Person mit Regenmantel: PFAS sind in vielen Alltagsgegenständen.

Person mit Regenmantel: PFAS sind in vielen Alltagsgegenständen - und gefährlich.

/ 27. Februar 2023

PFAS, kurz für perfluorierte Alkylsubstanzen, sind "forever chemicals". Sie stecken in vielen Alltagsgegenständen und sind verdächtig, die Gesundheit schwer zu schädigen. Neue Daten zeigen, wie stark Böden und Grundwasser in Europa damit belastet sind – auch in Österreich.

Was sind PFAS?

Sie sind die „forever chemicals“, die immerwährenden Chemikalien: PFAS, kurz für perfluorierte Alkylsubstanzen. Darunter fallen rund 10.000 künstlich hergestellte Stoffe. Sie sitzen in vielen Alltagsgegenständen: In beschichten Pfannen und Regenjacken, in Kettenfett und Skiwachs, in Imprägnierungen und Teppichreinigern und auch in dem Papier, in das Burger gewickelt werden. Auch Make-Up und Lippenstiften enthalten häufig PFAS. Die Substanzen haben nämlich praktische Eigenschaften: Sie sind wasserabweisend, fettresistent und verhindern Flecken.

Warum sind PFAS gefährlich?

Die Stoffe sind unsichtbar, bauen sich nur sehr langsam oder gar nicht ab und stehen im Verdacht, beim Menschen Krebs zu erregen, Leber und Nieren zu schädigen oder unfruchtbar zu machen. PFAS könnten bei Babys zu Entwicklungsstörungen führen, warnte der Wiener Public-Health-Experte Hans-Peter Hutter im Standard. Einmal freigesetzt, ist es enorm schwierig, sie wieder aus dem Boden und dem Grundwasser herauszubekommen.

Wie belastet ist unsere Umwelt mit PFAS?

Ein Recherchekollektiv von 18 europäischen Medien hat jetzt im "The Forever Pollution Project" zusammengetragen, wie sehr Böden und Grundwässer in Europa mit PFAS-Chemikalien belastet sind. Es sind viel mehr Orte, als bisher bekannt sind. Das Projekt listet insgesamt 17.000 Orte, die in nennenswerter Form mit PFAS verschmutzt sind.

2.000 von ihnen sind sogenannte Hotspots. Hier wird eine erhebliche Gefahr für die menschliche Gesundheit angenommen. Dazu kommen weitere 20.000 Orte in ganz Europa, die verdächtig sind, mit PFAS belastet zu sein. Was dabei oft fehlt, sind verlässliche Daten dazu.

Wie sehr ist Österreich mit PFAS belastet?

Das gelte „gerade für Österreich“, sagt PFAS-Experte Matthias Zessner von der TU Wien im Standard. Hierzulande verzeichnet die interaktive Karte des Rechercheprojekts 41 Orte auf, die nennenswert belastet sind. An 245 weiteren Orte werden PFAS-Chemikalien im Boden, im Grundwasser oder Fließgewässern vermutet.

Ein sogenannter Hotspot ist Leibnitz in der Steiermark und die Umgebung. Hier wurden bis zu 4949 Nanogramm (ng) PFAS-Chemikalien pro Liter Wasser oder pro Kilogramm Boden festgestellt. Als problematisch gilt eine Konzentration von mehr als 100 Nanogramm. Ursache sind Feuerlöschübungen mit PFAS-haltigem Löschschaum.

Karte von PFAS-belasteten Orten in der Südsteiermark rund um Leibnitz

Die Karte zeigt PFAS-belastete Orte in der Südsteiermark. Der am stärksten betroffene Ort ist in Leibnitz. // Screenshot: Forever Pollution Projekt

Auch der Flughafen Salzburg ist erheblich kontaminiert. Er ist seit Dezember 2022 als sanierungsbedürftige Altlast beim Umweltbundesamt eingetragen. Auch hier wurde bei Feuerlöschübungen jahrzehntelang PFAS-haltiger Löschschaum verwendet. Selbst wenn heute keine PFAS-Chemikalien mehr verwendet werden, würden auch mittelfristig noch Schadstoffe ins Grundwasser gelangen, schreibt das Umweltbundesamt.

Warum sind PFAS nicht verboten?

In Österreich verwenden laut den Daten des Recherchekollektivs vier Unternehmen an fünf Standorten in ihrer Produktion PFAS-Chemikalien: Es sind die Agru Kunststofftechnik in Waldneukirchen und Bad Hall, Freudenberg Sealing Technologies in Kufstein, Lenzing Plastics in Lenzing und Technophyon in Hochfilzen. Dass bestimmte PFAS hochproblematisch sind, ist schon länger bekannt.

Die fünf Länder Deutschland, Dänemark, Niederlande, Norwegen und Schweden haben Anfang Februar bei der europäischen Chemikalienagentur ECHA beantragt, die ganze Materialgruppe verbieten zu lassen. Doch die Industrie kämpft mit viel Aufwand dagegen an. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, mehr als 100 Organisationen würden in Brüssel dagegen lobbyieren.

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