Auseinandersetzung zwischen linken und rechten Gruppen in den USA.

Auch nach den Wahlen könnte es zu Gewalt in den USA kommen | Credit: Tom Schaffer

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/ 3. November 2020

David (38) hat Angst davor, was nach der US-Präsidentschaftswahl passiert. Der Anwalt aus New York bezweifelt, dass das Land zur Normalität zurückfinden wird. Für den Zustand des Landes macht er nicht nur Donald Trump verantwortlich.

Wenn ich an die Wahl denke, bricht mein Herz. Ich war noch nie so enttäuscht von meinem Land, obwohl ich in meinen 38 Jahren hier viel politisch tätig war. Die letzten Jahre haben meine größten Ängste übertroffen. Es ist, als gäbe es kein Sicherheitsventil mehr. Trump könnte bei einer drohenden Niederlage einfach behaupten, dass die Wahl gefälscht ist. Millionen von Menschen würden ihm das sofort glauben. 

Gleichzeitig bin ich auch nicht überrascht. Vieles von dem, was jetzt passiert, wurde uns AmerikanerInnen seit der Gründung des Landes mitgegeben. Etwa die Einbildung, dass die eigene Position immer die “gute” ist. Wir in den USA wollen immer die Erzählung von den Guten und den Bösen glauben. Ich habe mich selbst auch lange so gesehen. Das gibt uns das Gefühl, dass man selbst extrem wichtig ist und wirklich alles tun darf, um sich zu schützen. Dazu gehört manchmal auch, anderen Menschen Leid zuzufügen. 

Wie es nach der Wahl weitergeht

Ich befürchte, dass es nach der Wahl vereinzelt zu Gewalt kommen wird. Aber ich glaube nicht, dass größere Ausschreitungen oder eine Art Bürgerkrieg bevorstehen. Denn wir leben in einer Fernseh-Kultur. Vieles was in den USA passiert, ist Show. Tatsächlich Gesetze zu brechen oder Waffen zu benutzen, trauen sich zum Glück nur wenige, auch wenn die Gewalt in den vergangenen Jahren zugenommen hat. 

Natürlich hat Donald Trump daran Schuld, aber er ist nicht der Grund dafür. Denn die Gesellschaft in den USA respektiert Fakten schon lange nicht mehr. Es muss aber doch möglich sein, dass ich ExpertInnen glaube und ihnen zuhöre. Auch der Glaube an Verschwörungsmythen ist allgegenwärtig. Vor ein paar Jahren hat mir etwa ein guter Freund bei sich daheim ein Video gezeigt, in dem die Klimakrise geleugnet wurde. Als ich das Video kritisiert habe, hat er mich einfach aus dem Haus geworfen. Ich war fassungslos.

Ich weiß nicht, ob es nach der Wahl noch einen Weg zurück gibt. Die Lage der USA fühlt sich für mich an wie jene von Britney Spears 2007. Die ganze Welt sieht uns bei unserem Zusammenbruch zu. Eine Möglichkeit damit umzugehen, kann vielleicht Satire sein, durch die vor allem weiße Menschen ihre eigene Machtposition reflektieren können. 

Es gab zumindest immer wieder Momente in der amerikanischen Geschichte, in denen wir aufgewacht sind. In denen wir uns umgesehen und gefragt haben: “Haben wir keinen Anstand mehr?” Ich hoffe, dass es bald wieder so einen Moment geben wird.
 

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