Vater und Tochter im Urlaub

/ Tina Goebel
/ 8. Oktober

 

Für Anna (Name von der Redaktion geändert) war der kostenlose Urlaub ein “Schritt in ein neues Leben”. Jahrelang musste sie Gewalt-Eskapaden durch ihren Ehemann ertragen. Erst als es so schlimm wurde, dass sie Angst um ihr Leben hatte, zog sie mit ihrer Tochter in ein Wiener Frauenhaus.

“Mein Mann war nicht immer so. Aber er wurde leider spielsüchtig, dann kam der Alkohol dazu und damit ist alles eskaliert,” fasst Anna ihr langes Leiden kurz zusammen. Eine gute Ausbildung und ein Job stellen keine Absicherung vor einem finanziellen Desaster dar. Das zeigt ihre Geschichte deutlich: Die Akademikerin gründete eine eigene Firma, arbeitete von früh bis spät, doch der Schuldenberg ihres Mannes war einfach zu groß.

 

“Urlaub kam mir in meiner Situation gar nicht in den Sinn!”

Im Frauenhaus sahen die Betreuerinnen sofort, dass Anna am Ende ihrer Kräfte war. Sie organisierten für sie und ihre Tochter einen Urlaub über das “Global Family Charity Resort”. Zunächst wollte Anna jedoch gar nicht fahren: “Ich habe gesagt, dass ich keine Zeit habe und sowieso kein Geld – Urlaub kam mir in meiner Situation gar nicht in den Sinn! Das mögen viele nicht glauben, aber tatsächlich ist für manche ein Flug in den Urlaub so unvorstellbar wie ein Flug zum Mars.”

Doch als sie erst einmal im Hotel Post in Abtenau angekommen war, bemerkte sie ihre Erschöpfung. Jeden Tag kam sie mehr zu Kräften. Doch für sie war das Schönste, ihre Tochter wieder aufblühen zu sehen: “Sie war ja traumatisiert, da sie zusehen musste, wie ihr Vater versucht hat mich umzubringen.”

 

Eine sichere Fahrt zum Urlaubsort

Auch die Fahrt wurde für Anna und ihre Tochter organisiert. Für Bewohnerinnen eines Frauenhauses kann das Verreisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln mitunter lebensgefährlich sein. Viele Gewalttäter können eine Trennung nicht verkraften, lauern ihren Ex-Partnerinnen auf und würden sich bei der ersten Gelegenheit an ihnen rächen.

Viele ehrenamtliche Fahrer engagieren sich für das “Global Family Charity Resort”. Manche von ihnen waren selbst zuvor in den Genuss eines kostenlosen Urlaubs gekommen und wollen etwas zurückgeben. Sie stellen dann nur den Sprit in Rechnung. Manchmal muss aber auch der Gründer, Karl Polaska-Auer, persönlich den Chauffeur spielen. Doch das tut er gerne. Er hat sogar seine spätere Ehefrau bei einer dieser Fahrten kennengelernt.

Toni Polster mit einem signierten Fußball und Karl Polaska-Auer in einer Uniform, die der Schauspieler Erwin Steinhauer in dem Kriminalfilm "Polt" trug, und mit einer von Austro-Poplegende Boris Bukowski signierten Gitarre. Alles wird für den guten Zweck versteigert. Credit: Global Family

 

Immer mehr Promi-Hilfe für ein “Herzensprojekt”

Der ehemalige PR-Profi Karl Polaska-Auer gründete die wohltätige Organisation im Jahr 2007. Er selbst stammt aus der Steiermark aus ärmsten Verhältnissen. Wohltätige Zwecke sind ihm ein Anliegen, da er selbst das “wahnsinnige Glück” hatte, auf die Sonnenseite des Lebens gefallen zu sein, sagt er.

Als er das Projekt startete, war er Berater von Luxushotels. So hatte er gute Kontakte zu Hoteliers und konnte die ersten kostenlosen Urlaube für Bedürftige aufstellen. Vermittelt wurden die Leute von Organisationen wie der Caritas, der Volkshilfe oder den Frauenhäusern. Durch sein “Herzensprojekt” konnten bis heute bereits rund 900 Familien auf Urlaub fahren. Viele davon sind davor noch nie verreist. 

Auch immer mehr Prominente unterstützen die Organisation. So veranstaltet etwa Ex-Fußballstar Toni Polster am 17. November einen Promi-Flohmarkt, bei dem Gegenstände, Trophäen, Requisiten, Kleidungsstücke oder Musikinstrumente von Sportlern, Schauspielern oder Musikern unter den Hammer kommen. Darunter ist zum Beispiel eine Schiweltcup-Ausrüstung des Ex-Rennläufers Rainer Schönfelder, der außerdem selbst jährlich in all seinen sechs eigenen Hotels eine Familie kostenlos für eine Woche unterbringt.

Ex-Schirennläufer Rainer Schönfelder und Ex-Profifußballer Toni Polster signieren den Ball, der zugunsten der "Global Family" am 17. November versteigert wird. Credit: moment.at/Tina Goebel

 

Der Traum von der weltweiten “Global Family”

“Wer einmal geholfen hat, der tut es immer wieder,” so Karl Polaska-Auer, “denn ich habe oft nicht nur Tränen der Rührung in den Augen der Beschenkten gesehen, sondern auch in denen der Hoteliers und Gastronomen.” Auch Toni Polster, der sogar mit den FC Global Kickers einen eigenen Charity-Fußballverein für das Projekt gegründet hat, kann das nur bestätigen: “Es ist unglaublich, diese leuchtenden Kinderaugen zu sehen, die das erste Mal vor einem Buffet stehen und gar nicht glauben können, dass sie hier alles essen dürfen!”

Hotels von Hamburg bis Kroatien bieten sich mittlerweile als Partner an. Manche haben sogar jenen, die bei ihnen einen kostenlosen Urlaub genießen durften, später einen Job in ihrem Betrieb angeboten. Doch der Traum Karl Polaska-Auers ist ein größerer: Er will eines Tages eine weltweit vernetzte “Global Family” haben. Doch trotz der zahlreichen Unterstützung ist das “Global Family Charity Resort” noch immer unterfinanziert. Dringend wird ein neuer Reisebus benötigt, das Geld dafür soll Toni Polsters Charity-Auktion bringen.

 

Unbegründete, schlaflose Nächte

Anna ist mittlerweile glücklich verheiratet und engagiert sich nun ebenfalls in der Organisation. Sie möchte Familien die Chance ermöglichen, die sie selbst durch den kostenlosen Urlaub hatte. Die Erfolgsgeschichten sind für sie das größte Geschenk. 

An einen Fall vor drei Jahren erinnert sie sich etwa heute noch gerne zurück. Damals hatte sie für eine Bewohnerin eines Frauenhauses und deren neunjährigen Sohn einen Urlaub organisiert: “Doch ich hatte Bauchweh und schlaflose Nächte. Der Vater war ein Krimineller und der Bub hat auch viel gestohlen. Ich hatte Angst, dass er das dann auch im Hotel macht.”

Doch die Angst war unbegründet. Am Ende der Woche telefonierte sie mit dem Neunjährigen. Der fragte, ob er wieder einmal so einen schönen Urlaub machen kann – und ob er sich dafür wieder Aufführen und stehlen müsse. Da habe sie ihm erklärt, dass er genau das Gegenteil machen müsse, wenn er etwas erreichen wolle.

Zwei Jahre später erhielt sie einen Anruf der Mutter, die sich bedankte: “Aus ihrem schlimmen Sohn, der schon zwei Mal in der Schule durchgefallen war, wurde ein guter Schüler, der sogar die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium geschafft hat.”

Ein Schlüsselmoment für den Jungen war das üppige Buffet – von dem er sich alles nehmen durfte und nicht stehlen musste. Ein Kurzurlaub kann also tatsächlich der erste Schritt in ein neues Leben sein.

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