Sparschwein - Weltspartag Zinsen
/ 29. Oktober 2021

Am 31. Oktober ist Weltspartag. Viele von uns verbinden damit Kindheitserinnerungen: Von der Schule aus hat man gemeinsam einen Wandertag in die örtliche Bank gemacht. Dort hat man die paar gesparten Euros (oder Schilling) auf ein Sparbuch eingezahlt. Dann hat man je nach Bank ein Geschenk und einen Luftballon bekommen. 

Doch mittlerweile haben Sparbücher einen schlechten Ruf. Wer jetzt etwas auf sich hält, investiert am Aktienmarkt in ETF - aber wer kann sich das überhaupt noch leisten? Wir haben drei Dinge für dich, die du zum Weltspartag wissen solltest.
 

#1 Ob ETF oder Sparbuch: Ein Drittel der Österreicher:innen kann kein Geld sparen

Vor allem ab der oberen Mittelschicht kann man sich darum kümmern, ihr Vermögen zu vermehren. Doch jeder dritte Haushalt in Österreich hat nicht genug Einkommen, um überhaupt irgendetwas zu investieren. Sie müssen ihr ganzes Geld für die anfallenden Kosten ausgeben - gut gemeinte Spartipps können daran nichts ändern. 

Das Sparvermögen ist in Österreich extrem ungleich verteilt. Die Haushalte der unteren Hälfte haben maximal 12.725 Euro auf dem Konto. In den meisten Fällen ist es viel weniger. Das reichste Hundertstel hat hingegen - vorsichtig geschätzt - etwa 450.000 Euro zur Verfügung. Immobilien sind da noch keine eingerechnet. Das oberste Prozent hat so viel, wie die zwei unteren Drittel der Haushalte gemeinsam angespart haben.

Historisch betrachtet war es nie die Zinsen am Sparbuch oder am Konto, die zu Vermögenzuwächsen bei den Österreicher:innen geführt haben. Die 1970er waren wirtschaftlich betrachtet die erfolgreichste Dekade Österreichs. Damals gab es eine hohe Teuerung. Die hat dazu geführt, dass das Geld auf den Sparbüchern und Konten weniger wert wurde. Aber die Reallöhne sind in diesen Jahren stark angestiegen. Dadurch konnten mehr Menschen Geld ansparen und ihren Wohlstand aufbauen.
 

#2 Frauen haben weniger Geld zum Investieren

Am 25. Oktober war in Österreich Equal Pay Day. Seit diesem Tag arbeiten Frauen in Österreich statistisch betrachtet gratis. Denn sie verdienen im Schnitt um 36 Prozent weniger als Männer.

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf das Vermögen von Frauen. Das ergibt sich nicht nur aus dem Einkommen, auch Erbschaften und Schenkungen kommen noch hinzu. Und der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist auch bei Vermögen sehr deutlich: Das mittlere Nettovermögen von Frauen beträgt 30.600 Euro. Das sind um 12.300 Euro weniger als das von Männern, der Gender Wealth Gap beträgt etwa 29 Prozent.

Frauen investieren ihr Vermögen seltener in Anlageformen als Männer. Doch das liegt nicht etwa daran, dass sie so risikoscheu und zurückhaltend sind. Sie haben einfach weniger Geld zur Verfügung, das sie anlegen können.
 

#3 ETFs und Aktien sind als Anlage für die Massen unsicher

Sparbücher bringen schon längst nichts mehr - wer also für sein Geld noch etwas bekommen soll, muss in Aktien investieren! Seit Jahren wird diese Forderung von Vertreter:innen der Politik und der Wirtschaft wiederholt. Doch die Vergangenheit hat gezeigt: Die Masse hat am Aktienmarkt immer wieder Vermögen verloren.

Anfang des Jahrtausends galten etwa prämienbegünstigte Zukunftsvorsorgen, eine besondere Form der Lebensversicherungen, als der große Hit. Doch profitiert haben von ihnen hauptsächlich die Anbieter:innen. Wer damals investiert hat, ist damit heute oft noch im Minus.

Regelmäßig werden neue Finanzprodukte entwickelt, die mögliche Kleininvestor:innen locken sollen. Aktuell begleiten etwa ETFs große Versprechungen durch die Verkäufer:innen. Das sind Fonds, bei denen man indirekt Anteil an den wichtigsten Wertpapieren am Aktienmarkt hält. Durch eine breite Streuung soll man kaum mehr Risiko tragen und gleichzeitig sicheren Gewinn einfahren können. Doch die Mehrheit des Geldes landet bei amerikanischen Konzernen. Wird der Dollar abgewertet, sind also auch die Erträge dahin. Ähnliches ist bei den Schweizer Franken-Krediten passiert - auch sie wurden als bombensicher angepriesen. 

Für manche Menschen macht eine Investition in ETFs und ähnliche Produkte durchaus Sinn. Aber das gilt vor allem für jene, die bereits genug Geld haben, um mögliche Verluste auszugleichen. Wer aus Vorsicht sparen will - und das macht die überwiegende Mehrheit der Österreicher:innen - ist mit dem guten alten Sparbuch immer noch besser bedient.
 

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