Barbara Blaha spricht über das Pensionssystem
/ 3. Dezember 2021

Das Pensionssystem in Österreich hat einen schlechten Ruf - zu Unrecht. In der Videokolumne "Moment Mal" macht Barbara Blaha den Faktencheck und klärt die größten Lügen über das Pensionssystem in Österreich auf. 

Okay, unser Pensionssystem ist kaputt, obszön teuer, sind wir doch mal ehrlich, das Ding fliegt uns doch gleich um die Ohren. Moment Mal! Nur mit der Ruhe. Der Bund schießt heute 4,9 Prozent der Wirtschaftsleistung zum Pensionssystem zu und diese Zahl wird bis 2070 im Schnitt bei 5,8 % liegen. Ein leichter Anstieg: viel, viel mehr Menschen werden dann ja auch in Pension sein. Anders gesagt: Hier explodiert nix, höchstens der Bullshit-Detektor.

Pensionssystem in Österreich: Eine Explosion sieht anders aus

Die Hysterie hat einen Hintergrund: Wer hier von “Explosion” redet, der nimmt nur die absoluten Zahlen her … und “vergisst” geflissentlich das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Dann kommt natürlich ein Horrorszenario raus, aber das ist ungefähr so seriös, wie das Durchschnittsgehalt eines Hilfshacklers am Bau von 1950 - der hat damals im Monat umgerechnet keine 50 Euro verdient. So und jetzt Vergleich ich das mit seinem Gehalt heute: knapp 2200 Euro und sag:  Heute verdient er-- mit dem von heute zu vergleichen: 2200 EUR und zu behaupten: Hilfshackler verdienen heute 44x soviel - Wahnsinn, was für eine Lohnexplosion! Um zu wissen, wie wir WIRKLICH dastehen, müssen wir aber schauen, wie sich der Zuschuss des Bundes zum Pensionssystem im Vergleich zur gesamten Wirtschaftskraft unseres Landes entwickelt. Okay, also - nix explodiert, außer vielleicht meinem Kopf, wenn ich weiter so unsinnige Schlagzeilen lesen muss.

Pensionssystem in Österreich: Noch nie so viele Beschäftigte

Was ist mit den anderen Horrormärchen? Wir werden doch immer älter? Und leben deshalb eeeewig in der Pension? Und deswegen wird alles schwierig - denn gegen die Demografie, die Altersverteilung, kann man halt nix machen.

Das stimmt schon, die Menschen werden heute so alt wie nie zuvor. Aber sie sind auch so produktiv wie nie zuvor.Noch nie waren so viel Menschen in Österreich beschäftigt. Wer das verschweigt, macht genau denselben Fehler wie alle, die beim Pensionsbudget die Inflation “vergessen. Je mehr Menschen heute einen gut bezahlten Job haben, desto leichter tun wir uns mit der Finanzierung der Pensionen. Wir können also ganz aktiv etwas tun für die Finanzierung unseres Pensionssystems: indem wir Arbeitsplätze schaffen. Indem wir dafür sorgen, dass Frauen nicht in die Teilzeitfalle laufen müssen. Etwa indem wir mehr Jobs in Krankenhäusern, in Kindergärten und Pflegeheimen schaffen.

Pensionssystem in Österreich: Pensionskürzungen sind der falsche Weg

Und was ist mit dem Märchen, die höheren Pensionen gingen zu Lasten der Jungen? Die Alten fressen uns Jungen die Haare vom Kopf? Also andersrum gedacht: Müssen die Alten weniger Pension bekommen, damit die Jungen später auch noch eine kriegen? Ganz und gar nicht.&

Eher im Gegenteil. Wenn wir heute bei Pensionst:innen kürzen, die ihre überwiegend geringen Einkommen sofort wieder ausgeben, dann schwächt das die Nachfrage und damit genau jenes Wirtschaftswachstum, das wir für die Pensionen der Jüngeren in ferner Zukunft brauchen. Denn Pensionen der Zukunft können immer nur aus der Wirtschaftsleistung der Zukunft bestritten werden. Zukünftige Pensionen werden also nicht sicherer, wenn wir heute Pensionen kürzen. Wir können immer nur von jenen, die gerade unseren Wohlstand erwirtschaften, zu jenen umverteilen, die noch nicht arbeiten, also Kinder. Oder eben nicht mehr arbeiten, also Pensionst:innen. Alte und Junge in der Pensionsdebatte gegeneinander auszuspielen ist also vor allem ein mieser Trick, um Stimmung gegen ein solidarisches Umlagesystem zu machen. Und Werbung für private Pensionsvorsorge.

Pensionssystem in Österreich: Was es wirklich braucht

Was es stattdessen braucht: Schluss mit der Panikmache. Unser Pensionssystem ist solide finanziert, das Pensionsniveau höher als in anderen EU-Staaten wie zum Beispiel Deutschland. Und: die beste Absicherung für zukünftige Pensionen sind eine niedrige Arbeitslosigkeit und möglichst viele Menschen in guten Jobs.  Dafür brauchen wir eine Jobgarantie für Langzeitarbeitslose und flächendeckende Kinderbetreuung, die Eltern erlaubt überhaupt arbeiten zu gehen. Das sind die vielleicht besten Investitionen in die Nachhaltigkeit unseres Pensionssystems.

 

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