Familien stoßen an ihre Grenzen. Zu sehen ist eine Mutter, die besorgt den Kopf ihres Kindes streichelt und besorgt telefoniert.
Familien stoßen an ihre Grenzen: Foto: Gustavo Fring/Pexels
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/ 4. Mai 2020

Familien sind in der Corona-Krise stark belastet. Das Momentum Institut hat das Umfrageinstitut SORA mit einer Studie über die genauen Auswirkungen beauftragt. Die Ergebnisse belegen sowohl Ungleichheiten zwischen gesellschaftlichen Schichten als auch gemeinsame Sorgen. 

Die Krise wirkt sich in der Arbeitswelt sehr unterschiedlich aus. Bestimmt wird das vom Bildungsstand und dementsprechenden Einkommen. Wer vorher wenig für seine Arbeit bekommen hat, ist jetzt häufiger arbeitslos geworden und wurde häufiger in Kurzarbeit geschickt.

Menschen mit höherem Bildungsstand können viel häufiger aus dem geschützten Zuhause arbeiten. Je wohlhabender jemand ist, desto einfacher lässt sich also die Krise für diese Person sowohl finanziell verdauen als auch der Aufforderung zum "Social Distancing" folgen.

Mehr als die Hälfte der Menschen arbeitet weniger als vor der Krise. Eltern im Schnitt ganze 9 Stunden weniger pro Woche - Frauen betrifft das noch stärker als Männer, obwohl sie vorher schon weniger Stunden arbeiten konnten. Die Kinderbetreuung macht das Arbeiten noch schwieriger. JedeR fünfte Befragte arbeitet nun früh am Morgen, abends oder am Wochenende. Sonst geht es sich mit Kindern nicht aus.

Nur ein sehr kleiner Teil der Kinder konnte zuletzt in Betreuungseinrichtungen wie Krippen, Kinderhorten, Kindergärten oder Schulen betreut werden. 

Und auch die Risikogruppen fallen als HelferInnen für Eltern aus. Fast jede dritte Familie setzten vor der Krise dabei auf die Großeltern - jetzt sind es nur noch 4%. Trotzdem bedeutet das: Mehr als 10.000 Kinder werden notgedrungen immer noch von Großeltern betreut, für die das Virus in der Regel gefährlicher ist.

Es gibt dabei auch einen Unterschied zwischen dem Leben in der Stadt und am Land. In den Städten werden mehr Urlaubstage verbraucht, um auf Kinder aufzupassen, am Land springen Verwandte noch häufiger ein.

Die Aussicht auf den anrollenden Sommer macht die Betreuungsfrage umso brisanter. Wenn die Kinder in den Ferien wieder zuhause sein werden, wissen viele Familien nicht, wer auf sie aufpassen soll. Je geringer das Einkommen, desto dringlicher wird auch dieses Problem. 

Die Väter sind bei der Kinderbetreuung stärker in der Pflicht als sonst. Wurden vor der Krise nur 2% der Kinder vor allem von Vätern betreut, sind es jetzt 23%. Trotzdem sind es immer noch etwa doppelt so oft die Mütter, die die Hauptverantwortung tragen.

Frauen müssen also noch öfter als sonst und noch mehr Stunden als sonst in der bezahlten Arbeit reduzieren, weil sie auch noch öfter als sonst für die Kinder sorgen müssen. Das dürfte zum Befund beitragen, dass sie sich durch die Situation auch öfter "sehr belastet" fühlen. 

Die Umfrage führte das Institut SORA im Auftrag des Momentum Institutes durch. 534 Personen wurden dafür befragtDas Institut empfiehlt in mehrere politische Maßnahmen, um die Familien in den kommenden Monaten zu entlasten. Dazu gehört, dass Betreuungseinrichtungen in den Sommerferien geöffnet bleiben sollen. Eltern sollen auch vier Wochen Sonderurlaub für die Betreuung im Juli/August bekommen. Empfohlen wird auch ein Recht auf Corona-bedingte Elternteilzeit bei vollem Lohnausgleich mit staatlicher Unterstützung. Mehr Informationen zu den Empfehlungen und der Studie findest du hier.

 

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