Die Kraftwerke Mochovce
/ 14. Mai 2021

Die slowakische Atomaufsicht hat entschieden. Der umstrittenen Reaktor Mochovce 3 in der Westslowakei darf in Betrieb genommen werden. Die Behörde versicherte umfangreiche Prüfungen, Umwelt- und KlimaschützerInnen sprechen allerdings von schleißigen Sicherheitskontrollen und einem veralteten Baukonzept. Wir haben dem Atomsprecher von GLOBAL2000 Reinhard Uhrig 5 Fragen zum Atomreaktor Mochovce 3 gestellt.

Was ist das Problem mit Mochovce?

Reinhard Uhrig: Mochovce hat viele Probleme. Das erste Problem ist, dass es ein Reaktorkonzept aus den Siebziger-Jahren ist, das nicht ausgelegt ist auf die mittlerweile bekannten Probleme. Aufgrund der Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima hat man dazugelernt. Dass man einen Reaktor ohne Containment in Betrieb nimmt, wo im Falle eines Flugzeugabsturzes oder eines terroristischen Angriffs, kein Schutz da ist, ist schon mal das fundamentalste Problem.

Das nächste große Problem ist aber, dass der Bau dieses Reaktors 1985 begonnen hat, dann aus Geld Gründen eingestellt und eingemottet wurde, und dann von einer, wie ein Whistleblower sagt „Cowboy-Truppe von unfähigen Menschen“ weitergebaut wurde und de facto verpfuscht wurde.

 

Was bedeutet das für Österreich?

Reinhard Uhrig: Wir haben gesehen was in Tschernobyl passiert ist, vor genau 35 Jahren. Das ist über 1000 km entfernt. Wien ist 150 km entfernt von Mochovce. Wenn etwas passiert und wir Glück haben, haben wir Westwind. Aber damit können wir nicht rechnen. Das heißt wir müssen uns dafür einsetzen, dass die Anlage entweder sicher gemacht wird, was nicht möglich ist, oder, dass sie nie in Betrieb gehen darf.

Warum werden die zusätzlichen Reaktoren trotzdem eingeschaltet?

Reinhard Uhrig: Das geht auf einen Deal der slowakischen Regierung mit einer italienischen Firma aus dem Jahr 2008 zurück, wo es viel um Finanzbeteiligung und weniger um Strom ging. Mittlerweile wurden da knappe 6 mrd. Euro verbaut. Die sind  zu einem großen Teil, aufgrund von grassierender Korruption, in die Taschen von Managern, die mittlerweile im Häfen warten, versandet. Dabei ist dieses Werk wirklich vollkommen verpfuscht worden.

Atomkraft Befürworter sagen, man braucht AKWs gegen den Klimawandel. Wäre Atomstrom nicht eine effiziente grüne alternative?

Reinhard Uhrig: Das ist offenkundig falsch. Atomkraftwerke sind nicht nur die gefährlichste, sondern mittlerweile auch die teuerste Form der Stromerzeugung. In den letzten 10 Jahren sind Stromgestehungskosten der Solarkraft allein um 89 % billiger geworden, aus Windkraft über 70% (Anm.: Stromgestehungskosten sind Kosten, die bei der Umwandlung einer Energieform in elektrischen Strom entstehen). Atomkraft ist von einem hohen Ausgangspunkt noch teurer geworden. Wenn wir das Klima retten wollen, sollten wir das möglichst kosteneffizient machen. Mit Atomkraft das Klima zu verbessern wäre so wie den Welthunger mit Kaviar stillen. Das wäre völlig schwachsinnig.

Und das andere wichtige Argument ist: Wir haben noch 10 Jahre um die Klimakrise unter Kontrolle zu kriegen. Der Bau von solchen Atomreaktoren, selbst unter besten Bedingungen, dauert von Planung bis Inbetriebnahme über 20 Jahre. Das geht sich nicht aus. Ganz zu schweigen von Mochovce, das bald seit 40 Jahren gebaut wird.

Was wäre der bessere Weg?

Die beste Kilowattstunde ist die, die ich gar nicht verbrauche: also Einsparungen. Es gibt noch gigantische Potenziale in der Energieeffizienz. Das Zweite, was möglich und mittlerweile auch günstig ist, sind die naturverträglichen erneuerbaren wie Sonne und Wind.

Die österreichische Bundesregierung hat sich vor zwei Jahren dafür eingesetzt, dass es eine Prüfung für Mochovce gab, was auch gelungen ist. Die Bundesregierung hat in ihrem Regierungsprogramm stehen, dass sie mit allen Mitteln gegen die Inbetriebnahme vorgehen wird und eine weitere Unverträglichkeitsprüfung für den Reaktor fordern wird. Das wäre jetzt der Zeitpunkt das zu tun.

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