WM 2026: Eine Propagandashow wie damals

Spanien ist Weltmeister. Das ist sportlich mehr als verdient. Es gab ein legendäres Spiel um Platz 3. Auch sonst gab es viele beachtliche Leistungen und, wie immer, Tränen bei Fußball-Großnationen wie Brasilien und Deutschland. Das gehört alles zu so einem Turnier dazu. Nicht dazugehören sollte die dominierende Rolle von Politiker:innen und offener Korruption.
Unsportliche, offene Korruption
Wir brauchen uns nicht naiv stellen: die letzten Weltmeisterschaften fanden unter anderem in Katar und Russland statt. Es ist klar, dass die FIFA eine mafiöse innere Struktur hat, die solche Ereignisse nicht nur nach objektiven Kriterien vergibt.
In Katar gab es einen strikten Maulkorb und Reisetipps für Frauen und queere Personen. Die diesjährige WM in den USA hat es geschafft, noch einen draufzulegen. Kanada und Mexiko waren vorbildliche Gastgeber mit schönen Spielstätten und guter Organisation. Das geht nur völlig unter, neben den USA als Hauptgastgeber.
Von Anfang an wurde hier nicht nur der Rahmen festgelegt, sondern mit täglichen Interventionen in das Turnier eingegriffen. Das fing schon bei der Anreise an, als dem vom afrikanischen Fußballverband (CAF) nominierten somalischen Schiedsrichter Omar Artan schlicht die Einreise verweigert wurde. Auch das iranische Team durfte nur zu den Spielen in die USA. Das bedeutete nach jedem Spiel lange Reisen zurück nach Mexiko.
Trump scheute sich auch nicht davor, direkt ins Spiel einzugreifen. So wurde die rote Karte von Florian Bolagun nach seiner Intervention zurückgenommen. Belgien lies diese klare politische Einmischung in Retrospektive glimpflich erscheinen, weil sie so oder so stärker als das US-Team waren. Auch das Team eines befreundeten Staatschefs bekam eine politische Rückendeckung aus dem Weißen Haus. So wurde, gegen FIFA-Regeln, verkündet, dass Argentinien den imperialistischen Anspruch auf die Falklandinseln gut und gerne kund tun darf. Andere und vergleichbare politische Äußerungen wurden hingegen harsch bestraft.
Das alles trifft auf ein Vorgeplänkel, wo Gianni Infantino Trump in einer bizarren Zeremonie den neu geschaffenen FIFA-Friedenspreis vergeben hat. Auch bei der Abschlusszeremonie drängte sich Trump in den Mittelpunkt und wollte unbedingt am Siegerfoto der Spanier oben sein.
Neue Qualität von Anbiederung
Dass man ihm und seinem Umfeld all diese Überschreitungen durchgehen lässt ist eine neue Qualität von Anbiederung, Lakaientum und offener Korruption, der sich die FIFA hingibt. Es wird nicht einmal mehr versucht, den Schein zu wahren und Dinge diskret im Geheimen auszuhandeln. Es findet alles auf offener Bühne statt und die Beteiligten brüsten sich auch noch damit.
Es ist das trump’sche Selbstverständnis in Reinkultur: Regeln existieren nur für die anderen. Am Ende sonnt man sich im Glanz der Sieger oder erklärt sich schlicht selbst zum Sieger.
“Der Zauber liegt im Spiel, nicht im hinterrücksen Tricksen”
Es ist das exakte Gegenteil von dem, was Fußball zum beliebtesten Sport der Welt macht: Klare, verständliche und einfache Regeln und eine Liebe zum Spiel, für das es fast keine Infrastruktur braucht. Der Sport der Arbeiterklasse, der Straßenkinder und der Strandkicker, die mit behelfsmäßigen Toren, wild zusammengewürfelten Trikots und notfalls nicht mal einem Ball überall und zu jeder Zeit spielen können. Der Zauber liegt im Spiel, nicht im hinterrückischen Tricksen.
Mit dieser WM wurde das vorderrückse Tricksen zur akzeptablen Strategie. Das Ziel ist nicht mehr, schöne Spiele zu sehen, sondern einem autoritären Herrscher die Möglichkeit zu geben, sich im Glanze des Sports zu sonnen. Das erinnert an vergangene Zeiten.
Vergangene Propaganda-Meisterschaften
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Sportereignis für politische Machtdemonstrationen verwendet wurde. Es ist auch nicht das erste Mal, dass es eine Fußball-WM war. 1978 erlaubte die FIFA der brutalen argentinischen Militärjunta, die WM abzuhalten. Überraschenderweise gewann auch Argentinien, was natürlich nicht absehbar war. Die Verbände nahmen das Leid der Oppositionellen, die Verletzten und Toten gleichgültig zur Kenntnis.
1934 fand die WM in Italien statt, die überraschenderweise auch gleich Weltmeister wurden. Im Halbfinale köpfte der Schiedsrichter eine gefährliche Ecke Österreichs einfach weg. Mussolini nutzte die WM auch, um sich groß zu präsentieren und Propaganda in eigener Sache zu machen.
Es ist also keineswegs ohne historischen Vergleich, dass die Weltmeisterschaften Propagandaarena für faschistische und autoritäre Herrscher werden. Es war ein Fehler zu glauben, dass dies im 21. Jahrhundert nicht mehr so offen möglich ist.








