Nicht viel los beim Identitären-Treffen: Doch die Ideologie sitzt längst im Parlament
Es war eine mehr als skurrile Veranstaltung. Ein kleiner Haufen versprengter Identitäre und ihr genauso rechtsextremer Anhang aus Polen bewirken, dass der Kahlenberg abgesperrt wird, um ein “Gedenken” an die Türkenbelagerung 1683 abzuhalten. Das traurige Häuflein darf aber nicht davon ablenken, dass die dahinterliegende Ideologie längst im Hohen Haus angekommen ist.
Der Künstler Georg Kreisler suchte sich dereinst den Kahlenberg als Ort aus, von dem er gesanglich auf Wien blickte. In seiner Vorstellung sind keine Wiener mehr da. Das findet er schön. In den Ohren der selbsternannten Abendlandretter schrillen die Alarmglocken. Wien ohne Wiener - das klingt nach Untergang und großem Austausch noch dazu. Kreisler besang indessen eine Welt, in der der Antisemitismus kein Erbe des schönen Wiens wäre.
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Wenn man sich das rechtsextreme Gedenken am Kahlenberg anschaut, dann wird sehr deutlich, was Kreisler gemeint hat. Dort wurde eine faschistische Suppe zubereitet - Zutaten: “Remigration”, kriegerische Abwehr-Fantasien und das Hochhalten eines verkitschten historischen Mythos garniert mit dem schwelenden Blutdurst und latenter Gewaltbereitschaft.
Die traditionelle Sommerdemo der “Identitären” war auch im neuen Gewand (Gedenken statt Fußmarsch durch die Stadt) kein Erfolg. Misst man sie an ihrem Aktivismus, so zeigen sich deutliche Verschleiß-Erscheinungen. Der Glanz und die Aufmerksamkeit vergangener Jahre ist längst dahin. Jahr für Jahr interessieren sich immer weniger Menschen für ihr Angebot. Auch die angekarrten Demotouristen aus dem Ausland können da nichts mehr retten.
Doch die Gefahr, die von den Identitären ausgeht, lag nie in ihrer Größe oder Mobilisierungsstärke. Ihre Ideologie können sie zum Mainstream innerhalb des Rechtsextremismus machen.
Im Jahr 2026 passt kein Blatt Papier mehr zwischen dem, was die Identitären sagen und vloggen, und dem, was die FPÖ auf Wahlplakate packt oder in Sommergesprächen sagt. Die Verbindungen mit der Parteijugend sind eng. Die FPÖ hat unter Herbert Kickl mittlerweile aufgehört, sich auch nur im Schein zu distanzieren. Sie trägt die identitäre Ideologie in Sphären, von denen die Identitären selbst nur träumen können.
Selbst die ÖVP ist mittlerweile auf Kulturkampf und historischen Nationalismus umgeschwenkt. Es war ihr nicht zu blöd, ein Pappdenkmal für Johann Sobieski am Kahlenberg aufzustellen, um an die Türkenbelagerung zu erinnern. In Zeiten von Teuerung, KI-Bedrohung, Klimakrise und einem krachenden Gesundheitssystem ist das natürlich ein besonders wichtiges Thema.
Damit schließt die ÖVP auch historisch wieder an ihre antidemokratischen und faschistischen historischen Vorläufer an. Die fanden auch genau so etwas in einer Zeit des Umbruchs wichtig - und gingen dann statt gegen den Nationalsozialismus gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften vor. (Manche Vertreter trafen später im Konzentrationslager wieder auf Sozialdemokraten.)
Identitärer Kitsch dringt heute also weit bis ins bürgerliche Lager vor. “Remigration” und das Schüren einer Islamisierungsangst sind längst Mainstream. Der traurige Haufen am Kahlenberg ist es nicht wert, ernst genommen zu werden. Der Einfluss der von ihrer Ideologie ausgeht hingegen sehr wohl
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