Skigebiet Klimawandel
Quelle: pixabay | ToniFuchs
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/ 24. Januar 2020

Die Alpenregion erwärmt sich fast doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Die Schneegrenze wandert beständig nach oben, bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden die Alpen laut Prognosen fast eisfrei sein. Die Klimakrise ist in den österreichischen Bergen längst angekommen.

Skigebiete spüren die Auswirkungen schon länger. Ihre Lösung: Künstliche Beschneiung. “Der Klimawandel war zwar nicht der einzige Grund, warum man damit begonnen hat. Aber er macht die Schwankungen, die man dadurch ausgleichen wollte, extremer und häufiger”, sagt Robert Steiger, der zu den Wechselwirkungen von Klimakrise und Tourismus forscht. Mittlerweile kommen nur mehr elf von über 400 Skigebieten in Österreich ohne Schneekanonen aus. Dadurch erhöhen sich die Kosten für die Betreiber und für die SkifahrerInnen.

Andererseits kommt es laut Steiger durch die Klimakrise häufiger zu Phasen, in denen es sogar zu warm für künstliche Beschneiung ist. Schneeausfälle gab es zwar früher auch. Aber die hohen laufenden Ausgaben und die größere Unsicherheit bringen Skigebiete heute wesentlich stärker in Bedrängnis. “Wir werden zukünftig weniger Skigebiete haben. Aber man wird auch Ende des Jahrhunderts in Österreich noch Skifahren können  - vorausgesetzt, die Skigebiete beschneien weiterhin”, so Steiger.

Urlaubsemissionen im Vergleich

Die Skigebiete leiden unter der Klimakrise. Aber wie sehr leidet eigentlich das Klima unter den Skigebieten? 

Eine Schätzung des Umweltbundesamtes kommt zu einem positiven Schluss: Die Emissionen, die bei einem Skiurlaub entstehen, sind im Vergleich zu anderen Urlaubsarten niedrig:

“Die Skigebiete und alle Aktivitäten der Gäste machen nur einen relativ kleinen Teil der Emissionen aus”, so Steiger. Darin enthalten ist auch der Aufwand zum Erhalt der Skipisten. Die Wahl des Transportmittels hingegen wiege am schwersten - sofern man mit dem Auto unterwegs ist:

Fährt man allerdings mit dem Zug auf Skiurlaub, reduziert sich der Anteil des Transportmittels auf 15 Prozent.

Ein Skiurlaub schneidet im Vergleich nicht so negativ ab - Emissionen fallen aber natürlich trotzdem an. Und was bei diesen Berechnungen nicht berücksichtigt wird, sind die Auswirkungen auf die Umwelt.

Lokale Auswirkungen

Diesbezüglich ist der Einfluss von Schneekanonen besonders umstritten. Denn die benötigen einerseits Strom, der mittlerweile aber zu etwa 90 Prozent aus erneuerbarer Energie stammt. Sondern sie verbrauchen auch immer mehr Wasser, um die benötigten Schneemengen zu produzieren.

Dieses Wasser stammt überwiegend aus Speicherseen, die extra dafür angelegt werden müssen. Das Wasser wird zwar auf natürlichem Weg gesammelt, aber gleichzeitig auch der Umgebung entzogen. Besonders Dürreperioden können so zukünftig noch stärker ausfallen. Darüber hinaus kann die Lagerung in Speicherseen zu Keimbefall führen. Als Kunstschnee wird das Wasser durch Skier und Pistenraupen weiter verdreckt und gelangt dann als Schmelzwasser wieder in den Wasserkreislauf und belastet diesen.

Problemschnee

Der künstlich erzeugte Schnee verursacht noch andere Probleme. Denn er ist schwerer und undurchlässiger als Naturschnee, was zu Sauerstoffmangel und dadurch zu einem Absterben der Vegetation führt. Planierraupen verdichten den Boden zusätzlich, dadurch kann er weniger Wasser speichern. Die Folgen davon: Erosion und häufigere Überschwemmungen.

Skifahren beeinflusst das Klima und die Umwelt überwiegend negativ. Skigebiete greifen in empfindliche Ökosysteme ein. Dadurch verstärken sie die Auswirkungen der Klimakrise - in einem Gebiet, das schon stärker davon betroffen ist, als andere. 

Kleine Lösungen


Alternativen gibt es. Manche Gebiete versuchen mittlerweile, sich zumindest einen grünen Anstrich zu geben. Die Schmittenhöhe in Zell am See hat sich etwa als einziges Skigebiet um das Umweltsiegel EMAS, ein EU-Label für nachhaltiges Umweltmanagement, bemüht. Laut einer von den Liftbetreibern in Auftrag gegebenen Studie bringt das zumindest positive Auswirkungen auf die Biodiversität. Und SkifahrerInnen können etwa mit dem Zug anreisen und eines der elf österreichischen Skigebiete ohne künstliche Beschneiung wählen:

 

Doch für die großen Skigebiete zählt vor allem eines: Expansion. Klima- und Umweltschutz spielen dabei kaum eine Rolle. Was wenig überrascht, wenn man bedenkt wie wichtige Akteure denken: Peter Schröcksnadel etwa zweifelt am Beitrag des Menschen an der Klimakrise. Zudem werde die Sonne bald “schlafen gehen”  - und dann wird es ohnehin wieder kühler. Zum Imperium des ÖSV-Präsidenten gehören 7 Skigebiete.

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