NatsAnalyse - Analysen von Ideologie, Sprache und Frames von Natascha Strobl
NatsAnalyse
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Natascha Strobl

/ 10. Juli 2020

Heute möchte ich den Platz hier nutzen, um eine beliebte Strategie der extremen Rechten in den sozialen Medien zu erklären. Sie heißt „Dogwhistling“ - übersetzt also: eine Hundepfeife benutzen.

Mit Hundepfeifen kann man Töne produzieren, die für das menschliche Ohr nicht erfassbar sind, aber von Hunden wahrgenommen werden. Mit dieser Pfeife kann antrainiertes Verhalten abgerufen werden. Sieht man die Person, die den Hund führt nicht, so wirkt es, als würde der Hund plötzlich und von selbst dieses Verhalten durchführen.

Nur „zur Info“

Dieses Verhalten wird auf die sozialen Medien übertragen, um Personen anzugreifen. Natürlich gibt es dabei keine echte Hundepfeife, aber verschiedene Techniken, die die Funktion der Hundepfeife übernehmen. Bei Accounts, die eine gewisse Reichweite haben, reicht zum Beispiel auf Twitter oft eine Zitierung mit mild-empörtem Kommentar à la „Schaut mal, was die schreibt“.

Auf Facebook hat H.C. Strache diese Technik mit dem Zusatz „Zur Info“ perfektioniert. Nirgends wird geschrieben, dass die zitierte/erwähnte Person jetzt einen Shitstorm oder furchtbare Kommentare/Drohungen bekommen soll. Es wird aber genau so verstanden. Die Person, die das alles angefacht hat, kann sich aber immer hinausreden, indem sie beteuert, nichts davon gewollt zu haben und auch gleichzeitig keinerlei Handhabe zu haben. Das stimmt natürlich nicht, da man spätestens nach dem ersten Mal erkennen könnte, was das Ergebnis einer eigenen Handlung ist.

Trigger-Wort

Dieses gewollte Verhalten kann aber auch mit bestimmten Trigger-Worten abgerufen werden. Dazu zählt etwa die scheinbar kontextlose Verwendung bestimmter Begriffe oder Namen.

Eines der Feindbilder der extremen Rechten ist George Soros, dem quasi unbegrenzter Einfluss über die ganze Welt angedichtet wird. Diesen würde er dazu nutzen, diese Welt zuungunsten der Rechten umzubauen.

antisemitische Feindbilder

Das ist eine klassisch antisemitische Verschwörungserzählung. Sein Name und seine Person werden völlig überhöht, um so ein übermächtiges Feindbild aufzubauen, gegen das man sich erwehren muss. Er wird also als Joker in eine Auseinandersetzung eingebracht, um das Gegenüber als „irgendwie“ unlauter zu brandmarken.

Man muss dabei gar nicht konkret sagen, was verwerflich ist. Verschwörungserzählungen funktionieren über die geraunte Unterstellung. Dazu reicht es zu suggerieren, jemand sei mit Soros verbandelt. Der Name allein steht dafür, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Dadurch wird das Gegenüber als unseriös und mit einer versteckten Agenda gebrandmarkt. (Die ÖVP hat das im Übrigen sehr ähnlich mit Silberstein gemacht.)

Dogwhistle als Feindmarkierung

Der Name führt auch im Sinne der Dogwhistle dazu, dass andere UserInnen erkennen, dass der Soros-Verbündete der Feind ist, ohne, dass sie sich inhaltlich mit ihm auseinandersetzen können beziehungsweise müssen. Eng damit verwandt (und oft Resultat) ist der Shitstorm, der auch mit Schuld und Vereinzelung funktioniert.

Was kann man nun dagegen tun? Am Wichtigsten ist es, sich nicht ein Schuldgefühl einreden zu lassen. Wenn man die Technik erkennt, ist es auch gut, sie direkt anzusprechen (gerade dann, wenn das Gegenüber eigentlich kein Vertreter der traditionellen extremen Rechten ist).

Wenn der gewollte Shitstorm eintritt, dann gilt, wie immer: zusammenstehen und nicht direkt darauf eingehen. Es sind gegen eine Person gerichtete Techniken, die kritische Stimmen verstummen lassen wollen.

Lassen wir das nicht zu.

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