Laughing Men in Suits Meme
Laughing Men in Suits Meme
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/ 23. Dezember 2019

Weihnachten ist eine Zeit der Besinnlichkeit und Reflexion, wenn die engste Familie zusammenkommt und ein ruhiges gemütliches Fest verbracht wird. Obwohl die Zeit eigentlich keine politische ist, kommt es in vielen Familien vor, dass irgendwann über Politik gesprochen wird.

Ein Verwandter schwingt sich dabei gerne zum selbstständigen Geist auf, der auf Steuern, Staat, und Verschwendung schimpft. In seiner älteren Version (Typ: „Wortgewaltiger Onkel“) beruft er sich darauf, was er für ein Leistungsträger sei, während andere faule Säcke wie Arbeitslose oder geflüchtete Menschen nur daheim säßen. In seiner jüngeren Version (Typ: Vorlauter Neffe) geht es mangels eigener Lebensleistungen vor allem um die vermeintlich höhere Leistungsbereitschaft, die angepriesen wird.

Beide Typen gehen einher mit einer gewissen Unfähigkeit zur Selbstreflexion, was die eigene soziale Position betrifft. Vor allem der Anteil des eigenen Zutuns wird gerne maßlos überschätzt. Ein Blick über den großen Teich in die Vereinigten Staaten kann dabei helfen, um deren Bild zurecht zu rücken. Weil ein Sozialstaat österreichischer Prägung in weiten Teilen fehlt. Darum hier fünf Gründe für den Sozialstaat – garniert mit nachdenklich machenden persönlichen Erlebnissen aus den USA.

Lebensrisiko Krankheit

Der Sozialstaat fängt uns auf, wenn wir krank werden. In Österreich ist fast jeder krankenversichert, ArbeitnehmerInnen wie Arbeitslose. Ein trauriges Beispiel einer amerikanischen Bekannten aus dem echten Leben: Ihr neuer Freund hatte einen neuen Job und musste noch auf die Aufnahme in die Krankenversicherung warten. Im Gegensatz zu Österreich, bei dem man ab dem ersten Arbeitstag voll krankenversichert ist, kann man sich in den USA nur zu festen Terminen einschreiben.

Sein Pech war: Er ist zusammengebrochen, die Diagnose schockierend: Gehirntumor. Dennoch entschied er sich gegen eine sofortige Behandlung, weil diese ihn ohne Versicherung mit Krankenhausrechnungen von mehreren hunderttausenden Dollar finanziell ruiniert hätte. Anstatt behandelt zu werden, ist er auf der Suche nach einer Versicherung und verliert wertvolle Zeit. So etwas könnte in Österreich nicht passieren.

Lebensrisiko Arbeitslosigkeit

Der Sozialstaat fängt uns auf, wenn wir unsere Arbeit verlieren. Sowohl in den USA als auch in Österreich gibt es Arbeitslosigkeit, von der viele Menschen betroffen sind. Gerade Menschen über 50 Jahren haben es schwer am Arbeitsmarkt. In Österreich werden sie aber nicht alleine gelassen. Zumindest ihr finanzielles Existenz-Risiko wird ihnen zu einem großen Teil abgenommen, denn zur Not können ÖsterreicherInnen auch nach mehreren Jahren noch Notstandshilfe beziehen.

Nicht so in den USA. Dort läuft das Arbeitslosengeld nach einigen Wochen aus, und danach ist Schluss. Man darf sich aber noch für Lebensmittelmarken anstellen. Ein Leben in Würde sieht allerdings anders aus.

Lebensrisiko Alter

Der Sozialstaat schützt uns im Alter. Wer nicht sparen kann, weil sie zu wenig verdient hat, bekommt in Österreich trotzdem eine Pension, und im Allgemeinen kann man von der Pension meist auch zumindest über die Runden kommen oder ein relativ angenehmes Leben führen.

Das System ist zwar ähnlich in den Vereinigten Staaten. Dennoch ist es keine Seltenheit, dort einen 70-Jährigen nach der Supermarktkassa zu sehen, der die Einkäufe der Kunden für den Mindestlohn in Plastiksackerl abpackt, weil die Pension doch zu gering ist.

Lebensrisiko Jugend & Bildung

Der Sozialstaat ermöglicht uns kostengünstige Erziehung und Bildung. Ein durchschnittlicher Amerikaner zwischen 25 und 34 Jahren hat 42.000 Dollar Schulden, die hauptsächlich aus Krediten für die Universität herleiten.

In Österreich müssen zwar die meisten StudentInnen arbeiten gehen, um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Aber mit 42.000 Euro Schulden (bzw. eher Richtung 80.000 Euro bei Besuch einer der teureren privaten Universitäten) muss in Österreich kein junger Mensch ins Leben starten.

Lebensinhalt Arbeit?

Der Sozialstaat ermöglicht ein Leben, das nicht nur das ganze Jahr aus Arbeit besteht. Gewerkschaften haben in Österreich fünf Urlaubswochen durchgesetzt. In den USA gibt es nur zwei Wochen plus für manche Angestellten ein paar sogenannte „Krankheitstage“. Arbeitszeiten sind oft überlange. Betriebsräte, die darauf schauen, dass Schichtpläne nicht willkürlich eingeteilt und kurzfristig abgesagt werden, gibt es nicht.

Die Löhne sind in großen Städten für die arbeitende Masse so gering, dass sie mehrere Jobs benötigen, um über die Runden zu kommen. Von den gut Ausgebildeten mit höheren Gehältern wiederum arbeitet kaum jemand nur 38,5 oder 40 Stunden pro Woche wie bei uns.

Hätte unseren Leistungsträger-Onkel auch nur eines dieser Risiken in den USA voll erwischt, die Chance wäre groß gewesen, dass er sich finanziell oder körperlich nie wieder davon erholt hätte. Doch selbst wenn einen das Leben gut behandelt hat: Zu wissen, dass im Notfall ein soziales Netz bereitsteht, um einen aufzufangen, tut gut und gibt Sicherheit. Gerade zu Weihnachten, wenn man zum Nachdenken kommt!

Ich wünsche Euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Wir lesen uns im Jahr 2020 wieder bei Wirtschaft erklärt.

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