Bild zeigt schlafende Katze auf Heizkörper.

Wer teure und klimaschädliche Gasthermen und Ölkessel rauswerfen möchte, erhält Förderungen. Miethaushalte müssen oft warten. // Foto: he gong/Unsplash

/ 15. Juli 2022

Unser Wohnen trägt zur Klimakrise bei. Hunderttausende Thermen verfeuern das teuer gewordene russische Gas. Ölkessel blasen enorme Mengen Klimagase in die Luft. Dabei gibt es klimafreundliche Alternativen und große Fördertöpfe. Die wurden bisher nicht ausgeschöpft. Vor allem Mieter:innen bleiben auf alten Gasthermen sitzen. Sie zahlen die überhohen Rechnungen. Ihre Vermietungen haben wenig Anreize umzurüsten.


Deckel auf den Topf und im Winter bitte die Wohnung um 2 Grad kühler halten. So sehen Sparappelle der österreichischen Bundesregierung an die Haushalte aus. Ziel: Runter mit Verbrauch von Gas, das vor allem russisches ist. Und wohl noch einige Zeit bleiben wird. Es sei denn, Russland dreht den Gashahn komplett zu. Das wäre allerdings der GAU für die heimische Energieversorgung. Da hilft dann auch kein Topfdeckel mehr.

Österreichs Abhängigkeit von Gas aus Russland ist hausgemacht und ein Versagen von Politik und Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten. Ausbaden müssen es jetzt alle: Haushalte zahlen immer mehr für Strom und Heizen, eine Wahl haben viele nicht. In Österreich bollern noch immer 900.000 Gasthermen und 500.000 Ölkessel in privaten Wohnungen vor sich hin. Das war schon vor dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ein Problem – jetzt ist es ein noch größeres.

Haushalte verbrauchen mehr Energie aus Öl und Gas

Also heißt es: Mit fossilem Öl und Gas befeuerte Kessel tauschen. Dafür zum Beispiel Biomasse-Heizungen und Wärmepumpen installieren – die hoffentlich mit Strom aus regenerativen Energien betrieben werden. Außerdem mehr Häuser ans Fernwärmenetz anschließen, und die darin verschickte Wärme besser nicht aus Gas gewinnen.

Leicht gesagt, schwer getan. Gebäude verursachen mehr als 10 Prozent aller klimaschädlichen Treibhausgasemissionen in Österreich. Im Jahr 2019 waren das laut neuestem Klimaschutzbericht 8,1 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten. Den weitaus größten Brocken davon – mehr als 80 Prozent – erzeugen private Haushalte, weit vor öffentlichen Gebäuden sowie Büros und Geschäften.

Erfreulich: Seit 1990 gingen die Klimagas-Emissionen der Gebäude in Österreich um ganze 38 Prozent zurück. Weniger erfreulich: Seit dem Jahr 2014 stoßen Häuser wieder mehr CO2 aus. Allein im Jahr 2019, aktuellere Zahlen gibt es nicht, stieg die CO2-Bilanz von Haushalten, Büros und Geschäften um 3 Prozent.

Österreichs Gebäude kommen vom Ziel der Verringerung klimaschädigender Gase ab. Und: Heute wird in Österreichs Gebäuden 63 Prozent mehr Energie aus Gas verbraucht als im Jahr 1990. Insgesamt benötigen Gebäude in Österreich seitdem um 21 Prozent mehr Energie. Das hat viel damit zu tun, dass die Bevölkerung in dieser Zeit gewachsen ist und viele neue Gebäude errichtet wurden. Aber nicht nur: Zugige Häuser und viel Öl und Gas verfeuernde Kessel und Thermen tragen dazu bei.

Prall gefüllte Fördertöpfe für Kesseltausch

Österreichs Bundesregierung, sämtliche Länder und viele Gemeinden haben deshalb Förderprogramme aufgelegt. Der Deal: Haushalte, die ihre Ölkessel und Gasthermen gegen zeitgemäße Heizsysteme tauschen, erhalten Geld dafür. Bis zu 7.500 Euro gibt es vom Staat. Laut Klimaschutzministerium stehen für die Aktion „Raus aus Gas und Öl“ 408,4 Millionen Euro allein dafür bereit, alte Kessel auszutauschen. Insgesamt sollen Betriebe und Haushalte mit 650 Millionen Euro unterstützt werden. Etwa auch dabei, Häuser energetisch zu sanieren.

„Das Fördervolumen kann sich durchaus sehen lassen“, sagt Georg Trnka, Experte für Gebäude bei der Österreichischen Energieagentur (AEA) zu MOMENT. Doch die Bilanz liest sich ernüchternd: Das viele Geld wird gar nicht richtig ausgeschöpft. Laut Klimaschutzministerium wurden bisher 27.600 Förderungsanträge für den Kesseltausch gestellt. Knapp 30.000 haben sich registriert. 286,3 Millionen Euro vom Fördertopf sind noch nicht abgeholt.

Dabei, „ist die Motivation in der Bevölkerung unglaublich groß, die Kessel jetzt zu tauschen“, sagt Trnka. Die explodierenden Preise für Gas und Öl seien ein riesiger Anreiz. „Das ist bei den Leuten sehr stark angekommen.“ In Oberösterreich etwa: Vor Beginn des russischen Angriffkriegs waren nur ein Zehntel aller Heizungen, die in Haushalten ersetzt wurden, Gasthermen. Jetzt sei deren Anteil auf 25 Prozent gestiegen, heißt es von der Landesregierung gegenüber MOMENT.

Mit insgesamt rund 45 Millionen Euro förderten Bund und Land in Oberösterreich seit vergangenem Jahr den Austausch von alten Ölkesseln und Gasthermen. Das entspricht einem Drittel der gesamten Kosten von 140 Millionen Euro im Bundesland. Rund 5.000 Anträge auf Förderung kamen von Eigenheimbewohner:innen. Nur 600 Anträge wurden in Mehrfamilienhäusern gestellt. Bundesweit sieht es ähnlich aus: 26.200 Förderanträge kamen aus Ein- oder Zweifamlilienhäusern. Lediglich 1.400 entfielen auf den „mehrgeschossigen Wohnbau", meldet das Klimaschutzministerium auf Anfrage von MOMENT.

Heizung tauschen? Nicht so einfach für Mieter:innen 

Und das ist ein Problem. Denn was ist, wenn ich einem Mietshaus wohne und die Vermietung sich weigert, die Heizung umzubauen? „Es gibt de facto keine Möglichkeit, das als Mieter durchzusetzen“, sagt Martin Ucik von der Wiener Mietervereinigung zu MOMENT. Dort landeten viele Anfragen von Zinshausbewohner:innen, deren Vermietung nichts tun möchte für besseres Heizen.

Zwar könnte eine Mehrheit der Mieter:innen eines Hauses verlangen, dass etwa ein Fernwärmeanschluss gelegt wird, so Ucik. Aber das ginge nur, wenn die Kosten aus der Mietzinsreserve gedeckt werden oder sich Mieter:innen und Vermietung einig werden, die Kosten zu teilen. Und Vermieter:innen, die das nicht wollen, sitzen am längeren Hebel.

„Es ist meist unmöglich, so eine Mehrheit der Mieter zu bekommen – was unter anderem an der hohen Zahl an befristeten Mietverträgen liegt“, sagt Ucik. Wer einen befristeten Mietvertrag hat, tut sich eben schwer, etwas gegen den Willen der Vermietung durchsetzen zu wollen. Man will nicht unbequem werden. Aus dem Büro des oberösterreichischen Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) heißt es auf das Problem angesprochen: „Der Heizungstausch ist Entscheidung des Eigentümers, auch im Zusammenwirken mit den Mieter:innen.“

Auf Anfrage von MOMENT bestätigt das Klimaschutzministerium, dass sich immer wieder Bürger:innen melden würden. Deren Vermietungen legen sich quer, gegen den Austausch, also passiert nichts. „Es kommt auch vor, dass Mieter:innen dann den Umstieg auf eigene Kosten durchführen“, so das Ministerium von Leonore Gewessler (Grüne).

Haushalte zahlen drauf, weil Vermietung nichts tun will

Aus Sicht der Mietervereinigung muss einiges geschehen, damit mehr Häuser umgerüstet werden. Denn die Förderungen des Bundes für neue klimafreundliche Heizungen richten sich an die Hausbesitzer:innen. Die überhohen Rechnungen für die alte Gastherme zahlen aber die Mieter:innen. Vermietungen haben so kaum einen Anreiz, die Heizsysteme zu modernisieren.

„Die Besitzer können sich Investitionen in klimafreundlichere Heizformen und energetische Sanierungen ersparen“, sagt Martin Ucik. Er fordert, das Mietrecht zu ändern. „Für energetisch schlechte Häuser sollte es größere Abschläge vom Richtwertmietzins geben“, sagt er. Klar: Wer weniger Miete verlangen darf, weil die Therme alt und die Fenster undicht sind, entscheidet sich vielleicht doch dafür zu investieren.

Die Mietervereinigung möchte, „dass die kommende CO2-Steuer vom Vermieter gezahlt werden muss“, so Ucik. Das Momentum Institut schlug jüngst vor, die Kosten der CO2-Steuer fürs Heizen zwischen Vermieter:innen und Mieter:innen zu teilen. „Für Vermieter:innen wäre das ein Anreiz, Heizungen möglichst rasch zu tauschen“, heißt es dort.

Auch Carmen Bayer von der Salzburger Armutskonferenz möchte Vermieter:innen stärker in die Pflicht zu nehmen. „Sie sollten zusätzliche Energiekosten wegen schlecht sanierter Wohnungen und Gasthermen und Ölkesseln tragen“, sagt sie zu MOMENT. Denn gerade in solchen Wohnungen leben Menschen mit niedrigeren Einkommen. Sie haben wenig, zahlen aber viel für Strom und Heizen und leiden unter Energiearmut.

Das System der Förderungen sei vor allem für Miethaushalte in Städten problematisch, sagt Bayer. So übernimmt der Bund bei Haushalten mit niedrigerem Einkommen bis zu 100 Prozent der Kosten für den Umstieg – und brüstet sich dafür auch sehr. „Das ist auch sehr gut für ärmere Menschen mit einem eigenen Haus am Land“, sagt Bayer. Wer zur Miete wohnt, kann das nicht mal eben durchsetzen.

Auf energetisches Sanieren wurde vergessen

„Und mit dem Kesseltausch ist es ja nicht getan“, sagt Bayer. „Wenn ich das hinbekomme, die Wohnung zieht aber wie ein Vogerlhaus im Winter, dann ist nicht viel gewonnen.“ Zwar stehen jetzt Hunderte Millionen dafür bereit, Heizsysteme zu tauschen. Dabei wird aber wenig darauf geschaut, die Gebäude energetisch zu sanieren. Also die Fassade zu dämmen, zugige Fenster und Dachstühle abzudichten.

Die Quote der Sanierungen bestehender Häuser dümpelt derzeit bei einem Prozent pro Jahr herum. Ziel laut Regierungsprogramm sind aber mindestens drei Prozent. „Momentan liegt der Schwerpunkt beim Heizungsaustausch, wenngleich auch die thermische Sanierung gefördert wird“, sagt Experte Trnka.

Dabei gibt es noch ein Problem: Installateur:innen kommen derzeit nicht damit nach, neue klimafreundliche Kessel in die Häuser einzubauen. „Die Nachfrage nach Heizungstausch ist größer als das, was die Installateur-Betriebe in der Kürze der Zeit stemmen können“, sagt Trnka. Das werde sich aber in naher Zukunft einpendeln, ist er sicher.

Ein energetisch saniertes Haus spart rund 60 Prozent an Energie. Häuser, die weniger Energie benötigen, brauchen auch kleinere Heizungssysteme. „Im ersten Schritt sollte man das Gebäude thermisch sanieren, denn damit senke ich den Energiebedarf“, sagt Trnka. Macht man es umgekehrt und baut zuerst ein neues Heizsystem ein, werde es nach einer späteren Sanierung zu groß dimensioniert und damit ineffizient sein.

Und sei eine Heizung erstmal eingebaut, reiße man sie nicht so schnell wieder heraus. Seine Empfehlung: „Bitte unbedingt zuerst thermisch sanieren, denn danach brauchen sie viel weniger Wärme – und dann erst das Heizungssystem tauschen.“ Österreich fördert derzeit den zweiten Schritt vor dem ersten, und lässt Mieter:innen dabei allein.

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