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Demokratie

Bitte warten: Die Lage ist ernst

Natascha Strobl erklärt, warum wir in Krisenzeiten von und mit der Angst regiert werden.

Eine Krisensituation ist eine Krisensituation. Krisen zeichnen sich durch ihre Unübersichtlichkeit und den schlagartigen Verlust einer gedachten Zukunft aus. Krise ist immer sehr viel Gegenwart und sehr wenig Zukunft und Vergangenheit. Eine gesellschaftliche Krise zu lösen braucht also vor allem Klarheit, Entschlossenheit und Eindeutigkeit. Die Gegenwart muss gestaltet werden. Geschieht dies nicht entsteht ein Vakuum, das mit Angst, Unsicherheit oder eben auch Verschwörungsideologien gefüllt wird.

Die österreichische Regierung zögert und zaudert in den letzten Tagen und Wochen auffällig. Höhepunkt war eine eilige einberufene Pressekonferenz am Donnerstag. Dieser waren schon allerlei Meldungen über Ausgangssperren vorausgegangen. Mitten hinein platzen auch noch erschreckend hohe Ansteckungs- und Hospitalisierungszahlen. Die ganze Situation verlangt (und wurde eben auch so aufgebaut) nach Handlung. Diese wurde nicht gesetzt. Stattdessen kamen langatmige Erklärungen von Bekanntem. Und natürlich das ewige Mantra: Die Lage ist ernst.

Die hineinkriechende Angst

Dieses Obenhalten der Anspannung ohne eine Lösung zu bieten, erzeugt Angst. Angst ist eine ganz schlechte Ratgeberin in der Krise und eine demokratische Regierung sollte sie nicht zur Grundlage ihres Regierens machen. Schon gar nicht in einer Ausnahmesituation. Ob bewusst oder unbewusst (etwa aus Überforderung): genau das passiert. Den Menschen zu sagen, dass alles sehr schlimm ist ohne Ausweg, lässt sie in der angstbesetzten Gegenwart verharren. Niemand hält es aus, wenn der Pegel immer auf Anschlag gedreht ist. Es erschöpft, es tut weh und irgendwann wird man dessen müde und stumpft man ab. All das ist kontraproduktiv, wenn viele Menschen schnell und entschieden Handlungen befolgen müssen, die einschneidend sind und der kollektiven Sicherheit dienen. Diese Regierung tut im Moment das Gegenteil, um dies zu gewährleisten.

Wir leben also in einer Realität exponentiell wachsender Infektionszahlen und allerlei Horrormeldungen über sich erschöpfende Spitalskapazitäten, Not-Lazarette und Triagen aus anderen Ländern. Die Regierung lässt uns jetzt noch drei weitere Tage damit allein. So können wir und die Medien uns immer weitere Horrorszenarien ausmalen. Es reicht nicht zu sagen „Bitte tut das nicht“, so funktionieren soziale Prozesse nicht. Schon gar nicht in einer Krise. Es läge an der Regierung dem mit Führungsstärke und Klarheit beizukommen. Wir aber werden mit und von Angst regiert.

 

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