Barbara Blaha erklärt in ihrem Videoblog warum es eine Erbschaftssteuer braucht. Blaha steht vor einer Ziegelwand und blickt mit ausgebreiteten Armen in die Kamera.
Barbara Blaha - Warum es eine Erbschaftssteuer braucht?
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/ 4. September 2020

Wer sich richtig anstrengt, kann alles schaffen. Einsatz, Fleiß und harte Arbeit - dann kann jeder und jede richtig reich werden. Moment mal!

Reich wird hierzulande nur, wer sein Geld geschenkt bekommt. Erben kann aber nicht jeder, das wäre ja noch schöner. Wer hat, dem wird gegeben. Wer ohnehin schon ganz oben in der Vermögenspyramide wohnt, wird sehr wahrscheinlich on top noch ein Erbe einstreifen: Fast 8 von 10 Leuten des reichsten Prozents dürfen sich im Schnitt über ein Erbe von 3,3 Millionen Euro freuen. 9 von 10 Haushalten, die eine Wohnung oder ein Haus erben, besitzen zu diesem Zeitpunkt bereits selbst schon eine Immobilie. Von wegen Eigenbedarf.

Viel Vermögen in den Händen weniger

Schön für die da oben. Für die meisten ÖsterreicherInnen sieht es ein bisschen anders aus: 7 von 10 Menschen erben nämlich: NIX. Viel Vermögen sammelt sich über Generationen in den Händen weniger. Die allerwenigsten sogenannten “G’stopftn” in Österreich  haben ihre Wälder, Villen und Grundstücke selbst erwirtschaftet, sondern, richtig geraten, geerbt. Von den reichsten ÖsterreicherInnen ist nicht einmal jeder Fünfte „self-made“. Reichtum ist fast nie die Folge von großer persönlicher Leistung. Sondern eine Frage des Stammbaumes. Reich wird man in Österreich meistens schon bei der Geburt.

Erbschaften sind komplett unbesteuert

Einer der Hauptgründe, dass das Vermögen sich immer mehr in den Händen von wenigen Menschen anhäuft, sind die unbesteuerten Erbschaften. Das haben die allermeisten Industrienationen erkannt und heben daher auf ererbtes Vermögen eine Erbschaftssteuer ein. Die allermeisten. Aber eben nicht alle. Österreich ist neben Zypern, Estland, Lettland, Schweden und der Slowakei eines der wenigen Länder in Europa, in denen im Erbschaftsfall weder Steuern noch Gebühren zu entrichten sind.

Dieses System: “Arbeite so viel du willst, aber reich wirst du eh nur mit Erbschaften”, dieses System zementieren wir damit ein:  Das reichste Zehntel besitzt 56,4 Prozent des gesamten Vermögens in Österreich. Die ärmere Hälfte der ÖsterreicherInnen hat praktisch nichts: Nur magere 3,6 Prozent des Gesamtvermögens.

Mit dem Vermögen erbt man auch Ansehen und die Macht der Vorfahren. Da hat sich seit der Habsburgerzeit wenig verändert: Die wichtigste "Leistung" ist, in die richtige Familie geboren zu werden. Es ist einfach ungerecht, dass die Leute mit den schwersten und gefährlichsten Jobs am wenigsten bekommen, während jene, die am meisten haben, dafür keinen Finger rühren mussten, weil sie es schlicht geerbt haben. Ohne einen Cent davon der Allgemeinheit zurück zu geben.

Warum es eine Erbschaftssteuer braucht

Jeden, der Mindestsicherung beziehen muss, zwingen wir sämtliche Sparbücher aufzulösen, sein Auto zu verkaufen. Und wenn er eine Wohnung besitzt, schreibt der Staat sich ins Grundbuch. Bei den Armen holen wir uns 100 Prozent von fast nichts, aber bei den Superreichen sind 1,2,3 Prozent von praktisch endlosem Vermögen nicht zu schaffen?

Was es braucht:

  • Erbschaftssteuern sind die gerechtesten Steuern. Österreich kann es sich nicht länger leisten, darauf zu verzichten.
  • Erbschaftssteuer sollte progressiv gestaltet sein: wer wenig erbt, soll wenig zahlen. Wer viel erbt, mehr.

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