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Demokratie

Ein letztes Schaulaufen für Orbán: Die extreme Rechte versucht, ihr schwächelndes Vorbild zu retten

Ein letztes Schaulaufen für Orbán: Die extreme Rechte versucht, ihr schwächelndes Vorbild zu retten
Viktor Orbán bei seiner Rede bei der CPAC Hungary 2022 (Foto: Elekes Andor - Own work, CC BY-SA 4.0, Link)
Viktor Orbán droht bei der Ungarn-Wahl 2026 seine Macht zu verlieren. Von Herbert Kickl bis Javier Milei reiste deshalb die extreme Rechte der Welt zum CPAC nach Ungarn an, um ihr Vorbild zu retten. Natascha Strobl analysiert.

Ungarn wählt am 12. April 2026. Wenn die Wahl fair ablaufen würde, gewinnt vermutlich der Oppositionskandidat Péter Magyar, der in den meisten Umfragen klar führt. Doch in Ungarn kann man schon lange nicht mehr von einem fairen Wettbewerb sprechen. Orbán sucht nun Unterstützung bei seinen rechtsextremen bis faschistischen Verbündeten.

CPAC: Rechter Besuch in Budapest

Wieder einmal fand am vergangenen Wochenende in Budapest die CPAC (Conservative Political Action Conference) statt. Das ist dem Namen nach eine Konferenz, auf der sich Konservative treffen - eigentlich kommt sie aus den USA, wo sie voll in den Händen von Donald Trumps MAGA-Bewegung ist. In den Corona-Jahren hat die Organisation weltweit neue Standorte eröffnet.

Der europäische Ableger zur Vernetzung der extremen Rechten findet - wenig überraschend - in Ungarn statt. Dort empfängt man die Gäste mit offenen Armen und viel Steuergeld.

Kurz vor der Wahl zeigen sich dort die Verbündeten von Viktor Orbán. Sie haben nur ein Ziel: Sie wollen dem Ministerpräsidenten im Wahlkampf helfen, weil er gerade an Macht verliert. Javier Milei, Herbert Kickl, Alice Weidel, Andrej Babiš und andere bekannte Gesichter des weltweiten Rechtsextremismus traten auf, um ihn zu stärken. Nur Donald Trump blieb daheim und schickte lediglich einen Videogruß.

Ein Netzwerk gegen die Demokratie

Nur Tage danach trafen sich die „Europäischen Patrioten“. Das ist eine Gruppe im EU-Parlament, in der Orbáns Partei (Fidesz) besonders viele Abgeordnete hat. Marine Le Pen, Matteo Salvini und andere setzten genau dort an, wo die CPAC-Konferenz aufhörte: Sie warben für Orbán.

Das alles zeigt, wie verzweifelt die ungarische Regierung ist. In den Umfragen liegt die Opposition nämlich vor Orbán. Der Wahlspruch, dass das Schicksal Europas von Ungarn abhängt, stimmt in diesem Fall sogar.

Viktor Orbán und sein System der Kontrolle

Ungarn ist - neben den USA - der wichtigste Teil in einem grenzüberschreitenden Faschismus. Orbán hat über zehn Jahre lang das aufgebaut, wovon andere Rechte nur träumen: Er hat staatliche Einrichtungen unter seine Kontrolle gebracht. Er hat freie Medien zerstört und verdrängt und die Kulturwelt auf seine Linie eingeschworen. Zudem kämpft er ständig gegen die wenigen Städte, die noch von Sozialdemokraten oder Grünen regiert werden - allen voran die Hauptstadt Budapest.

Gleichzeitig vernetzt Orbán die Szene. Er nutzt Steuergelder, um rechte Politiker aus dem Ausland zu umwerben. Dafür nutzt er Konferenzen wie die CPAC oder das Mathias Corvinus Collegium (eine Art Eliteschmiede für seinen politischen Nachwuchs).

Der Kampf gegen Europa und die Ukraine

Dazu kommt, wie sich Orbán in der EU verhält: Er kämpft offen gegen die Ukraine und sucht die Nähe zum russischen Diktator Wladimir Putin. Falls Orbán die Wahl verliert, haben alle anderen rechtsextremen Kräfte ein Problem - sogar Donald Trump.

Es ist also kein Wunder, dass sie nun alle nach Budapest reisen. Sie wollen Einigkeit und Stärke vortäuschen.

Dass Orbán diese Hilfe von außen braucht, zeigt, wie eng es für ihn wird. Er versucht nicht mit Themen aus dem eigenen Land zu punkten, sondern mit der Außenpolitik. Er will die Wahl mit Hilfe ausländischer Politiker:innen gewinnen. Unter normalen Bedingungen geht so etwas fast nie gut. Aber in Ungarn herrschen keine normalen Bedingungen.

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