Foto eines Graffito, zu sehen ist ein Mann, der einen Sack Geld verfolgt. Er hat Flügel umgebunden und jagt dem Geld nach. Über Geld reden wir nicht, Gehalt vergleichen möchten wir dann doch.

Über Geld wird nicht gerne gesprochen. Foto: Arie Wubben für Unsplash

/
/ 23. Juli 2020

In Österreich redet man nur sehr ungern über Geld und das eigene Gehalt. Kein Wunder also, dass viele nicht wissen, wie viel die Kollegin oder gar der Chef verdient. Die Wissenslücke, die dadurch entsteht, füllen Berichte wie der Gehaltsreport der Jobbörse StepStone, der im Juli erschienen ist. Die Auswertung beruht auf den Selbstangaben von rund 6.000 Angestellten, die StepStone online erfasst hat. Wir haben die interessantesten Punkte zusammengefasst:

#1 Wenn schon Management, dann ganz oben

Je höher im Management, desto höher das Einkommen. Das ist wenig überraschend. Interessant ist allerdings der riesige Gehaltssprung vom mittleren ins obere Management. Ganze 35.000 Euro mehr gibt es dafür pro Jahr im Durchschnitt.

#2 Reiches Vorarlberg, armes Burgenland

Wien und Vorarlberg führen beim Gehalt, das Burgenland belegt den letzten Platz. Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen, sagt Pressesprecherin von StepStone, Barbara Oberrauter. Einerseits gibt es im Burgenland viele PendlerInnen, die als Arbeitsort Wien angeben und dementsprechend zugerechnet werden. Außerdem könnte mitspielen, dass das Burgenland keine eigene Industrie und eher wenig Tourismus hat.

#3 Unterschied zwischen AkademikerInnen und Nicht-AkademikerInnen ist überraschend klein

AkademikerInnen verdienen pro Jahr im Schnitt rund 9.000 Euro brutto mehr als Nicht-AkademikerInnen. Ein recht geringer Unterschied, wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Geld teilweise in ein Studium gesteckt wird. "Wir haben in Österreich eine Besonderheit", sagt Katharina Mader, Ökonomin an der Wirtschaftsuniversität Wien. "Weil wir mit der Meisterprüfung einen Ausbildungsabschluss haben, der ein hohes Einkommen auch ohne Studium ermöglicht." In Österreich gibt es auch andere sehr gute Ausbildungen außerhalb des Studiums. "Diese einfache Aufschlüsselung ist nicht besonders aussagekräftig."

#4 Ältere kriegen mehr

Wer mehr Berufserfahrung hat, verdient mehr. Dieses sogenannte Senioritätsprinzip ist in Österreich stark verankert, gleichzeitig wird die Kurve flacher und in manchen Branchen gibt es überhaupt keine kollektivvertraglich geregelte Gehaltserhöhung mit fortschreitenden Berufsjahren. "Immer wieder taucht das Argument auf, dass gerade BerufseinsteigerInnen stark von einem höheren Gehalt profitieren würden, weil sie tendenziell in der Lebensphase sind, wo Familiengründung im Raum steht", sagt Ökonomin Mader. "So wie unser Pensionssystem gestrickt ist, zahlt sich das Senioritätsprinzip für das Lebenseinkommen allerdings weiterhin aus."

#5 Wir schätzen uns falsch ein

Die Ergebnisse des Gehaltsreports basieren auf der Selbsteinschätzung der Befragten. Oft gibt es keine andere Möglichkeit, an Daten zu kommen. Diese Methode bringt allerdings Unschärfen mit sich: "Wir schätzen unser Einkommen in Richtung Mitte", sagt Mader. Daher sollten wir im Hinterkopf behalten, dass jene, die besonders viel verdienen, vermutlich tendenziell weniger angeben. Und GeringverdienerInnen bauschen ihr Einkommen oft ein wenig auf.

Dasselbe gilt übrigens, wenn wir unser Vermögen einschätzen.

Dir gefällt unsere Arbeit?

Das freut uns! Wir sind unabhängig von Parteien und Konzernen. Unterstütze unsere Arbeit mit deiner SPENDE. Jeder Beitrag, ist er noch so klein, ist wichtig!

Fünf wichtige Themen in nur drei knackigen Minuten. Hol dir deinen täglichen Morgenmoment per E‑Mail!

Ich bin einverstanden, einen regelmäßigen Newsletter zu erhalten. Mehr Informationen: Datenschutz.