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Kapitalismus

Ab in den Urlaub? Das Problem mit Marktführer Booking.com

Ab in den Urlaub? Das Problem mit Marktführer Booking.com
Wer in Österreich den Urlaub im Web bucht, macht das sehr wahrscheinlich über Booking.com. Die Buchungsplattform ist hierzulande marktführend, kaum ein Hotel oder eine Pension kommt an dem Unternehmen vorbei. Für KundInnen macht das die Suche einfach: Tausende Unterkünfte lassen sich filtern und vergleichen, die passende mit ein paar Klicks auswählen. Es gibt aber Leidtragende. Für die HotelbetreiberInnen und den Staat tun sich bei Booking einige Probleme auf. Die wichtigsten haben wir in 3 Punkten zusammengefasst:
 

#1 Booking beherrscht den Markt

Die Plattform Booking.com ist mit Abstand die Nummer 1 unter den Buchungsplattformen. In Österreich hat sie einen Marktanteil von rund 65 Prozent. „Das hat den Nachteil, dass die Buchungsbedingungen oft einseitig festgelegt werden“, sagt Martin Stanits von der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). „Im Endeffekt haben die Hotels keine andere Wahl als mitzumachen, weil Booking am Markt so dominant ist.“

Dieses Problem kennt eine Vermieterin aus Kärnten, die anonym bleiben will, selbst. Sie vermietet Apartments und inseriert schon seit Jahren auf der Plattform. „Mehr als die Hälfte der Gäste bucht über Booking. Die Provision, die ich dafür zahle, steht in keinem Verhältnis zu dem Aufwand. Ich stelle ja selber alles Online und bearbeite die Reservierungen“, sagt sie. Warum sie nicht auf andere Plattformen ausweicht? „Das geht nicht. Booking ist nicht mehr wegzudenken. Ich komme sonst nicht an meine Gäste.“

Bis vor drei Jahren konnte Booking die österreichischen Hotels sogar dazu zwingen, den besten Preis auf der Plattform anzubieten. Vor drei Jahren wurde das hierzulande verboten. Hotels können nun Menschen mit günstigeren Preisen auf ihren eigenen Seiten locken. In Deutschland darf Booking den Hotels immer noch den Bestpreis abverlangen.

#2 Die Provision ist hoch

Die Plattform streicht für jede Reservierung zumindest 12 Prozent Provision ein. Wer besser platziert werden möchte, zahlt nochmal drauf. Wie bei anderen Plattformen, die nur vermitteln, kann man über die angemessene Höhe der Provision streiten. Für Booking spricht, dass die vielen kleinen Hotels und Pensionen ohne eigene Werbung an Gäste kommen. Vor allem internationale Gäste können Unterkünfte in Österreich finden, ohne Deutsch zu sprechen. Die Plattform leistet aber nicht die tatsächliche Arbeit, für die die Gäste bezahlen: Zimmer, Frühstück, Service.

Problematisch wird die Höhe der Provision dadurch, dass viele kleine Betriebe völlig abhängig von der Plattform sind. Sie können kaum bessere Konditionen ausverhandeln. Weil der Zimmerpreis leicht mit vielen anderen Angeboten verglichen werden kann, ist zusätzlich der Druck hoch, den Preis möglichst niedrig anzusetzen.

#3 Die Sache mit den Steuern

In Tirol müssen alle Betriebe, die vom Tourismus profitieren, Abgaben leisten. Das gilt für den Taxiunternehmer genauso wie für jede Pensionsbetreiberin – für Booking.com allerdings nicht. Die Pflichtabgabe orientiert sich an der Umsatzsteuer und die beträgt für die Online-Plattform 0 Euro. Weil Booking ihren Sitz in den Niederlanden hat, ist sie dort auch steuerpflichtig, auch wenn sie am Tourismus in Österreich mitverdient. 

„Die Steuergesetze sind älter als solche Plattformen“, sagt Steuerberater Manfred Leitinger. „Früher war die Frage: Wo steht die Fabrik? Wo ist die Betriebsstätte? Das ist heute viel schwieriger zu beantworten.“ Letztlich stimmt die Steuerpolitik mit den Gesetzen überein. Die Firma sitzt in den Niederlanden, von dort aus wird das Kerngeschäft – die Vermittlungen – betrieben, dort arbeitet ein Großteil der MitarbeiterInnen. Zwar hat Booking eine Zweigstelle in Österreich, die würde allerdings nur dem niederländischen Team zuarbeiten.

Damit lässt sich offenbar viel Geld machen. Im Jahresabschluss für das Jahr 2017 weist Booking.com (Österrreich) einen Bilanzgewinn von über 12 Millionen Euro aus. „Im Vergleich zur Mutterfirma wird das wahrscheinlich vernachlässigbar sein“, schätzt Steuerberater Leitinger.

#Fazit: Was also tun?

„Direkt buchen hilft allen. Die Arbeitsplätze sind in Österreich, wir führen die Steuern und Sozialversicherungsbeiträge hier ab“, sagt dazu ÖHV-Sprecher Stanits. Das empfiehlt auch die Kärntner Vermieterin.

Das größere Problem der Abhängigkeit von einer einzigen Plattform wird damit aber langfristig nicht gelöst werden können. Der ÖHV forderte in der Vergangenheit den Aufbau einer heimischen Buchungsplattform, die nur 5 Prozent Provision verlangen soll.

Die Steuergesetze sollten so gestaltet werden, dass es eindeutige und sinnvolle Regelungen für die relativ neuen Vermittlungsplattformen wie Booking.com, Airbnb und Co gibt. Ein Anfang ist mit den Digitalsteuern auf Internetriesen wie Google getan. So richtig greift dieses Konzept allerdings noch nicht.

 

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