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Ungleichheit

Absurder Überreichtum: Mit Lotto zu Milliarden?

Stell dir vor, du hast seit über 21 Jahren jedes Mal den Lotto-Sechser gewonnen. Damit wärst du jetzt irrsinnig reich - aber immer noch nicht so reich, wie so manch andere.

Ein Lotto-Sechser verändert das Leben. Durchschnittlich haben die Gewinner:innen der letzten 21 Jahre dabei 1,6 Millionen Euro ausbezahlt bekommen. Mit diesem Betrag müsstest du eigentlich nicht mehr arbeiten und könntest ein gemütliches Leben führen.

Recht wahrscheinlich ist das allerdings nicht. Die Wahrscheinlichkeit für einen Lotto-Sechser beträgt 1:8.145.060. Also in etwa so hoch, wie vom Blitz getroffen zu werden. Und weit niedriger, als die Wahrscheinlichkeit, von einem Getränkeautomaten erschlagen zu werden.

Absurd reich mit Lotto

Ignorieren wir mal alle Wahrscheinlichkeiten und nehmen folgendes Szenario an: Du hast seit der Einführung des Euros jedes Mal als einzige Person den Lotto-Sechser gewonnen, wenn er ausbezahlt wurde. Dann wärst du doch jetzt sicher absurd reich, oder?

Stimmt schon. Eine Anfrage an die Lotterien hat ergeben: Seit 2002 wurden 1.506 Sechser ausbezahlt. Bei im Schnitt 1,6 Millionen Euro pro Gewinn ergibt das satte 2,39 Milliarden Euro. 

Doch in die absolute Vermögenselite schafft man es mit 1.506 Lotto-Sechsern immer noch nicht. Denn mit 2,39 Milliarden Euro befindet man sich immer noch nicht unter den 15 reichsten Familien Österreichs. Denn da kommt man erst mit 2,8 Milliarden Euro rein. So viel haben übrigens auch die ärmsten 20 Prozente aller Haushalte in Österreich zusammen.

Der lange Weg an die Spitze

Du landest damit sogar „nur“ auf Platz 20 der österreichischen Überreichen-Liste des Magazins Trend. Wärst du gern die reichste Person in Österreich? Den Rang hat aktuell Mark Mateschitz mit 32,5 Milliarden Euro inne. Dir fehlen also noch 30,11 Milliarden Euro. Dein Vermögen als 1.506 Mal vom Lottoblitz getroffener Glückspilz ist immer noch viel näher an einem durchschnittlichen Österreich, als an einem Mateschitz.

Wenn man mit den Gewinnsummen der bisherigen 21 Jahre weiterrechnet, bekommt man das zu Lebzeiten auch nicht mehr mit. Für die nächsten 30 Milliarden Euro müsstest du noch knapp 265 Jahre lang jeden Lottojackpot gewinnen.

Mit Lotto sorgenfrei reich zu werden – das geht schon nur mit unfassbar viel Glück. Unverschämt reich zu werden, ist aber bedauerlicherweise nicht möglich. Hart arbeiten hilft übrigens auch nicht – sonst wären das schon sehr viele Menschen in diesem Land.

Für absurden Überreichtum braucht es vor allem das Glück, in die richtige Familie geboren zu werden. Sechs der zehn reichsten Österreicher:innen haben ihr Vermögen ganz einfach geerbt. Sie sind also unvorstellbar reich, ohne irgendwas dafür getan zu haben. Du findest das nicht ganz so fair? Wir auch nicht. Genauso wie andere Erb:innen  – viele von ihnen sprechen sich für eine Erbschaftssteuer aus, auch wenn sie selbst davon betroffen wären. 

Die Lotto-Sieger:innen sind nicht das Problem

Eine Erbschaftssteuer oder eine Vermögenssteuer wäre eine Möglichkeit, um die extrem ungleiche Vermögensverteilung in Österreich etwas auszugleichen. Bei uns besitzt das reichste Prozent der Bevölkerung zwischen 30 und 50 Prozent des Vermögens. Die arme Hälfte besitzt hingegen nur rund 3 Prozent.

Aktuell gibt es jedoch weder eine Erbschafts- noch eine Vermögenssteuer. Auf Lottogewinne muss man übrigens auch keine Steuern zahlen. Aber Lottosieger:innen stellen eben auch kein strukturelles Problem dar.

Eine andere Möglichkeit, sich das Vermögen der reichsten Österreicher:innen vorstellen zu können, haben wir mit unserem Tool „Vermögenspixel“ ausprobiert:

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