufmarschierten.

Zu so genannten ‚Burschenschaften‘ gruppiert, zerschmissenen Gesichts, versoffen und brutal, beherrschten sie die Aula, weil sie nicht wie die andern bloß Bänder und Mützen trugen, sondern mit harten, schweren Stöcken bewehrt waren; unablässig provozierend, hieben sie bald auf die slawischen, bald auf die jüdischen, bald auf die katholischen, die italienischen Studenten ein und trieben die Wehrlosen aus der Universität.

Bei jedem ‚Bummel‘ (so hieß jener Samstag der Studentenparade) floss Blut. Die Polizei, die dank dem alten Privileg der Universität die Aula nicht betreten durfte, musste von außen tatenlos zusehen, wie diese feigen Radaubrüder wüteten und durfte sich ausschließlich darauf beschränken, die Verletzten, die blutend von den nationalen Rowdys die Treppe hinab auf die Straße geschleudert wurden, fortzutragen. Wo immer die winzige, aber maulaufreißerische Partei der Deutschnationalen in Österreich was erzwingen wollte, schickte sie diese studentische Sturmtruppe vor.“ (Zweig, Stefan (1944): Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers. Stockholm 1946, 85)

Radikale radikalisieren sich

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Etablierung der Demokratie radikalisierte sich die Szene weiter. Die Schlacht von Langemarck wurde zum nationalistisch überhöhten Symbol der "opferbereiten deutschen Jugend". Der Siegfriedskopf an der Universität Wien ist ein Zeuge dieses völkischen Rauschs und ist nach wie vor Treffpunkt der Burschenschaften.

Das alles klingt wie obskure und ferne Geschichte, gäbe es keine Kontinuität bis heute. Schon in der Zwischenkriegszeit und während des Nationalsozialismus waren die Burschenschaften wichtige Personalreserve für das völkische, dritte Lager. Nach 1945 behielten sie diese Rolle und wurden zum entscheidenden Faktor für die FPÖ.

Die FPÖ und die Burschenschafter

Immer wieder versuchten manche Parteichefs, sich aus dem Einfluss zu befreien - doch immer wieder scheiterten sie. Die FPÖ hat(te) meist mehr Burschenschafter als Frauen unter ihren Abgeordneten. Das führt im Übrigen auch dazu, dass die FPÖ (mit) die höchste Akademikerquote aller Nationalratsparteien hat.

In den Bundesländern ist ihr Einfluss meist noch höher und direkter. Eine nicht abgeschlossene Liste von Mitgliedern kann man hier einsehen. Immer wieder kommt es in diesen Burschenschaften zu Übergriffen und Skandalen wie in Leoben. Dazu zählen das Singen belasterer Lieder, Einladungen von rechtsextremen Festredern (die persönlich Kontakte zur FPÖ hegen) oder der selbsterklärenden Forderung, dass nur Männer "deutscher Abstammung" in den Dachverband von Burschenschaften aufgenommen werden dürfen.

Der "Standard" berichtet auch nach dem Angriff in Leoben über einen Zwischenfall beim noch Tage weiterlaufenden Burschenschafter-Fest, bei dem der steirische FPÖ-Klubobmann  mutmaßlich mit Burschenschaftern der "Leder" fotografiert worden sei. (Der FPÖ-Politiker erklärt den berichteten Vorfall selbst gegenüber dem "Standard" als Folge eines aktuellen Ausschlussverfahrens in der FPÖ. Auch dort stehen FPÖ-Kandidaten aus Burschenschaften und antisemitische Postings im Zentrum.) 

Ungeachtet dessen, was das alles konkret über dessen direkte Verbindung zur besagten Burschenschaft Leder aussagt, die mittlerweile von universitären Veranstaltungen in Leoben ausgeschlossen wurde, ergibt sich so ein Milleu-Bild 

Es zeigt wie nah völkische Gedanken und völkische Gewalt zu den höchsten Kreisen der Partei ist, die in allen Umfragen deutlich führt. Das ist nicht neu. Es zeigt allerdings wie normalisiert und akzeptiert der ganz normale Rechtsextremismus in diesem Land ist.

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