Barbara Blahas Videokolumne zum Thema Arbeitslosigkeit. Blaha trägt ein blau-weiß gestreiftes T-Shirt, steht vor einer Ziegelwand und blickt skeptisch in die Kamera.
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/ 17. September 2020

Im ganzen Land wackeln die Jobs: Vom “edlen”  Hotel Sacher bis zur harten Industrie. Fast täglich meldet ein Betrieb: Wir sperren zu. Oder zumindest: Wir schmeißen Leute raus. Tja. Da kann man halt nix machen!

Arbeitslosigkeit nur leicht gesunken

Die Arbeitslosigkeit ist von ihrem Allzeithoch im Mai leicht gesunken. Aber: Nach wie vor sind fast 410.000 Menschen weder in einem Job, noch in einer Schulung. Dazu kommen knapp 400.000 Personen in Kurzarbeit. Fast eine Million Menschen – knapp ein Viertel der österreichischen Erwerbsbevölkerung – ist aktuell also gar nicht oder nur zum Teil im Job.

Wer bereits seit mehr als  einem Jahr keinen Job findet, zählt zu den “Langzeitarbeitslosen” – und hat derzeit so gut wie keine Chance auf bezahlte Beschäftigung. Viele sind gering qualifiziert, haben gesundheitliche Probleme und sind häufig auch schon über 50. Das sehen Arbeitgeber nicht so gern.

Arbeitslos sein, heißt leben unter der Armutsgrenze

Das ist für jeden Betroffenen eine Katastrophe, aber für uns alle als Gemeinschaft ein Problem: Ein Arbeitsloser hat nur noch die Hälfte seines Einkommens, im Schnitt nur 970 Euro im Monat.

Und er wenig Geld hat, kann nur wenig ausgeben: Je mehr  Arbeitslose mit so kleinem Einkommen auskommen müssen, desto  weniger Nachfrage gibt es. Die Konjunktur bricht ein. Wer weniger Geld hat, gibt weniger aus. Dann geht man eben nicht mehr zum Friseur - das fehlt dann der Friseurin. Die muss auch anfangen zu sparen, und geht eben nicht ins Restaurant. Uns so weiter und so weiter. So pflanzt sich die Krise von den Arbeitslosen fort zu den nächsten "Kleinen".

Was also tun?

Die Wirtschaftskammer hat in der Mottenkiste gekramt und eine ganz alte Idee rausgeholt: Verschärfen wir die sogenannte “Zumutbarkeit”. Das sind jene Regeln, nach denen man einen Job ablehnen darf, ohne sein Arbeitslosengeld zu verlieren. Ein Beispiel: Der Arbeitsweg darf nicht länger als 2 Stunden sein;  Der Chef der Wirtschaftskammer, Harald Mahrer findet, da geht noch was. Härtere Zumutbarkeitsregeln senken aber die Arbeitslosenzahlen nicht. Das bestätigt sogar eine gemeinsame Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes und des AMS selbst: “Es finden sich keine Hinweise darauf, dass ein intensiverer Einsatz von Sanktionen ein wirksames Mittel wäre, um die Reintegration  in  Beschäftigung  zu  erhöhen.  Wenn,  dann  ist  eher  zu  erwarten,  dass  damit  ein  häufigerer  Rückzug  aus  dem  Arbeitsmarkt  verursacht würde.”

Härtere Strafen bewirken also das Gegenteil von dem was sie - angeblich - bewirken sollen. Sie bringen die Menschen nicht in Jobs, sondern sie drängen sie aus dem Arbeitsmarkt. Und schaffen schon gar keine neuen Jobs.

Arbeitslosigkeit bekämpfen heißt Jobs schaffen

Auf eine offene Stelle kommen derzeit sechs Arbeitssuchende. Nur der Privatsektor – vulgo „die Wirtschaft“ – wird es nicht richten können. Wenn die Unternehmen massiv Jobs abbauen, muss der Staat einspringen. Also: Schaffen wir Jobs!

Wenn wir eine einzige 1 Milliarde mehr ausgeben als bisher im Bereich Langzeitarbeitslosigkeit, können wir damit 100.000 Jobs im öffentlichen und gemeinnützigen Bereich schaffen: Jobs von uns als Gemeinschaft - für uns als Gemeinschaft: In Krankenhäusern, Schulen, Altenheimen. Also Jobs, die wir ohnehin dringend benötigen. Der volkswirtschaftliche Effekt wäre enorm: Von jedem zusätzlich ausgegebene Euro kommen bis zu 67 Cent wieder retour: Weil die Leute Steuern zahlen, oder wieder mehr einkaufen können. Und gut fürs Klima wäre es auch: Jobs im öffentlichen Bereich haben einen winzigen Co2-Fußabdruck.

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